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Von Bad Düben nach Schildau: Unterwegs auf Martins gefährlichen Wegen

Zweite Etappe Von Bad Düben nach Schildau: Unterwegs auf Martins gefährlichen Wegen

Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. LVZ-Mitarbeiter haben die Wanderschuhe geschnürt und gehen auf Pilgertour. 2. Etappe: Von Bad Düben über Torgau nach Schildau.

Beate Senftleben vor dem Grabstein von Katharina von Bora, der Frau Luthers. Bei Beate Senftleben laufen die Fäden für das Projekt „Martin Luther, die Bibel und ich“ zusammen. Wer sich an dem Bibelabschreibeprojekt beteiligen möchte, sollte sich zuvor unter der Rufnummer 03421/703480 anmelden.
 

Quelle: Wolfgang Sens

Bad Düben/Torgau/Schildau.  Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. Wir haben die Wanderschuhe geschnürt, den Rucksack gepackt und gehen auf Pilgertour – auf dem Lutherweg zwischen Dübener Heide, Osterland, Döbeln und Muldental. 2. Etappe: Von Bad Düben über Torgau nach Schildau.

Die zweite Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von 43 Kilometern.

Die zweite Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von 43 Kilometern.

Quelle: Patrick Moye

Luther-Stationen

  • Dübener Heide: Sie ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in Nordsachsen. Luther muss es bei seinen zahlreichen Reisen mehrfach durchquert haben. Pechsiederhütten und Köhlereinsiedeleien säumten den Weg durch die Heide. Dabei war das Reisen durch den Wald nicht ungefährlich, da es auch Räuber und Wegelagerer gab.
  • Torgau war eine der Schaltzentralen der Macht in den kursächsischen Landen. Die ernestinischen Kurfürsten Friedrich der Weise und sein Sohn Johann Friedrich bauten Schloss Hartenfels zu einer Residenz aus. Rund um das Schloss wuchs eine beachtliche Stadt mit selbstbewusstem Bürgertum, das für die Thesen Luthers offen war.
  • Schildau ist bekannt als die Stadt der Schildbürger. Luther selbst kannte das Büchlein über die Schildbürger noch nicht. „Das Schildbürgerbuch“ erschien erstmals 1598, da war Martin Luther schon über 50 Jahre tot.

Quelle: Bernd Görne, Andreas Schmidt: Der Lutherweg in Sachsen. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 141 Seiten.

1. Durch die Dübener Heide nach Torgau

Wer sich auf den Weg von Bad Düben nach Torgau macht, vor dem liegt eine etwa 30 Kilometer lange Strecke. Anstrengend ist der Marsch nicht. Es geht durch flaches, manchmal etwas hügeliges Gelände. Ein großer Teil der Strecke führt durch die dicht bewaldete Dübener Heide. Es wechseln sich Wiesen, Felder, Dörfchen und Wald ab. Luther ist seiner Zeit garantiert auch durch diese Wälder gereist. Das war in der Reformationszeit eine gefährliche Sache. Im Schutz der Wälder hausten Kriegsknechte, aufgebrachte und geächtete Bauern und fahrendes Volk. Heute läuft dem Wanderer eher mal ein Wildkater oder ein Biber über den Weg.

Wer vom Lutherweg etwas abweicht, der sollte einen Abstecher nach Authausen in die Vorgeschichte machen. Dort haben englische Studenten vor 15 Jahren ein germanisches Langhaus nachgebaut. Naturfreunde sollten unbedingt eine Rast im Presseler Heide- und Moorwald einlegen. Der Zadlitzbruch ist eine der wenigen Sumpflandschaften in Sachsen. Wo früher Torf abgebaut wurde, ist heute Naturschutzgebiet, seltene Pflanzen wie der Sonnentau sind hier zu Hause.

Der Fürst auf dem Baum

Kurz vor dem Dorf Weidenhain, noch im Wald, stößt man auf eine Sandsteinsäule mit Relief – die sogenannte Bärensäule. Sie erinnert an eine Geschichte, die sich 1562 abgespielt haben soll. Kurfürst August I. verirrte sich hier bei der Jagd und wurde von einem Bären verfolgt. Um sich zu retten, kletterte der Fürst auf einen Baum, doch der Bär hinterher. Erst der Schuss aus einer Büchse des Jägers Thomas Meißner machte dem Bären den Garaus und rettete dem Durchlauchtigsten den Allerwertesten. Zum Dank wurde die Bärensäule im Wald aufgestellt.

Wer auf dem Weg nach Torgau durch Süptitz kommt, sollte sich kurz die Geschichte des Siebenjährigen Krieges in Erinnerung rufen. 1760 tobte eine Schlacht auf den Süptitzer Höhen. Bei dem Gemetzel starben tausende Soldaten.

