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Von der Eilenburger Schmalzgrube zum Liebchen ins feine Löbnitz

Erste Etappe Von der Eilenburger Schmalzgrube zum Liebchen ins feine Löbnitz

Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. LVZ-Mitarbeiter haben die Wanderschuhe geschnürt und gehen auf Pilgertour. 1. Etappe: Von Leipzig über Eilenburg und Löbnitz nach Bad Düben.

In der Stadtkirche St. Nikolai Bad Düben hat Luther 1519 die evangelische Lehre eingeführt. Die Kirche ist heute Bestandteil von Lutherführungen, die Lutz Fritzsche (4.v.l.) anbietet (siehe „Pilgerservice“ rechts unten). In der Kirche steht eine kleine Lutherskulptur aus Wittenberg.
 

Quelle: Wolfgang Sens

Leipzig/Eilenburg/Bad Düben.  Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. LVZ-Mitarbeiter haben die Wanderschuhe geschnürt, den Rucksack gepackt und gehen auf Pilgertour – auf dem Lutherweg zwischen Dübener Heide, Osterland, Döbeln und Muldental. 1. Etappe: Von Leipzig über Eilenburg und Löbnitz nach Bad Düben.

Die Erste Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von 68 Kilometern.

Die Erste Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von 68 Kilometern.

Quelle: Patrick Moye

Luther-Stationen

  • Leipzigs Thomaskirche ist seit über 800 Jahren Heimstatt der Thomaner. Der Chor eröffnete 1519 die Leipziger Disputation – ein Rededuell zwischen Luther und dem papsttreuen Theologen Johannes Eck. Und die Kompositionen von Thomaskantor Bach gelten als Glanzstücke evangelischer Kirchenmusik.
  • In  Eilenburg war Luther öfter zu Gast, erstmals 1518. Er setzte hier seinen Mitbruder aus dem Wittenberger Augustiner Kloster Gabriel Zwilling als evangelischen Pfarrer ein. Und er predigte mehrfach dort.
  • Löbnitz lag zu Luthers Zeiten auf dem Weg zwischen Wittenberg und Leipzig. Und Luther hatte auf Ave von Schönfeld ein Auge geworfen – seine erste Liebe. Die Nonne war aus dem Kloster Nimbschen geflohen. Ihr Vater Georg besaß Güter in Löbnitz und Kleinwölkau bei Delitzsch und war mit Luther bekannt.
  • Bad Düben mit seiner im 9. Jahrhundert erbaute Burg und dem Moorheilbad soll Luther häufig auf seinem Weg von und nach Leipzig durchreist haben.

Quelle: Bernd Görne, Andreas Schmidt: Der Lutherweg in Sachsen. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 141 Seiten.

1. Start in Leipzig, 2. Halt in Eilenburg

Nach dem Start an der Leipziger Thomaskirche folgt der nächste Höhepunkt nach 30 Kilometern: Eilenburg – wo sich die örtliche Amateurfilmgemeinschaft zum Reformationsjubiläum ins Zeug legt. „Es stank uns in der Nase, dass alle Städte rings um Eilenburg mit Luther eine große Fahne beklebt haben. Und hier war nichts zu hören und zu sehen.“ Sagt schmunzelnd Gerd Spindler. Die Filmemacher beschlossen, die Beziehung des Reformators zur Muldestadt auf Film zu bannen.

Gezeigt werden sollen Orte, die Luther besuchte oder die heute noch an ihn erinnern. „Erst haben wir recherchiert und dann ein Drehbuch geschrieben. Und dann noch eins und noch eins“, erklärt Spindler. Zufrieden zeigte sich die Gemeinschaft erst mit der achten Fassung: Der Geschichte eines Mädchens, dem auf dem Burgberg plötzlich Luther erscheint – gespielt von Stadtmuseumsleiter Andreas Flege. Gemeinsam erkunden sie daraufhin das heutige Eilenburg.

Filmpremiere am Reformationstag

Station macht das ungleiche Duo dabei unter anderem in der Marienkirche, wo sich die beiden Orgelstücke des Reformators anhören, im Museum, bei Maler Volker Pohlenz, in der Nikolaikirche und im historischen Klassenzimmer im Museum. Nächsten Monat wollen die Amateurfilmer mit den Außenaufnahmen beginnen. „Drei oder vier Drehtage, bei hoffentlich gutem Wetter, brauchen wir dafür“, schätzt Spindler.

Filmarbeiten in der Nikolaikirche in Eilenburg

Filmarbeiten in der Nikolaikirche in Eilenburg. Gerd Spindler (rechts) und Peter Paschke beim Filmdreh in der Kirche.

