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Himmlische Bilder, saftige Früchte und bischöfliche Schleichwege

Fünfte Etappe Himmlische Bilder, saftige Früchte und bischöfliche Schleichwege

Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. LVZ-Mitarbeiter haben die Wanderschuhe geschnürt und gehen auf Pilgertour. 5. Etappe: Von Colditz über Mügeln und das Kloster Sornzig nach Leisnig.

Der Mügelner Geschichtsforscher Andreas Lobe schwärmt von der Altmügelner St. Marienkirche – auch wegen ihrer imposanten Kassettendecke mit 36 Szenen aus dem Neuen Testament.
 

Quelle: Sven Bartsch

Colditz/Mügeln/Sornzig/Leisnig.  Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. Wir haben die Wanderschuhe geschnürt, den Rucksack gepackt und gehen auf Pilgertour – auf dem Lutherweg zwischen Dübener Heide, Osterland, Döbeln und Muldental. 5. Etappe: Von Colditz über Mügeln und das Kloster Sornzig nach Leisnig.

Die 5. Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von 53,5 Kilometern.

Die 5. Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von 53,5 Kilometern.

Quelle: Patrick Moye

Luther-Stationen

  • Mügeln: Luthers reformatorische Arbeit führte auch in Mügeln zu Veränderungen: Der letzte amtierende Bischof Johann IX. musste bereits 1539 zur Weihe der wieder aufgebauten Kirche Altmügeln Schleichwege nehmen, um nicht an aufgebrachte Protestanten zu geraten. Er verzichtete erst 1581 auf sein Amt und trat zum protestantischen Glauben über. 1571, am 25. Todestag Luthers, gründete sich die Mügelner Kantorei, für die später Heinrich Schütz die „Mügelner Kantaten“ komponierte.
  • Leisnig: Die aufgeklärten Leisniger Bürger setzten zur Erneuerung ihres Gemeindelebens auf die Hilfe Luthers. Der Reformator wohnte auf Einladung der Einwohner 1522 und 1523 im Stadtgut und half mit, die „Leisniger Kastenordnung“ zu erstellen – ein Vorbild für die lutherische Soziallehre und Leitbild für eine freie evangelische Schule. Eine Kopie des Dokuments ist im Leisniger Stadtmuseum zu sehen. Die ersten vier Seiten dazu stammen aus der Feder Luthers.

Quelle: Bernd Görne, Andreas Schmidt: Der Lutherweg in Sachsen. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 141 Seiten.

1. Von Colditz nach Mügeln:

Eine Bilderbuchlandschaft breitet sich vor dem Wanderer aus, wenn er Colditz hinter sich lässt: Kleine Dorfstraßen schlängeln sich Richtung Podelwitz, und gemächlich fließt die Mulde. Bepflanzte Blumenkübel stehen hier und da an einer Hofeinfahrt, in den Gärtchen wächst das Gemüse in Reih und Glied. Hier haben schon zu Luthers Zeiten die Einwohner ihre Scholle gepflegt und sich mit Obst und Gemüse versorgt. Doch für so viel Beschaulichkeit hatte der Reformator seinerzeit vermutlich wenig Sinn, schließlich war Luther zur Hoch-Zeit der Reformation ein begehrter Redner und Ratgeber und viel auf Reisen, um seine Lehren unters Volk zu bringen.

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Fünfte Etappe der LVZ-Serie „Luther läuft“: Auf den Spuren des Reformators zwischen Colditz, Mügeln, dem Kloster Sornzig und Leisnig.

Zur Bildergalerie

Die Wanderer heute dagegen können mit Muße ihrer Wege gehen. Hinter Commichau erscheint das Wasserschloss Podelwitz am Horizont. 2002 tobte auch hier die Mulde und verursachte große Schäden am Ensemble, dessen erste urkundliche Erwähnung auf 1487 datiert. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, das Schloss ist ein beliebtes Ausflugsziel und Hochzeitspaare steuern Podelwitz gerne an, um hier den Bund fürs Leben zu schließen.

Eine Abkürzung mit dem Wilden Robert

Hinter dem Schloss überqueren wir die Mulde und folgen dem Wegeverlauf durch den Schatten spendenden Wald. Anschließend verläuft die Route über Dürrweitzschen, Zschoppach und Ablaß durch das Obstland. Über sanfte Hänge sind Apfel- und Kirschplantagen angelegt, hier wird das Wandern vor allem zur Obstblüte zu einem Augenschmaus. Der nächste Ort auf dem Lutherweg ist Glossen. Und wer den Zeitpunkt seiner Wanderung geschickt gewählt hat, kann sich eine Verschnaufpause gönnen und jetzt die Schmalspurbahn nach Mügeln nehmen.