Von Süptitz aus sind schon die Türme von Schloss Hartenfels und der Torgauer Marienkirche zu sehen.

2. Torgau – die Amme der Reformation

Die Stadt Torgau ist eine der bedeutendsten Luther-Städte in Sachsen. In Büchern findet man den Vergleich, dass Wittenberg die Wiege und Torgau die Amme der Reformation sind. Dabei ist das Verhältnis von Torgau und Luther noch längst nicht hinreichend erforscht. Über 40 Mal soll sich der Reformator in der Stadt aufgehalten haben. Das hatte zwei Gründe – Luthers Lehre wurde von den Torgauer Bürgern aufgesogen und der Kurfürst auf Schloss Hartenfels war die Lebensversicherung für Luther und die neue Lehre.

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Die Stadt Torgau ist eine der bedeutendsten Luther-Städte in Sachsen – hier hat der Kirchenmann tiefe Spuren hinterlassen. In Büchern findet man den Vergleich, dass Wittenberg die Wiege und Torgau die Amme der Reformation sind.

Zur Bildergalerie

Dem heutigen Betrachter zeigt sich Torgau immer noch als Stadt der Renaissance, der Epoche, in der Luther lebte. Wer auf dem Lutherwegs unterwegs ist, sollte sich auf jeden Fall auf Entdeckertour durch die Straßen begeben. Das Torgauer Stadtmuseum in der Wintergrüne dokumentiert sehr genau die Entwicklung des Ortes. Sonderausstellungen auf Schloss Hartenfels, die unter der Federführung der Sächsischen Kunstsammlungen Dresden gezeigt werden, spiegeln den höfischen Prunk wider und die Katharinen-Stube in der Katharinenstraße widmet sich Luthers Ehefrau Katharina von Bora.

Auf der Flucht vor der Pest in Wittenberg verschlug es Luthers Witwe Katharina nach Torgau. Bei einem Unfall verletzte sie sich so schwer, dass sie nur wenige Tag nach ihrer Ankunft 1552 in Torgau starb. Ihr Grabstein befindet sich seitdem in der Stadtkirche. Sehenswert ist auch die Torgauer Schlosskirche, der erste evangelische Kirchenbau, der von Luther selbst 1544 eingeweiht wurde. Der Besucher mag sich fragen, wie Luther in seinen beleibteren Jahren den knapp bemessenen Aufgang zur Kanzel meisterte.

Das reformatorisch wichtigste Gebäude in Torgau ist wohl die Wintergrüne 2, die alte Superintendentur. 1530 schrieben in den Mauern des Hauses Luther, Melanchthon, Jonas und Bugenhagen die Grundfassung der Torgauer Artikel nieder, die theologischen Grundlagen für den evangelischen Glauben.

Schloss Hartenfels mit dem Eingang zur Schlosskirche (l)

Schloss Hartenfels mit dem Eingang zur Schlosskirche (l.). In den Abendstunden wird der Schlosshof angeleuchtet und ist fast menschenleer.

Quelle: Wolfgang Sens

Heute beherbergt das Gebäude unter anderem das evangelische Jugendbildungsprojekt Wintergrüne, eine Einrichtung des Kirchenkreises Torgau-Delitzsch. „Wir wollen heute noch den Geist der Reformation weitertragen“, sagt Beate Senftleben, die Leiterin des Jugendbildungsprojektes. Luther und die Bibel hautnah erleben, das können Wanderer bei dem Projekt „Martin Luther, die Bibel und ich“.

31.000 Helfer schreiben an der Bibel

„Die Bibel hat ungefähr 31.000 Verse. Jeder Besucher kann per Hand einen Vers abschreiben. Dann werden sich 31.000 Menschen mit der Bibel befasst haben“, sagt die Gemeindepädagogin. Eigentlich sollte das Vorhaben zum Reformationsjubiläum in diesem Jahr beendet werden. „Doch davon sind wir noch weit entfernt“, erläutert Beate Senftleben, die das Projekt seit 2008 betreut. Immerhin sind schon über 7000 Verse geschrieben.

In der Wintergrüne 2 werden Besucher auch auf eine virtuelle Reise durch die Stadt und die Zeit geschickt. Auf einem großen Display können sie sich interaktiv spielerisch Infos zur Stadt- und Reformationsgeschichte anzeigen lassen. Gelebte Reformation ist die Ausstellung „Wurzeln und Flügel“ im Obergeschoss. „Der Gang durch die Räume ist ein Angebot, sich aktiv und kritisch mit den Perspektiven des Lebens auseinanderzusetzen“, lädt Beate Senftleben ein.

