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Traumpaar: Martin liebt die Ordnung in Leisnig, Käte traut Verliebte in Döbeln

Sechste Etappe Traumpaar: Martin liebt die Ordnung in Leisnig, Käte traut Verliebte in Döbeln

Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. LVZ-Mitarbeiter haben die Wanderschuhe geschnürt und gehen auf Pilgertour. 6. Etappe: Von Leisnig über Döbeln nach Waldheim.

Irina Schädlich spielt im musikalisch-literarischen Programm „Mein lieber Herr Käte“ des Mittelsächsischen Kultursommers mit Schauspieler Norbert Hein die Frau des Reformators.
 

Quelle: BUR Werbeagentur GmbH

Leisnig/Döbeln/Waldheim.  Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. Wir haben die Wanderschuhe geschnürt, den Rucksack gepackt und gehen auf Pilgertour – auf dem Lutherweg zwischen Dübener Heide, Osterland, Döbeln und Muldental. 6. Etappe: Von Leisnig über Döbeln nach Waldheim.

Die 6. Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von etwa 41 Kilometern.

Die 6. Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von etwa 41 Kilometern.

Quelle:

Luther-Stationen

  • Leisnigs Kastenordnung hatte nichts mit den gesellschaftlichen Gruppen Indiens zu tun. Es ging dabei auch um Spenden, die zum Wohle der Allgemeinheit und Bedürftiger in einem Kasten gesammelt wurden. Vorwortschreiber Luther fand die Sache gut. Er weilte 1522 und 1523 für jeweils fünf Tage in der Stadt.
  • 1521 kam Jacob Seydler nach Döbeln, der schon frühzeitig der Reformation anhing. Nachdem er trotz Eheverbotes seinen Köchin geheiratet hatte, ließ ihn Herzog Georg in Stolpen inhaftieren. Auf Bitten Melanchthons wurde er bis zum Prozess entlassen und ging nach Döbeln. Das Predigen in der altgläubigen Kirche war ihm untersagt, doch auf Bitten der Bürger hielt er eine Predigt im Rathaus. Infolgedessen ließ der Landesherr die Anhänger der Reformation inhaftieren. Erst 1539 hielt sie schließlich in Döbeln Einzug. 1545 – ein Jahr vor seinem Tod – soll Luther den Döbelner Pfarrer Magister Braun in sein Amt eingeführt haben.

Quelle: Bernd Görne, Andreas Schmidt: Der Lutherweg in Sachsen. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 141 Seiten.

1. Von Leisnig nach Klosterbuch

Das Wichtige zuerst: Luther war in Leisnig. Gleich zweimal. Da brauchen die Leisniger nichts an den Haaren herbei zu spekulieren. Martin kümmerte sich um die Ordnung in Leisnig, es war sogar eine neue Ordnung. Aber langsam ...

Der Wandersmann auf Luthers Spuren nimmt von Fischendorf aus den steilen Anstieg hinauf in Leisnigs Altstadt. Von weitem grüßt die Burg Mildenstein. Von hier aus wurde einst das Heilige Römische Reich deutscher Nation regiert: Im 12. Jahrhundert gehörte die Burg dem Kaiser Barbarossa. Empfehlenswert ist eine der Führungen. Sowohl Almut Zimmermann als auch Michael Kreskowsky als ehrenamtliche Museumspädagogen wissen lebhaft und anschaulich zu erzählen.

 Wer über Samt und Seide, Sprache und Kochen etwas wissen möchte, wählt die Dame. Für Heilige, Pilger, Könige und Kaiser ist Kreskowsky der Richtige. Führungstermine am besten vorher telefonisch erfragen (034321/625625) oder aus dem Netz fischen ( www.burgmildenstein.de). Und: Auf Mildenstein ist ein richtiges Verlies zu besichtigen.

Der größte Stulpenstiefel der Welt steht in Leisnig

Von der Burg in die Altstadt geht es am Stiefelmuseum vorbei. Dort steht der mit einer Höhe von 4,90 Metern größte Stulpenstiefel der Welt.

Auf dem Weg die Kirchstraße hinauf liegt das Museum für historische Maschinen und Fahrzeuge von Claus-Dieter Andrä. Das ist ein Mann mit Benzin im Blut und einer Sammelleidenschaft für alles, was den Duft nach Treib- und Schmierstoffen verströmt. Das Museum hat an der Johannes-R.-Becher-Straße einen zweiten, größeren Standort. Dort gibt es Alltagsgegenstände aus der DDR zu sehen und in einem Raum Exponate der früheren Leisniger Puppenbühne Kotte.

