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Old Shatterhand stürmt die Leipziger Buchmesse

Plaudereien über Karl May Old Shatterhand stürmt die Leipziger Buchmesse

Bernhard Schmid ist der Enkel des Juristen Euchar Albrecht Schmid, der 1913 in Radebeul gemeinsam mit der Witwe Klara May und dem Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld den Karl-May-Verlag gründete. Für die Artikel-Folge „Plaudereien über Karl May“ sprach die LVZ mit dem 53-Jährigen, der Westernreiten, Schach, Skifahren und Lesen als Hobbys angibt.

Bernhard Schmid, Chef des Karl-May-Verlags Bamberg – Radebeul, inmitten der grünen Bände, die es seit 1913 gibt. Inzwischen sind es über 90 geworden.

Quelle: Karl-May-Verlag

Leipzig. Bernhard Schmid (53) ist der Enkel des Juristen Euchar Albrecht Schmid (1884–1951), der 1913 in Radebeul gemeinsam mit der Witwe Klara May (1864–1944) und dem Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld (1853–1933) den Karl-May-Verlag gründete. Der gibt seitdem unverdrossen die gesammelten Werke des sächsischen Bestsellerautoren in den bekannten grünen Einbänden heraus. Enkel Bernhard Schmid ist seit 2007 alleiniger geschäftsführender Gesellschafter des Verlags, der seit 1959 seinen Sitz in Bamberg hat. Für die Artikel-Folge „Plaudereien über Karl May“ sprach die LVZ mit dem Verleger, der Westernreiten (mit eigenem Pferd), Schach, Skifahren und Lesen als Hobbys angibt.

Herr Schmid, am 17. März beginnt die Leipziger Buchmesse. Sie sind traditionell mit Ihrem Verlag dabei. Was erwartet den Besucher in Sachen „Winnetou“ und „Old Shatterhand“?

Unser Stand in Halle 2 ist relativ klein – aber fein, sind wir doch auch ein eher kleiner, wenn auch wohlbekannter Verlag. Jedenfalls haben wir immer alle94 Bände der Gesammelten Werke Karl Mays dabei, viele Sonderbände und natürlich die letzten Neuerscheinungen. Die Besucher wissen das zu schätzen, denn in den meisten Buchhandlungen ist – leider – nur noch wenig vom meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache zu finden.

Woran liegt das?

Viele Buchhändler glauben mittlerweile, Karl May sei nicht mehr so gefragt. Zum Glück ist dem nicht so und es boomt im Versandhandel. Damit erreichen wir aber nicht die Kunden, die ein Geschenk inder Buchhandlung kaufen wollen. Wirempfehlen, immer zumindest die bekannten Jugenderzählungen wie „Der Schatz im Silbersee“ und „Unter Geiern“ zu führen, nach wie vor die ideale Einstiegs-lektüre für junge Leser.

Welche neuen Bücher oder Projekte gibt es in Ihrem Verlag?

Eine ganze Menge: Im vergangenen Jahr erschien mit „Verschwörung der Schatten“ von Otto Eicke eine spannende Fortsetzung zu den May-Bänden 26 und 27, und in der „Chronik eines Weltläufers“ von Hans Imgram können Sie nachlesen, wie die fiktiven Reisen von Old Shatterhand alias Kara Ben Nemsi zusammengehören könnten. Im Sachbuchbereich gibt es jetzt ein tolles Buch zu den „Fi­gurenwelten nach Karl May“ von Malte Ristau und Wolfgang Willmann undmit „Karl May in Hohenstein-Ernstthal 1921–1942“, herausgegeben von Hans-Dieter Steinmetz, eine hervorragende Dokumentation zur Karl-May-Forschung. Auch die Filmfreunde kommen nicht zu kurz: Nach den erfolgreichen „Filmbildgeschichten“ folgt dieses Jahr „Karl-May-Filmbildgeschichten aus ‚Micky Maus‘ und ‚Mickyvision‘“. Und nach den Filmbildbänden zu Lex Barker und Pierre Brice nun 2016 ein Buch zur unvergleichlichen „Marie Versini – Geliebte Nscho-tschi“! Ganz neue Pfade betreten wir dieses Jahr mit „Karl Mays magischem Orient“. Näheres dazu dann aber erstab Mai.

