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In Waldheim schwingt Martin das Tanzbein, auf Kriebstein hat er eine heimliche Verehrerin

Siebte Etappe In Waldheim schwingt Martin das Tanzbein, auf Kriebstein hat er eine heimliche Verehrerin

Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. LVZ-Mitarbeiter haben die Wanderschuhe geschnürt und gehen auf Pilgertour. 7. Etappe: Von Waldheim über Kriebstein nach Mittweida, Wechselburg nach Zwickau.

Gästeführer Michael Kreskowsky (l.) und Kantor René Röder in der Waldheimer Stadtkirche. Dort gibt es zwar ein Bild des Reformators, doch ob Luther hier war, bleibt ungewiss.
 

Quelle: Sven Bartsch

Waldheim/Kriebstein/Zwickau.  Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. Wir haben die Wanderschuhe geschnürt, den Rucksack gepackt und gehen auf Pilgertour – auf dem Lutherweg zwischen Dübener Heide, Osterland, Döbeln und Muldental. 7. Etappe: Von Waldheim über Kriebstein nach Mittweida, Wechselburg nach Zwickau.

Die 7. Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von 108 Kilometern.

Die 7. Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von 108 Kilometern.

Quelle: Patrick Moye

Luther-Stationen

  • Waldheim: Sollte Luther je in Waldheim gewesen sein, kann er nur das Augustiner-Kloster der Stadt besucht haben. Es steht auf dem heutigen JVA-Gelände, auf dem sich zwischenzeitlich das aus dem Kloster hervorgegangene Stadtschloss befunden hatte. Heute erinnert der Augustinerplatz an das Kloster.
  • Rochlitz: Der in Rochlitz geborenen Johannes Methesius war ein Schüler Luthers und verfasste dessen erste Biografie.
  • Penig: Die Stadt – seit 1539 evangelisch – gehörte seit 1543 zur Herrschaft der Familie von Schönburg. Innerhalb der wettinischen Lande nahmen die schönburgischen Herrschaften eine Sonderstellung ein. Sie ließen eine eigene Kirchenordnung für ihre Gebiete erarbeiten.
  • Zwickau: Die Zwickauer Bürger waren von den Ideen der Reformation begeistert. Bürgermeister Hermann Mühlpfort und der Rat standen ab 1521 in engem Kontakt mit Luther.

Quelle: Bernd Görne, Andreas Schmidt: Der Lutherweg in Sachsen. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 141 Seiten.

1. Von Waldheim nach Kriebstein

Über den Eichberg – ein altes Gewerbeviertel mit tollem Blick über die Stadt – führt der Lutherweg nach Waldheim hinein. In der Niederstadt stößt der Pilger auf die Justizvollzugsanstalt (JVA) Waldheim – mit 300 Jahren die älteste in Deutschland.

Noch mal 300 Jahre früher stand an dieser Stelle ein Augustinerkloster. „Die Augustiner-Eremiten gehörten zu dem Reformorden, dem auch Luther angehörte“, erklärt René Michael Röder, Waldheimer Kantor, in der Stadtkirche St. Nicolai. „Auf Reisen mussten die Augustinermönche wie Luther auch irgendwo nächtigen – und zwar nicht im Hotel Goldener Löwe, sondern immer in einem befreundeten Augustinerkloster. Daher steht die Vermutung, dass Luther mehrfach hier übernachtet hat. Allerdings ist nichts schriftlich festgehalten.“

Die Stadtkirche St

Die Stadtkirche St. Nicolai in Waldheim.

Quelle: Jürgen Kulschewski

Röders Freund und Kollege Michael Kreskowsky, Mitglied im örtlichen Kirchspielvorstand und leidenschaftlicher Kirchenforscher, ist da skeptischer. „Eigentlich müsste in Waldheim ein Schild stehen ,Luther war nie hier’“, sagt er und lacht. Kreskowsky ist als Stadtführer unterwegs. „Die Leute fragen oft, wo hat er denn nun geschlafen? Da kann ich nur sagen, Napoleon und Goethe haben in Waldheim übernachtet, der Zar von Russland war im nahen Geringswalde, aber wenn Luther da gewesen wäre, hätte man es rückblickend festgehalten“, sagt der 37-Jährige.