Was steht in der Leisniger Kastenordnung

Was steht in der Leisniger Kastenordnung? Carla Lichtenstein und Superintendent Arnold Liebers blättern in einem Nachdruck. Dieser liegt im Leisniger Stadtgut aus.

Quelle: Sven Bartsch

Bis hier begegnete dem Wanderer noch nicht viel Lutherisches. Aber jetzt geht es los: In der Kirchstraße zieht ein Haus mit einem Renaissance-Portal aus Porphyr die Blicke auf sich: Das Stadtgut. Das Bürgerhaus stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert, teilweise ist die Bausubstanz noch älter. Das Obergeschoss beherbergt eine Dauerausstellung über Luthers Wirken. „Der Reformator reiste auf Bitten des damaligen Rates 1522 und 1523 nach Leisnig“, weiß Superintendent Arnold Liebers.

Die Leisniger hatten es satt, dass der Abt des Klosters Buch ihre Angelegenheiten bestimmte. Sie schafften sich dessen Einfluss vom Hals und verfassten ein Papier, das als Leisniger Kastenordnung in die Geschichte einging – das erste evangelische Sozialpapier. Es regelt theologische, wirtschaftliche, soziale und kommunale Belange.

Luther gefiel diese Ordnung offenbar, jedenfalls verfasste er in Leisnig das Vorwort. Der Reformator wohnte vermutlich im Stadtgut schräg gegenüber der Matthäi-Kirche. Dort zu sehen ist ein Altar von Valentin Otte aus dem 15. Jahrhundert. Er stellt in bildhauerischer Form das Leben Christi in einer seltenen Form und Fülle dar.

Zum Markt hinauf und über die Obermarktgasse geht es hinab ins Muldental und dem Muldenverlauf folgend Richtung Klosterbuch. Der ausgewiesene Lutherweg biegt hinter dem Ortsausgang nach rechts, von der Mulde weg, in den Eichgrundweg ab – Achtung, Stelle merken. Doch hier sei eine Abweichung empfohlen: Das ehemalige Kloster Buch gehört nicht als Station zum Luther-Weg, steht aber trotzdem exemplarisch für die Reformation. Die ersten Seelsorger, die als lutherische Anhänger in Leisnigs Kirchgemeinde wirkten, waren zuvor Klosterbucher Mönche.

Luther war mit Pferd und Wagen zwischen Leisnig und Wittenberg unterwegs, Jürgen und Elsbeth Pohl tun es ihm nach

Luther war mit Pferd und Wagen zwischen Leisnig und Wittenberg unterwegs, Jürgen und Elsbeth Pohl tun es ihm nach.

Quelle: Sven Bartsch

Im Kloster ist viel über die Tradition der Zisterziensermönche zu erfahren und wie sie die Wirtschaft und Landwirtschaft der Region prägten, zum Beispiel mit dem Obstbau. Der Fachwerk- und Archehof mitten im Ort gehört Jürgen und Elsbeth Pohl. Dort ist etwas zu erfahren über bedrohte Nutztierrassen. Schaf, Ziege, Huhn und mehr stehen auf der Weide und im Stall. Das Ehepaar scheut auch den Weg nach Wittenberg nicht, wenn es um Luther geht, und sie reisen wie er: Mit dem Pferdegespann. Mit dem Zu-Fuß-Gehen hatte es Luther dem Vernehmen nach gar nicht.

2. Von Klosterbuch nach Döbeln

In Klosterbuch kann man übernachten und gut essen. Tipp: Wer einmal dort ist, lässt sich von Einheimischen den Weg über den Klostersteig hinauf in den Wald erklären zum Tannenbergweg. Auf ihm verläuft der Lutherweg. Im Wald gibt es wenig später einen Abzweig zum Aussichtspunkt Maylust.Von dort bietet sich ein wunderschöner Ausblick auf das Mudental und das Kloster. Dann weist wieder das grüne Lutherweg-L die Richtung, und auf geht es gen Döbeln über Westewitz.

Der Wanderer passiert das Mulde-Hochwehr, eines der größten überdachten Hochwehre in Europa. Hinsetzen, ausspannen, Blick über die Mulde genießen – einfach herrlich. Zwischen Westewitz und Technitz in Richtung Döbeln verläuft der Lutherweg übrigens auf dem Muldentalradwanderweg.

