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Psychologin: Weihnachten werden wir wieder Kind

Psychologin: Weihnachten werden wir wieder Kind

Alle Jahre wieder: Die Mutter fragt nach Enkeln und Oma mahnt Tischmanieren an - prompt fühlen sich selbst Erwachsene wieder wie Teenager. Beim Weihnachtsfest fallen Familien nach Ansicht von Psychologen häufig in alte Rollenmuster zurück.

Berlin. Krach an den Feiertagen ist dann programmiert. "Da fährt man nach Hause zu seinen Eltern und plötzlich fühlt man sich wieder wie 13", sagt Psychologin Sara Zeugmann von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité. Eltern und Großeltern könnten einfach nicht aus ihrer Haut: "Für sie bleibt man immer das Kind."

Gerade Fragen nach dem Liebesleben und Ratschläge zur Lebensführung drängten Erwachsene wieder in die Kinderrolle. "Was man selber machen kann, ist, dass man versucht, nicht aus dieser Kinderrolle heraus zu reagieren", rät die Psychologin. Wichtig sei, sich zu fragen: "Wie alt bin ich eigentlich? Was habe ich jetzt alles erreicht?" Zeugmann meint: "Letzten Endes entscheide ich, was ich aus meinem Leben gemacht habe." Alte Rollenmuster an Weihnachten komplett zu unterdrücken, sei aber nicht möglich.

Grund für Krach unterm Christbaum seien auch unrealistische Erwartungen. Insgeheim hoffe jeder, dass die Verwandten sich in diesem Jahr besser benehmen. Wichtig sei daher, "dass man gar nicht den Wunsch hegt, dass sie sich ändern", sagt die Expertin. "Natürlich ärgern sie einen in dem Moment, aber sie wollen ja alle nur das Beste." Eine Technik sei es, sich zu fragen: Was habe ich eigentlich an meiner Familie? "Dass man sich eher auf die Gemeinsamkeiten konzentriert", könne helfen.

"Es wäre zum Beispiel auch eine Idee, sie mal aus der Umgebung herauszuholen", meint Zeugmann. Weihnachten an einem anderen Ort zu feiern, könne alte Rollenmuster aufbrechen. Eine weitere Möglichkeit sei es, Gäste mitzubringen. "Vielleicht schaffen es die Eltern dann, sich ein bisschen zusammenzureißen, weil es sie in eine andere Position bringt", meint die Psychologin.

"Wenn alles nichts mehr hilft, ist eine Schneeballschlacht ganz gut." Das könne Spannungen in der Familie abbauen. "Dann darf man mal wieder Kind sein im positiven Sinne." Zudem könne die ungeliebte Kinderrolle auch gute Seiten haben: "Man kann das auch einfach mal mitmachen und sich verwöhnen lassen."

dpa

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