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15 Jahre nach der Flut: Milliarden verbaut, Hälfte der Mulde-Deiche saniert

Jahrhundert-Hochwasser 15 Jahre nach der Flut: Milliarden verbaut, Hälfte der Mulde-Deiche saniert

Genau 15 Jahre nach der Hochwasserkatastrophe 2002 an Mulde und Elbe zieht Sachsen Zwischenbilanz in Sachen Flutschutz. Insgesamt 2,6 Milliarden Euro wurden bislang investiert. Weitere 630 Millionen Euro sollen bis 2023 folgen.

Eine Frau beseitigt 2002 die Trümmer vor einem Haus im sächsischen Weesenstein nahe Pirna nach dem verheerenden Hochwasser.

Quelle: dpa

Leipzig/Döbeln. Genau 15 Jahre nach der Hochwasserkatastrophe 2002 an Mulde und Elbe zieht Sachsen Zwischenbilanz in Sachen Flutschutz. Insgesamt 2,6 Milliarden Euro wurden bislang in die Beseitigung der Schäden und in den Bau von Deichen, Dämmen, Schöpfwerken, in die Erweiterung von Talsperren oder die Erschließung neuer Überschwemmungsflächen investiert. Weitere 630 Millionen Euro sollen bis 2023 folgen.

Nach tagelangen Regenfällen hatten Anfang August 2002 bis dato ungekannte Wassermassen Bäche und Flüsse wie Wilde und Rote Weißeritz, Müglitz, Mulde, Pleiße und später die Elbe anschwellen lassen. Am 12. August erreichte eine erste verheerende Flutwelle Döbeln und setzte große Teile der Innenstadt unter Wasser. In den Folgetagen versanken Grimma, Wurzen, Eilenburg und viele Dörfer entlang der Mulde in den Wassermassen. An der Elbe wurde in Dresden ein Rekordpegel von 9,40 Meter gemessen, auch hier gingen die Schäden in die Millionen. Insgesamt kostete die Jahrtausendflut 21 Menschenleben. Allein 98 Deichbrüche registrierte Sachsen.

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Im Juni 2013 wurde Mitteldeutschland erneut von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht. Inzwischen aber sieht sich Sachsen weitaus besser geschützt. Im Hochwasserschutzprogramm sind 1600 Einzelprojekte aufgelistet, etwa die Hälfte der 360 dringendsten Projekte sind erledigt. So gilt Eilenburg bereits jetzt als sicher vor einem Jahrhunderthochwasser. In Grimma soll es 2018 soweit sein, in Döbeln spätestens 2023. Etwa die Hälfte der Muldedeiche sind saniert, an der Elbe sind es bis zu 60 Prozent. Auch die landeseigenen Talsperren und Rückhaltebecken können durch Um- und Neubau heute bis zu einem Viertel mehr Wasser aufnehmen als 2002. Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) sagt, man könne zwar nie ausschließen, dass sich eine solche Naturkatastrophe wiederhole. „Aber: Die Wassermassen von 2002 würden mit den Schutzmaßnahmen von heute bei weitem nicht solche Schäden in Sachsen anrichten.“

Dennoch ist das Programm auch umstritten. Sachsens Grüne beispielsweise kritisieren die viel zu geringe Erschließung neuer Überschwemmungsgebiete. Zudem würde durch die Fokussierung auf Dämme und Mauern die Überflutungsgefahr nur flussabwärts verlagert – hier drohten künftig höhere Schäden. Zudem ist längst klar, dass nicht jede Gemeinde oder Siedlung tatsächlich geschützt werden kann. „Hochwasserschutz ist teuer. Nicht überall ist der riesige Aufwand zu rechtfertigen “, sagt Axel Bobbe, Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung Sachsen. So kostet ein Kilometer Deichbau heute etwa zwei Millionen Euro – Tendenz steigend. Naturschutzauflagen und höhere Baupreise lassen die Kosten klettern. Deshalb werden Schutzprojekte nach Dringlichkeit gewichtet. Die Folge: Maßnahmen mit niedriger Priorität gelten unter Experten als kaum noch realisierbar. Etwa 400 der 1600 Projekte in Sachsen haben wohl nur geringe Chancen, in absehbarer Zeit gebaut zu werden.

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Doch auch der Druck auf private Hausbesitzer steigt, künftig mehr Eigeninitiative zu betreiben. So hatte Ende Juni Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) eine verbindliche Pflichtversicherung für Elementarschäden ins Spiel gebracht. Und: Umweltminister Schmidt setzt noch stärker auf Prävention. Künftig soll es einmal im Jahr einen landesweiten Flutschutz-Übungstag in Sachsen geben.

Von Olaf Majer

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