In Döbeln führt der Lutherweg zur Stadtinformation im Rathaus. Dort ist der ältere Bruder des Leisniger Riesenstiefels zu sehen. Und im Standesamt arbeitet Katharina von Bora. Im richtigen Leben heißt sie Irina Schädlich. Zusammen mit dem Schauspieler Norbert Hein, der den Reformator bereits mit seiner Statur sehr authentisch darzustellen vermag, sind sie das Lutherpaar für Sachsen und als solches auf der Broschüre zum Lutherweg abgebildet.

Mittelsächsischer Kultursommer bietet Programm über Luthers Heirat an

Im literarisch-musiklaischen Programm „Mein lieber Herr Käte“, das beim Verein Mittelsächsischer Kultursommer (Miskus) gebucht werden kann, erzählen die zwei Geschichten über ihr Kennenlernen, die Hochzeit, ihr Leben. Nach der Flucht aus dem Kloster Nimbschen begann gar nicht die große Freiheit für die 21-Jährige Katharina von Bora.

„Mittellos und vogelfrei, brauchte sie wen, um zu überleben“, sagt Irina Schädlich. So sei es auch den anderen Nonnen ergangen. Doch Katharina leistete es sich, mehrere für sie ausgesuchte Heiratskandidaten abzulehnen. Luther hat sich ihrer erbarmt, wie er selbst es formuliert haben soll. Im Programm des Miskus sagt der Reformator zu seiner Frau: „Ich liebte dich nicht, als ich dich nahm.“

„Durch die Heirat gab er ihr eine Chance – ohne, dass er etwas von ihr wollte“, so Schädlich. Nun ja, die sechs Kinder der Luthers brachte wohl kaum der Klapperstorch vorbei. Auch sonst war die Lutherin eine viel beschäftigte Frau. „Sie bekochte ihn, braute sein Bier, führte den Haushalt, widmete sich mit der Legitimation des Ehemannes dem Handel, ließ die Felder bewirtschaften, hielt ihrem Mann den Rücken frei. Sie konnte darin frei handeln, womit die beiden in gewisser Weise eine moderne Ehe führten.“

3. Von Klosterbuch nach Döbeln

Nun geht es weiter bis nach Waldheim, noch mal stolze 18 Kilometer. Die Dorfstraße führt zunächst bis Stockhausen, am Viadukt in Limmritz wird die Zschopau überquert. Dann verläuft die Route teilweise entlang des Zschopauwanderweges, der allerdings nicht per Rad befahrbar ist.

Pilger-Service: Das müssen Sie wissen

  • Sehenswürdigkeiten: Leisnig – Burg Mildenstein, Stadtgut mit Luther-Dauerausstellung, Kirche St. Matthäi; das Kloster Buch. Döbeln – Erich-Heckel-Haus, Stadtmuseum mit Kleiner Galerie im Rathaus
  • Tipp: Leisnig – größter Stulpenstiefel der Welt, Museum für historische Maschinen und Fahrzeuge, Museum Puppenbühne Kotte, Hochwehr Westewitz; Döbeln – Pferdebahnmuseum, Döbelner Riesenstiefel sowie Stadtmuseum Döbeln mit Kleiner Galerie im Rathaus.
  • Einkehr: Leisnig – Gasthaus „Zum Stiefel“ am Burglehn, hier auch Übernachtungen. „Taverne“ ebenfalls direkt in der Altstadt. Klosterbuch – Klosterschänke „Zum frohen Mönch“ (der Wirt bringt auch Wild aus heimischen Wäldern auf den Tisch), Übernachtung im Fachwerk- und Archehof Klosterbuch; Westewitz – Muldentalklause (großer Freisitz an der Mulde) sowie Kanuheim auf der Bischofswiese, hier auch Übernachtungen; Döbeln – Übernachtung Viehrig „Ferienhaus an der Mulde“; Hotels „Döbelner Hof“ und „Bavaria“.

In der Serie „Luther läuft“ erscheinen folgende Etappen:

1. Leipzig-Eilenburg-Löbnitz-Bad Düben

2. Bad Düben-Torgau-Schildau

3. Schildau-Wurzen-Trebsen

4. Trebsen-Grimma- Kloster Nimbschen-Colditz

5. Colditz-Mügeln-Kloster Sornzig-Leisnig

6. Leisnig-Kloster Buch-Döbeln-Waldheim

7. Waldheim-Kriebstein-Mittweida-Kloster Wechselburg-Zwickau

8. Zwickau-Crimmitschau-Altenburg-Gnandstein

9. Gnandstein-Borna-Neukieritzsch-Leipzig

Die große Serie - alle Teile hier!

Von Steffi Robak

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