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Gags an Ziegenkäse: Premiere der Varieté-Dinnershow "Gans ganz anders"

Gags an Ziegenkäse: Premiere der Varieté-Dinnershow "Gans ganz anders"

Das Spiegelzelt auf dem Burgplatz gehört im Dezember zu Leipzig wie der Weihnachtsmarkt. Darin verstecken sich kulinarische Genüsse, die mit einer Varieté-Show der etwas anderen Art serviert werden.

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Die Varieté-Show "Gans Ganz Anders" 2013 im Spiegelzelt auf dem Leipziger Burgplatz: Andrea Wick am Trapez

Quelle: André Kempner

Leipzig. Am Donnerstag feierte "Gans ganz anders" Premiere und zog mit Schauspielern und Artisten bekannte Märchen durch den Kakao.

Das Ambiente im Spiegelzelt lässt so einiges an diesem Abend erwarten. Reflexionen der Gäste huschen über die Wände, im warmen Kerzenlicht muten die Tisch erhaben an, unter einem blutroten, samtenen Baldachin entführt die Dinnershow in einen Abend voller Märchen. Vielversprechend also.

Wie ein Schwarm Honigbienen summen die Stimmen der Premierengäste, bevor Königin Anna Karenina von Cremefeld (Simone Cohn-Vossen) die Bühne in der Mitte betritt. Zart und sacht stimmt sie das Lied von Disneys "Die Schöne und das Biest" an, strahlt in die aufmerksame Runde. Und schon interveniert ihr Gatte, König Herbert von Cremefeld (Armin Zarbock), bevor er wiederum vom Rotkäppchen (Jasmin Shaudeen), dem Wolf (Raschid D. Sidgi) und dem Frosch-Koch Lord Stone (Matthias Stein) unterbrochen wird. So stellt sich das vierköpfige-Ensemble vor, bevor nach zehn Minuten der erste Gang mit gebratenem Apfel, Ziegenkäse und Bacon auf den Tisch kommt.

Danach geht es richtig los. Ein staubiger Schenkelklopfer folgt dem anderen und die guten alten Witze über Leidenschaftslosigkeit in der Ehe ("Man sagt ja, Essen ist der Sex des Alters.") werden gnadenlos ausgeschlachtet. Das mag vielleicht auch der Grund sein, weshalb sich das Gelächter im Zelt in Grenzen hält, erinnert doch einiges an Bühnen-Shows nationaler Comedians. Deutlich wird das bei Sidgi, der sowohl den Wolf als auch den Klischee-Hausmeister Machmut Schmidt gibt und dessen Gags ("Ich weiß, dass du nichts drunter und im Körbchen Öl und Brot hast") stark an Kaya Yanar oder Mirco Nontschew erinnern. Doch sie reißen mit, spätestens jetzt tauen die meisten Gäste auf.

Ein breites Spektrum komödiantischer Varianten wird hier abgedeckt, und auch die feucht-fröhlichen Pointen über Inzest unter Geschwistern bei Hänsel und Gretel zünden, ohne obszön oder ordinär zu wirken ("Was machen wir jetzt? Vögeln folgen. Vögeln?"). Die Wortspiele sind herrlich komponiert, die Dialoge abwechslungsreich, was auch Volker Insel als Regisseur zu verdanken ist, die Musikeinlagen, vor allem von Shaudeen gesungen, frisch und euphonisch. Spätestens bei George Michaels "Freedom", das bei Hänsels Gefangennahme angestimmt wird, gibt es kein Halten mehr. Oder doch? Denn die Zuschauer schunkeln nicht, klatschen nicht, sitzen wie angeschraubt auf den Stühlen.

Komplett wird die Bühnenshow durch Artistik. Die Schweizer Goldmarie Andrea Wick wirbelt zuerst anmutig am Trapez und später kunstvoll an der Stange. Natalia Netselya aus Russland zaubert live Kunstwerke aus Sand, die auf eine Leinwand projiziert werden. Zirkusschulen-Absolvent Simon Nadeau aus Kanada spielt leichtfüßig mit einer instabilen frei stehenden Leiter. Zum Schluss beeindrucken Oksana und Vadym mit einem Quickchange-Tanz, bei dem die Ukrainerin in Sekundenschnelle wie durch Zauberhand zwischen vier verschiedenen Kleidern wechselt.

Dennoch: Der Funke vermag nicht überzuspringen, die Dinnierenden bleiben reserviert, so dass ein nüchterner Nachgeschmack bleibt. Gäbe es hier wie im Fernsehen ein perfektes Dinner zu bewerten, würde das Ergebnis lauten: sieben von zehn Punkten.

"Gans ganz anders": bis 31. Dezember, Dienstag bis Samstag, 20 Uhr, Sonntag 18 Uhr. Spiegelzelt auf dem Burgplatz, Karten ab 90 Euro unter Telefon 0341140660; www.gansganzanders.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.11.2013

Olivia Jasmin Czok

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