Für Ausflügler im Einsatz

Für Ausflügler im Einsatz: Die Döllnitzbahn nach Mügeln.

Quelle: Sven Bartsch

Zu ausgewählten Terminen werden die urigen Wagen sogar von der Dampflok Wilder Robert gezogen ( www.doellnitzbahn.de). Die Döllnitzbahn hat eine große Tradition.1885 baute man die Bahnstrecke entlang der Döllnitz, um das Kaolin aus den Vorkommen um Mügeln und die Ernte der Landwirte verlässlich zum Oschatzer Bahnhof zu bringen. Zu dieser Zeit wurde Mügeln zum größten Schmalspurbahnhof Europas. Heute ist die Bahn zur Schülerbeförderung und für Ausflügler im Einsatz.

2. Von Mügeln zum Kloster Sornzig:

Mügeln ist eine Einladung an den Wanderer: Der Marktplatz ist schnuckelig saniert, im Brunnen plätschert das Wasser. Vor den Häusern ringsum haben Bäcker, Fleischer und Bio-Café Stühle und Tische ins Freie gestellt. Überhaupt findet man in der einstigen Bischofsstadt überall ein Plätzchen zum Ausruhen, denn Mügeln ist „Bankenzentrum“: Kreativ gestaltete Sitzgelegenheiten machen das Rasten einzigartig und so mancher hat sich hier verewigt. Es gibt etwa eine Firebirdsbank, eine Gänsebank und eine Massagebank.

Blick aus luftiger Höhe auf Mügeln – das „Bankenzentrum“ der Collm-Region

Blick aus luftiger Höhe auf Mügeln – das „Bankenzentrum“ der Collm-Region.

Quelle: Sven Bartsch

Während die Türme der Stadtkirche Sankt Johannis und des Schlosses Ruhe-thal schon von Weitem sichtbar sind, bleibt die Kirche St. Marien in eln zunächst noch verborgen. Zu Unrecht, ein Besuch der vermutlich größten sächsischen Dorfkirche lohnt sich. Christine und Ludwig König sind die guten Seelen, die den Kirchendienst übernommen haben und Besucher des Gotteshauses schon beim Eintreten mit frischen Blumen begrüßen.

Das Kirchenschiff ist ungewöhnlich breit und über den Bänken, die über 800 Menschen Platz bieten, wölbt sich eine beeindruckende Kassettendecke, auf der 36 Szenen aus dem Neuen Testament dargestellt sind. 1134 erstmals erwähnt, erlebte die Kirche im 13. Jahrhundert einen echten Boom, als sich findige Mügelner die Marienverehrung zunutze zu machen wussten und die Kirche zum Wallfahrtsort erklärten.

Selbstbewusste Samthosen-Bauern

Es waren die „Samthosen-Bauern“ – Bauern, die viel Land und reichlich Vieh besaßen –, die das prächtige Gebäude möglich machten. „Das waren selbstbewusste Leute, die schon mal ihre Feudalherren verklagt haben, wenn ihnen etwas ungerecht vorkam“, weiß Heimatforscher und Museumsleiter Andreas Lobe.

Das Bauernepitaph in der Altmügelner Kirche ist eine Seltenheit und erinnert an einen edlen Spender

Das Bauernepitaph in der Altmügelner Kirche ist eine Seltenheit und erinnert an einen edlen Spender.

Quelle: Sven Bartsch

Durch den Hussitenfeldzug 1429 und über 100 Jahre später durch einen Brand nach Blitzschlag zerstört, konnte die Kirche durch freigiebige Spender wieder aufgebaut werden. An den besonders spendablen Bauern Wagner, der „100 dicke Groschen“ und ein Fuhrwerk zur Verfügung stellte, erinnert ein Epitaph – eine Gedenktafel für den Verstorbenen. 1539 war Altmügeln eine der letzten Kirchen im Land, die noch katholisch geweiht wurden.

Ein weiteres Epitaph erinnert an Bartholomäus Rumbaum. Der einstige Merseburger Superintendent musste gesundheitlich kürzertreten und bekam in der neu geweihten Kirche die Pfarrstelle, quasi als Schonarbeitsplatz. „Um seiner Person gerecht zu werden, wurde Altmügeln kurzerhand zur Superintendentur erklärt“, so Andreas Lobe. Katholische und Evangelische Geistliche hätten damals gut zusammengearbeitet und zum Beispiel die Mügelner Kantorei belebt – echte Ökumene also, und das schon zu Luthers Zeiten. Dieses Tempo dürfte selbst den Reformator überrascht haben.

