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Die Wahrheit muss auf den Tisch!

Leitartikel Die Wahrheit muss auf den Tisch!

Sachsen, der einstige Musterknabe des Ostens, muss erleben, wie seine Beamten als „Deppen“ oder „Tölpel“ tituliert werden. Jetzt ist gar von Staatsversagen die Rede. Tatsächlich erscheint das ganze Handling im Fall des 22-jährigen Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr – wohlwollend formuliert – als eine Kette von Pleiten, Pech und Pannen.

Jede Menge Mikrofone standen am Donnerstag auf der Pressekonferenz, nach dem Tod des unter Terrorverdacht festgenommenen Dschaber al-Bakr in der Leipziger JVA, auf dem Tisch der Teilnehmer in Dresden.

Quelle: dpa

Leipzig. Hochspezialisierte Observierer schaffen es in Chemnitz nicht, einen aus einem Wohnblock eilenden Mann festzunehmen. In Eilenburg, wo al-Bakr mal gewohnt hat, ruft die Polizei bei Mietern an und sagt sinngemäß: „Nicht aufmachen, wenn er klingelt!“ Das mutet an wie aus einem Sketch um den DDR-Abschnittsbevollmächtigten, der auf dem Moped „Schwalbe“ Staatsfeinde jagt.

Dann klingelt  der Terrorverdächtige, dem von hochrangigen Politikern bürokratisch ein „Kontext zu Isis“ nachgesagt wird, wirklich in Eilenburg – und die Polizei ist nicht da. Dann taucht er auf dem Hauptbahnhof in Leipzig auf, wird nicht gefasst, obwohl angeblich alle Bahnhöfe verstärkt überwacht werden... Dann findet er Zuflucht bei syrischen Landsleuten in Leipzig-Paunsdorf und wird von denen überwältigt und der Polizei übergeben, die das dann über ihren obersten Dienstherren, den Innenminister, als Erfolg feiert.

Und dann am Mittwochabend das finale Desaster: Man sperrt einen als Selbstmordattentäter eingestuften Terrorverdächtigen in Leipzig ins Gefängnis, wo er durch Selbstmord aus dem Leben scheidet, und sagt hinterher, es habe keine „akute Suizidgefahr“ bestanden. War der Syrer, der auf Fotos nicht gerade wie ein Preisboxer wirkt, nun ein gewaltbereiter Islamist, dem man alles zutraute, oder eher nur ein bombenbastelnder Eigenbrötler?

Nach seinem Tod wird es jetzt schwer, Hintermänner ausfindig zu machen, wenn es denn welche gab. Was sich aufklären lassen muss, ist die Rolle der „Helden von Leipzig“, jener drei Syrer, die ihn der Polizei auslieferten. Vor seinem Tod bezeichnete al-Bakr diese Männer noch als Mittäter, was eine bösartige Verleumdung gewesen sein kann...

Nachdem am Donnerstagmorgen im Internet vom „totalen Kontrollverlust der Behörden“ die Rede war, schlugen die involvierten Justizgrößen des Landes vor der Presse verbal die kollektive Abwehrschlacht: Sicher, es gäbe Probleme, räumte der Chef der Justizvollzugsanstalt (JVA) Leipzig, Rolf Jacob, ein. Aber: Personalmangel habe in diesem Fall  keine Rolle gespielt.Am 19. August hatte die LVZ anlässlich eines Besuchs von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) in der Anstalt  berichtet, dass 15 Wärter fehlen. Jacob sagte damals, bundesweit kommen 37 Beamte auf 100 Häftlinge, in Leipzig sind es nur 33.

Nun fordert die Opposition den Rücktritt von Justizminister Gemkow. Das macht man so in solchen Fällen. Klar. Aber bringt das was? Wohl kaum. Die Wahrheit muss auf den Tisch, der Fall ist noch lange nicht aufgeklärt. Da kann Gemkow kraft seines Amtes viel beitragen. Man nehme ihn in die Pflicht.

Jan Emendörfer

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