Nahtstelle zwischen zwei Herrschaftsgebieten

Bei einem Besuch der Stadt hätte sich Luther in Gefahr begeben. „Waldheim lag genau im Grenzgebiet zwischen dem Kurfürstentum Sachsen und dem herzoglichen Sachsen“, sagt Röder. Tatsächlich war Luther in Leisnig im ernestinischen Teil von Sachsen besser aufgehoben als im albertinischen Waldheim, das sich der Reformation noch bis 1539 widersetzte.

Doch die Musik der Lutherzeit ist hier allgegenwärtig. „In Waldheim läuft er nicht, er tanzt“, scherzt Röder. Jüngst gab es ein Konzert mit dem Titel „Luther tanzt“ in der Kirche mit der Weimarer Band The Playfords. „Das ist ein Renaissance-Pop-Ensemble. Sie spielen Lieder, die auch von Luther verwendet worden sind, aber einen anderen Ursprung haben“, sagt Röder über die Musiker.

Feiern wie zu Luthers Zeiten

Regelmäßig veranstaltet Röder im Pfarrhaus europäische Abende mit Musik aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Dabei wird auch gut gegessen. „In der Mitte des Programms gibt es ein gemeinsames Abendessen mit Speisen aus dem jeweiligen Land und der Zeit – viele Mehlspeisen, Buchweizengrütze, viel Fleisch und Fisch und viel Salz – wir liegen ja an der Salzstraße“, erklärt er vergnügt. Als Gastgeber wirft er sich dann auch in seine Renaissance-Kluft, wie er das Kostüm nennt.

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Waldheim – mit 300 Jahren die älteste in Deutschland

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Waldheim – mit 300 Jahren die älteste in Deutschland.

Quelle: dpa

Waldheim bietet noch viel Sehenswertes: Jugendstil-Liebhaber werden vom Rathaus am Niedermarkt und dem Wettinbrunnen auf dem Marktplatz begeistert sein, wo auch die Nachbildung einer kur-sächsischen Postsäule steht. Im Stadt- und Museumshaus widmet sich eine Dauerausstellung dem Bildhauer Georg Kolbe. Auf Anfrage kann man in der bereits erwähnten JVA ein Strafvollzugsmuseum besuchen ( www.justiz.sachsen.de/jvawh).

Nach dem musikalischen Aufenthalt in Waldheim geht es über die Pöppelmann-Brücke am anderen Ufer der Zschopau flussaufwärts durch Unterrauschenthal. Nach einer Flusskrümmung erreichen wir auf Waldwegen Kriebstein. Am gegenüberliegenden Ufer thront die gleichnamige Feste über dem Tal.

2. Von Kriebstein nach Mittweida

Von der ehrwürdigen, 1348 gegründeten Burg gingen Impulse für die Reformation aus. Herzogin Elisabeth von Sachsen, die hier von 1537 bis 1543 zeitweise wohnte, förderte die reformatorische Bewegung von dem Moment an, in dem sie die Burg als zweiten Witwensitz übernahm. Ihr Schwiegervater – Herzog Georg der Bärtige – hatte strenges Festhalten am katholischen Glauben befohlen, doch Elisabeth widersetzte sich, ließ reformatorische Bestrebungen gewähren und sprach sich gegen den Zwang in Glaubensfragen aus. Als Herzog Georg 1539 starb, übernahm sein ebenfalls lutherisch überzeugter Bruder Heinrich der Fromme die Macht und führte umgehend die Reformation ein.

Kriebstein über der Zschopau zählt zu den schönsten Ritterburgen Sachsens

Kriebstein über der Zschopau zählt zu den schönsten Ritterburgen Sachsens.

Quelle: dpa-Zentralbild

Eine weitere Verbindung zur Reformation ist der Alexius-Altar aus dem Waldheimer Augustiner-Kloster, der seit Auflösung desselben 1549 auf der Burg zu sehen ist. „Das ist der einzige Altar in Sachsen, der diesen Heiligen zeigt. Er wurde von den Mönchen um 1520 in Auftrag gegeben“, weiß Michael Kreskowsky. Die Mönche stifteten den Altar und die letzten beiden dienten nach Auflösung des Klosters als Pfarrer und Diakon in Waldheim.

Ein Glanzpunkt Kriebsteins ist die beiderseits begehbare Talsperre, hier kann der Pilger eine Bootsfahrt auf dem Stausee unternehmen oder – falls er noch überschüssige Kräfte hat – den Kletterwald besuchen. Doch die Energie werden die meisten für die nun folgenden 17 Kilometer bis Mittweida brauchen. Die Waldwege an der Zschopau sind für Radfahrer nicht geeignet, auf halber Strecke bietet sich am Raubschloss ein eindrucksvoller Ausblick.