Quelle: Wolfgang Sens

Bereits gedrehte Szenen befinden sich im Schnitt. So sind bis jetzt aus rund 8 Stunden Rohmaterial etwa 14 grobgeschliffene Filmminuten geworden. Für die Premiere gibt es verhaltene Pläne. „Es wäre ein schöner Anlass, den fertigen Film am 31. Oktober im historischen Klassenzimmer im kleinen Rahmen vorzustellen“, sagt Spindler.

Eilenburger vermarkteten ihr Bier

An diesem letzten Tag im Oktober wird der 500. Jahrestag der Reformation begangen. Vor fast 500 Jahren besuchte Luther auch zum ersten Mal Eilenburg – „zwischen 1518 und 1545 ungefähr ein dutzendmal“, führt Stadtmuseumsleiter Andreas Flegel aus. In einer seiner letzten Predigten soll er die Muldestadt schließlich eine „recht gesegnete Schmalzgrube“ genannt haben. Dazu hat ihn dem Anschein nach der Wohlstand der Stadt bewogen.„Das lag zum einen an der geografischen Lage an der wichtigen Handelsstraße Via Regia, die sich hier in mehrere Arme teilte“, erklärt der Museumsleiter.

„Außerdem waren die Eilenburger gerade dabei, ihr Bier zu vermarkten.“ Auch ein wichtiger Umschlagplatz für Rinder aus Polen und Ungarn trug seinen Teil zur sprichwörtlichen Schmalzgrube bei. „Das 16. Jahrhundert gehörte zu den Blütezeiten Eilenburgs“, so Flegel. Heute bemühe sich die Stadt, die tiefen Einschnitte nach dem Ende der DDR zu verdauen. Die Nachbarschaft zu Leipzig bringe viele Vor-, aber auch Nachteile mit sich. Und das spürt auch Eilenburg.

3. Zwischenstopp in Löbnitz

Von Eilenburg führte der Weg weiter nach Löbnitz. Der kleine, aber feine Ort mit seinen gut 2000 Menschen an der Mulde ist mehr als nur ein Geheimtipp. Pensionschefin Iris Keller bestätigt: „Wir haben mehr Buchungen, die auf das Lutherjahr und damit zusammenhängende Veranstaltungen zurückzuführen sind.“ Die Gäste, die aus dem In- und Ausland kommen und in Löbnitz übernachten, haben vor allem von der evangelischen Kirche und ihrem einmaligen Kulturdenkmal gehört.

„Sie wollen die Bilderdecke sehen, die auf 168 Bildern biblische Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament zeigt“, erklärte Iris Keller von der gleichnamigen Pension in der Dübener Straße. Neuester Trend seien Besuchergruppen, die die Stationen des Lutherweges mit dem Bus anreisen. „Dann steigen gleich mal bis 60 Leute aus und strömen in die Kirche“, so Wohlschläger. In die Luthereiche im Schlosspark schlug leider mehrfach der Blitz ein, so dass nur noch Fragmente übrig blieben.

Gut versteckt im Deckengemälde

Wie auch immer: Die Kirche ist der auffälligste und sehr gut besuchte Ort im Dorf. Erst recht, nachdem die vollständige Sanierung des 1185 erstmals erwähnten Gotteshauses im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde. Iris Keller hat schon reichlich Gäste dorthin geführt. Viele waren begeistert, hätten so etwas in einem solch kleinen Ort nicht erwartet. Natürlich versuchen die meisten Besucher Martin Luther auf einem der Deckenbilder zu entdecken.

Die Bilderdecke in der Löbnitzer Kirche mit ihren 168 Elementen zeigt auch ein Abbild von Luther

Die Bilderdecke in der Löbnitzer Kirche mit ihren 168 Elementen zeigt auch ein Abbild von Luther. Mit etwas Hilfe ist er zu entdecken.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Nicht immer gelingt es. Dann hilft Sieglinde Wohlschläger. Die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates und Ahnenforscherin hat reichlich zu tun, um die vielen Anfragen zu bedienen. Sie erzählt dann auch, dass Luther wohl auch in Löbnitz gepredigt hat. Zudem habe er die Übersetzung des Psalm 111 im Muldedorf vollendet. Ein Liebchen soll es auch gegeben haben ... (siehe: Luther-Stationen)

4. Etappenziel in Bad Düben

Luther ist immer noch da: Als schwarzer „Lutherzwerg“ des Aktionskünstlers Ottmar Hörl. 800 von ihnen standen 2010 auf dem Wittenberger Markt und schieden dort die Geister. Einer der Zwerge erinnert nun an große Taten in Düben: 1519 verkündete Luther hier in St.Nikolai „die neue evangelische Lehre“. Die Stadtkirche ist eine von drei Station bei der Luther-Stadtführung, die von Ortschronist Lutz Fritzsche angeboten wird.