3. Vom Kloster Sornzig nach Leisnig:

Nur vier Kilometer hinter Mügeln folgt das Dorf Sornzig mit seinem Kloster Marienthal. Von 1241 an kümmerten sich hier bis zur Reformation Zisterzienserinnen um den Obstanbau. Diese Tradition wird heute noch gepflegt: Von den Obstbauern um den Ort und auf dem Klostergelände selbst. Dort wachsen im Klostergarten jede Menge alte Obstsorten.

Redakteurin Jana Brechlin testet, begleitet von Familienhund Jimmy, die Wegstrecke – hier am Kloster Marienthal in Sornzig

Redakteurin Jana Brechlin testet, begleitet von Familienhund Jimmy, die Wegstrecke – hier am Kloster Marienthal in Sornzig.

Quelle: Sven Bartsch

Überliefert ist, dass 1652 Johann Martin Luther, ein Nachfahre des Theologen, sich um den Kauf bemüht haben soll. Heute gehört das Gelände der Dr.-Ludolf-Colditz-Stiftung und ist europäische Begegnungsstätte. Neben Seminaren und Kulturveranstaltungen finden hier mittlerweile auch Familienfeiern statt.

Das grüne L auf weißem Grund markiert überall verlässlich den Lutherweg, der weiter nach Stocken und über Gallschütz führt. Von dort lässt man durch eine Unterführung die A 14 hinter sich und wandert weiter Richtung Wollsdorf, Naunhof und Beiersdorf bis Görnitz. Der Weg verläuft dabei zunächst auf kleinen Straßen, die asphaltiert sind. Das ist ideal zum Fahrradfahren, zum Wandern sollte man Schuhe tragen, deren Fußbett den harten Untergrund abfedert. Später geht es auf gepflasterten Wegen weiter, bevor sich nach einem letzten Anstieg der Blick auf Leisnig mit Burg Mildenstein bietet – dem Schlusspunkt dieser Etappe.

Lobenswert ist, dass der Lutherweg wirklich gut ausgeschildert ist, was eine Karte überflüssig macht. Wer lieber mit Smartphone wandert, kann die Bergfex-App nutzen, die einen präzisen Streckenverlauf anzeigt. Verkehr gibt es so gut wie keinen auf diesem Abschnitt – allerdings auch kaum Bänke zur Rast, und zwischen Mügeln und Leisnig auch keine Einkehr. Wer hier wandert, sollte also reichlich Proviant einpacken.

Pilger-Service: Das müssen Sie wissen

  • Unterkunft: Mügeln – Hotel-Pension Rosenhof, Gartenstraße 19; Sornzig – Kloster Marienthal; Leisnig – Gasthof „Zum Stiefel“ an der Burg.
  • Sehenswürdigkeiten: Mügeln – Schloss Ruhethal, Kirche St. Johannis und Dorfkirche St. Marien in Altmügeln, die größte Dorfkirche Sachsens; Sornzig – Kloster Marienthal mit Klostergarten; Leisnig – Stiefelmuseum und Burg Mildenstein.
  • Tipp: Das Museum Mügeln rückt auch die Reformationszeit in den Fokus. Leiter Andreas Lobe bietet Führungen durch die Stadt an: 034362 31457. Außerdem ist Mügeln „Bankenzentrum“: Überall im Stadtbild finden sich thematisch gestaltete Sitzgelegenheiten. Leisnig – Führungen auf Burg Mildenstein am 25. Mai „Harnisch Brustpanzer und Hundshelm“, 11 Uhr, und „Bei Wasser und Brot“, 13.30 Uhr.
  • Einkehr: Mügeln – auf dem Markt betreiben Geschäfte und Cafés Freisitze, meist allerdings nur werktags; Leisnig – Café und Konditorei Meissner, Chemnitzer Straße 9, montags und dienstags geschlossen.

In der Serie „Luther läuft“ erscheinen folgende Etappen:

1. Leipzig-Eilenburg-Löbnitz-Bad Düben

2. Bad Düben-Torgau-Schildau

3. Schildau-Wurzen-Trebsen

4. Trebsen-Grimma- Kloster Nimbschen-Colditz

5. Colditz-Mügeln-Kloster Sornzig-Leisnig

6. Leisnig-Kloster Buch-Döbeln-Waldheim

7. Waldheim-Kriebstein-Mittweida-Kloster Wechselburg-Zwickau

8. Zwickau-Crimmitschau-Altenburg-Gnandstein

9. Gnandstein-Borna-Neukieritzsch-Leipzig

Die große Serie - alle Teile hier!

Von Jana Brechlin

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