3. Von Mittweida nach Kloster Wechselburg

„Wenn man es genau sagen will, dann ist der Weg über Kriebstein ein Lückenschluss im Lutherweg. Luther war auch nicht in Mittweida. Er war vogelfrei und hätte sich damals dort nicht hingetraut“, sagt Michael Kreskowsky. Sehenwertes gibt es dennoch: die Stadtkirche „Unser lieben Frauen“ und einen Kirchturm zum Hinaufsteigen, einen Schwanenteich oder das Erich-Loest-Haus in der Geburtsstadt des Schriftstellers.

Im Kloster Wechselburg leben Benediktinermönche

Im Kloster Wechselburg leben Benediktinermönche.

Quelle: picture alliance / dpa

Ein schöner Weg hin zu weiteren Wirkungsstätten Luthers und anderer Anhängern der Reformation führt nun über Rochlitz bis nach Wechselburg. Allein der Besuch auf Schloss Rochlitz, wo Elisabeth von Sachsen ihren Hauptwitwensitz hatte, ist die Pilgerreise wert. Das Schloss liegt an der Zwickauer Mulde auf einem Ausläufer des Rochlitzer Berges. Im nun folgenden Kloster Wechselburg leben seit 1993 wieder Benediktinermönche. In der Basilika finden regelmäßig Konzert statt.

4. Von Wechselburg nach Zwickau

Über Schloss Rochsburg geht es nun auf Wald- und Wiesenwegen nach Penig und weiter auf dem Muldewanderweg bis Wolkenburg – ein Schloss, das sich über der Mulde und fast über den Wolken erhebt. Nun verläuft die Strecke oberhalb der Mulde auf Waldwegen. Es folgen die idyllische Töpferstadt Waldenburg und Glauchau samt der Schlösser Hinter- und Forderglauchau.

Vor dem Reformationsjubiläum wurde die Lutherstatue an der Lutherkirche in Zwickau komplett saniert

Vor dem Reformationsjubiläum wurde die Lutherstatue an der Lutherkirche in Zwickau komplett saniert.

Quelle: dpa

Dann sind es noch weitere 18 Kilometer – und wer auf der Paradiesbrücke die Mulde überquert, hat nicht das Paradies, aber Zwickau erreicht. Hier trat ein weiterer Reformator – Thomas Müntzer – um 1520 für Luthers Sache ein. Er war an beiden Stadtkirchen Prediger, wurde allerdings wieder entlassen.

Pilger-Service: Das müssen Sie wissen

  • Unterkunft: Braugut Hartmannsdorf, 10 Kilometer von Penig entfernt: 500 Jahre alter Vierseithof, historische Gaststätte mit verschiedenen Sälen und Hotelübernachtung. ( www.braugut.de)
  • Unterkunft: Hotel Goldener Löwe in Waldheim ( www.goldener-loewe-waldheim.de)
  • Sehenswürdigkeiten: Bauernmuseum im Dreiseithof von 1809 in Dürrengerbisdorf bei Wolkenburg.
  • Tipp: Besucherberg „Alte Hoffnung Erbstolln“ im Mittweidaer Ortsteil Schönborn. ( www.schaubergwerk.de)
  • Tipp: Tierpark Penig mit 1700 Tieren, vor allem 170 als gefährdet eingestufte Tiere am Pelzmühlenteich.
  • Einkehr: Ratskeller Waldheim ( www.waldheim-ratskeller.de)
  • Tipp: Porphyrlehrpfad in Rochlitz: über 2,7 Kilometer von der Entstehung über Abbau bis Einsatz bei bedeutenden Bauwerken ( www.rochlitzer-muldental.de)

In der Serie „Luther läuft“ erscheinen folgende Etappen:

1. Leipzig-Eilenburg-Löbnitz-Bad Düben

2. Bad Düben-Torgau-Schildau

3. Schildau-Wurzen-Trebsen

4. Trebsen-Grimma- Kloster Nimbschen-Colditz

5. Colditz-Mügeln-Kloster Sornzig-Leisnig

6. Leisnig-Kloster Buch-Döbeln-Waldheim

7. Waldheim-Kriebstein-Mittweida-Kloster Wechselburg-Zwickau

8. Zwickau-Crimmitschau-Altenburg-Gnandstein

9. Gnandstein-Borna-Neukieritzsch-Leipzig

Die große Serie - alle Teile hier!

Von Sebastian Fink

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