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Im Lutherjahr gibt es einen neuen Stadtrundgang, der auf Luthers Spuren durch die Kurstadt Bad Düben führt. Angeboten werden sie von Ortschronist Lutz Fritzsche an ausgewählten Freitagen.

Zur Bildergalerie

Sie findet an ausgewählten Freitagen statt (siehe: Pilger-Service). „Luther“, so Lutz Fritzsche, „hat mehrfach im hiesigen Pfarrhaus übernachtet, oft in Begleitung von Philipp Melanchthon.“ Der Reformator selbst habe zwar wenig über Düben hinterlassen, doch aus den Tagebüchern von Melanchthon ist bekannt, dass er gern früh in Wittenberg aufbrach, um zügig die Hektik der Universitätsstadt gegen die Ruhe der Kleinstadt zu tauschen.

Ein Rebell in Wellaune und eine List

Düben war für ihn vor allem Zwischenstation. Weiter ging es über die Mulde zunächst in den Bad Dübener Stadtteil Wellaune. Der dortige Kohlhaasenkrug hat leider seit Jahren geschlossen. Zu Luthers Zeiten hätte sich auch kein Gasthof so genannt. Hans Kohlhase war schließlich ein geächteter Rebell.

Heinrich von Kleist hat die Geschichte um den Pferderaub von 1532 in einer Novelle dichterisch verarbeitet und Hans Kohlhase als Michal Kohlhaas im 19. Jahrhundert bekannt gemacht. Luther konnte diese also nicht lesen und hätte sich wohl auch gewundert: Er sah Hans Kohlhase bei weitem nicht so heldenhaft und legte ihm in einem Schreiben vom 8. Dezember 1534 nahe, Frieden anzunehmen.

Eine schöne List in Luthers Namen verbindet sich übrigens mit dem Namen Christoph Hein. Der Vater des berühmten Schriftstellers und Dübener Ehrenbürgers war in den 1950er-Jahren Pfarrer in der Kurstadt. Ihm gelang es, trotz der harten Anti-Kirchen-Politik von SED-Machthaber Walter Ulbricht, mit Sturheit, Tricks und Willen ein Kirchgemeindehaus zu bauen. Es heißt seitdem passend: Lutherhaus.

Pilger-Service: Das müssen Sie wissen

  • Unterkunft: Zum Beispiel die Pension Keller im „Geheimtipp“-Dorf Löbnitz: 13 Zimmer und Appartements (ab 20,50 Euro). In Eilenburg: Pension Heinzelberge (ab 45 Euro). Hotels: Bad Düben: Heide-Spa-Hotel (Zimmer ab 67 Euro), Hotel National (Zimmer ab 52 Euro).
  • Sehenswürdigkeiten: Gesehen haben muss man in Leipzig die Thomaskirche, in Eilenburg den Burgberg, in Bad Düben die Stadtkirche St.Nikolai und die Dübener Burg sowie in Löbnitz die berühmte Bilderdecke in der Dorfkirche.
  • Tipp: Stadtführung auf Luthers Spuren in Bad Düben: Am 5. und 12. Mai, jeweils ab 15 Uhr an der Touristinformation in der Neuhofstraße 3 a. Anmeldungen: Telefon 0177 2922460
  • Einkehr: Leipzig: „Auerbachs Keller“ am Markt (mit Lutherstube). Bad Düben: die uralte Burgschänke „Goldener Löwe“ (Leipziger Straße 5). Löbnitz: Gasthof „Zum Eichenast“ – ehemaliger Schloßgasthof mit über 200-jähriger Tradition (Delitzscher Straße 2)

In der Serie „Luther läuft“ erscheinen folgende Etappen:

1. Leipzig-Eilenburg-Löbnitz-Bad Düben

2. Bad Düben-Torgau-Schildau

3. Schildau-Wurzen-Trebsen

4. Trebsen-Grimma- Kloster Nimbschen-Colditz

5. Colditz-Mügeln-Kloster Sornzig-Leisnig

6. Leisnig-Kloster Buch-Döbeln-Waldheim

7. Waldheim-Kriebstein-Mittweida-Kloster Wechselburg-Zwickau

8. Zwickau-Crimmitschau-Altenburg-Gnandstein

9. Gnandstein-Borna-Neukieritzsch-Leipzig

Die große Serie - alle Teile hier!

Von Ilka Fischer, André Pitz und Ditmar Wohlgemuth

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