Von der Wintergrüne 2 ist es nur ein kurzer Weg zum Spalatinhaus. Georg Spalatin, der Weggefährte und Freund Luthers, lebte in Torgau, bevor er 1525 seine Pfarrstelle in Altenburg antrat.

3. Von Torgau zur Stadt der Schildbürger

Bis Schildau sind nun noch etwa 13 Kilometer zu bewältigen. Das Land ist flach und waldig und gehört schon zur Dahlener Heide. Als Wegmarkierung für die Reisenden kann der 216 Meter hohe Schildberg dienen. Für Luther war der Weg von Torgau in Richtung Süden ein Risiko. Nach der Verhängung der Reichsacht über ihn war er nur in ernestinischen Gebieten sicher. So musste er Leipzig meiden und konnte nur über Schildau nach Grimma gelangen – doch auch hier betrat er zwischen Frauwalde und Schildau ein kurzes Stück des für ihn gefährlichen albertinischen Gebiets.

In Schildas Schildbürgermuseum präsentiert sich beispielsweise ein Lichtfänger – ausgestattet mit Lichtfangsack

In Schildas Schildbürgermuseum präsentiert sich beispielsweise ein Lichtfänger – ausgestattet mit Lichtfangsack.

Quelle: Günther Schmidt / Schildbürgermuseum

Schildau ist ein beschauliches Ackerbürgerstädtchen und trotzdem kennt es fast jeder als Stadt der Schelme und Narren. So wurde es dem Ort von einem anonymen Schreiberling im „Schildbürgerbuch“ 1598 angedichtet. Das Schildbürgermuseum und ein Schildbürger-Rundgang geben Aufschluss über Streiche und Hintergründe.

Zwei Personen müssen beim Stichwort Schildau unbedingt erwähnt werden. Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, lebte 1804 für ein halbes Jahr in der Stadt und 1760 wurde August Neidhardt von Gneisenau hier geboren. Aus ihm wurde später ein bekannter preußischer Militärreformer. In der napoleonischen Zeit setzte sich Gneisenau für die Vertreibung der Franzosen ein.

Nach dem Stadtrundgang geht die Wanderung um den Schildberg weiter in Richtung Wurzen. Wer Zeit hat sollte den Abstecher auf den Berg machen. Vom dortigen Turm bietet sich eine wunderbare Aussicht nach Norden bis Torgau und nach Süden in die Dahlener Heide.

Pilger-Service: Das müssen Sie wissen

  • Unterkunft: Vor allem in der Region Dübener und Dahlener Heide gibt es zahlreiche familiengeführte preiswerte Pensionen. In Torgau bieten unter anderem das Hotel „Goldener Anker“ am Markt oder der „Alte Elbehof“ im Ortsteil Werdau gute und günstige Übernachtungen an.
  • Sehenswürdigkeiten: In Torgau sind die Schlosskirche und die Katharinenstube (Katharinenstraße 1, Di.-So. 10-18 Uhr) unbedingt einen Besuch wert, zudem lohnt ein Blick auf die Bären im Schlossgraben. Auch ein Bummel durch die gut erhaltene Renaissancestadt lohnt sich. In Schildau lädt das Schildbürgermuseum ein (Marktstraße 14, Di.-Fr. 10-12 und 13-16 Uhr, Sa./So. 13.30-16 Uhr).
  • Tipp: In Torgau gibt es eine gut ausgestattete Tourismus-Info auf dem Markt im Rathaus. Dort lassen sich Stadtrundgänge buchen (Tel. 03421/70140).
  • Einkehr: Torgau bietet ein großes gastronomisches Angebot. Kaffee und Kuchen sind in der italienischen Eisdiele am Markt und im Schloss-Café empfehlenswert. Gute Küche wird im Restaurant „Herr Käthe“ in der Katharinenstraße oder im Torgauer Ortsteil Werdau im „Alten Elbehof“ bei Familie Hepe serviert.

In der Serie „Luther läuft“ erscheinen folgende Etappen:

1. Leipzig-Eilenburg-Löbnitz-Bad Düben

2. Bad Düben-Torgau-Schildau

3. Schildau-Wurzen-Trebsen

4. Trebsen-Grimma- Kloster Nimbschen-Colditz

5. Colditz-Mügeln-Kloster Sornzig-Leisnig

6. Leisnig-Kloster Buch-Döbeln-Waldheim

7. Waldheim-Kriebstein-Mittweida-Kloster Wechselburg-Zwickau

8. Zwickau-Crimmitschau-Altenburg-Gnandstein

9. Gnandstein-Borna-Neukieritzsch-Leipzig

Die große Serie - alle Teile hier!

Von Hagen Rösner

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