Ist der „Winnetou“ immer noch der bestverkaufte Karl May?

Ja! Allein „Winnetou I“ hat sich 2015 über 2200 Mal verkauft – ein Buch, das seit über 120 Jahren auf dem Markt ist! Der Boom für Karl May ist – allen Unkenrufen zum Trotz – ungebrochen!

Aber junge Leute fahren heute eher auf Harry Potter ab.

Fantasy ist heute natürlich sehr gefragt – daher widmen wir uns ja auch diesem Genre, aber Karl May ist zeitlos! Ein Schreibwettbewerb für junge Leser zwischen 10 und 15 in den Jahren 2010–12 und auch sonstige Erfahrungen zeigen, dass Karl May bei Jugendlichen nach wie vor Gefallen finden kann. Es wird nur leider immer schwieriger, überhaupt die junge Zielgruppe zum Lesen eines ersten Bandes zu bewegen.

Gibt es Ihre Karl-May-Bände inzwischen auch als E-Books und als Hörbücher?

Ja, es gibt fast alle unsere Bände als E-Book. Trotz oft sehr preisgünstiger Konkurrenz zeigt das Lesepublikum, dass es Interesse hat an den gut redigierten Texten der Gesammelten Werke. Es finden sich außerdem immer mehr Freunde, die sich Karl May auch vorlesen lassen. Wir können mit unseren Umsätzen hier ganz zufrieden sein. 25 Bände der Gesammelten Werke liegen bei uns jetzt auch als Hörbücher vor.

Stichwort Konkurrenz: Die Haffmans Edition hat beim Versandbuchhandel Zweitausendeins in Leipzig gerade vier sehr ordentlich gearbeitete Bände in rotem Leinen – „Winnetou“ I bis III und den „Schatz im Silbersee“ – herausgebracht.

Wie heißt es so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft – hier wohl eher unseres. Die meisten Leser stehen auf die sorgfältig bearbeiteten Ausgaben, die echten grünen Bände, die ja Karl May zu seinem enormen Erfolg befördert haben.

Können Sie sich als selbstständiges Familienunternehmen halten, das noch dazu recht monothematisch aufgestellt ist?

Das ist derzeit überhaupt kein Problem, und wir sind sehr stolz auf unsere Unabhängigkeit, immerhin werden wir 2016 bereits 103 Jahre alt. Viele bekannte Verlage sind in den vergangenen Jahrzehnten in große Konzernen einverleibt worden. Ob unser Haus mit fast nur einem einzigen Autor auch eine vierte Generation erleben wird – wer kann das heute sagen? Wer sich für Verlagsgeschichte interessiert, dem sei unsere Festschrift „100 Jahre Karl-May-Verlag“ empfohlen.

Lesen Sie selber eigentlich noch Erzählungen von Karl May?

Viel weniger als ich wollte! Man hat als Verleger so viel anderweitige Pflichtlektüre, dass man kaum zum Genusslesen kommt. Jedoch freue ich mich darauf, zum wiederholten Male meine Lieblingsbände „Durch die Wüste“ bis „Der Schut“ in Angriff zu nehmen.

Gab es je die Überlegung, den Verlag wieder nach Radebeul zurückzubringen, wo er 1913 ja gegründet worden ist?

Kurz nach der Wiedervereinigung haben wir eine kleine Dependance in Radebeul errichtet, um unsere Verbundenheit mit der alten Heimat des Verlags zu demon-strieren. Seitdem steht in unseren Büchern auch „Karl-May-Verlag Bamberg – Radebeul“

Halten Sie es für möglich, dass irgendwann noch mal ein May-Manuskript auftaucht, das bisher noch niemand kennt?

2014 erschien erst Band 90 der Gesammelten Werke Karl Mays, „Verschwörung in Wien“; und darin findet man unter anderem ein kleines bis dato völlig unbekanntes Fragment einer erzgebirgischen Dorfgeschichte. Ansonsten: Die Hoffnung stirbt zuletzt und Lotto ist ja auch ein Spiel mit vielen Unbekannten. Spaß beiseite, es ist leider mehr als unwahrscheinlich. Karl May ist zudem umfangreich erforscht, wobei hier noch viele Felder bearbeitet werden können. Der Karl-May-Verlag wird dazu auch seinen Teil beitragen.

Interview: Jan Emendörfer

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