Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -7 ° heiter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Streit um Bestattung von al-Bakr - Familie prüft Strafanzeige gegen Sachsen

Leipzig bittet Ministerium um Hilfe Streit um Bestattung von al-Bakr - Familie prüft Strafanzeige gegen Sachsen

In wenigen Tagen wird die Staatsanwaltschaft die Leiche des Terrorverdächtigen al-Bakr freigeben. Nun ist um die Bestattung Streit zwischen Stadt und Justizministerium ausgebrochen. Währenddessen kündigte al-Bakrs Familie an, Strafanzeige zu stellen.

Dschaber al-Bakr nahm sich in der JVA Leipzig das Leben. Wo er bestattet wird, ist noch unklar.

Quelle: André Kempner

Leipzig . Der Leichnam des mutmaßlichen Terroristen Dschaber al-Bakr soll in den nächsten Tagen durch die Staatsanwaltschaft freigegeben werden – doch wo der Syrer bestattet wird, steht noch nicht fest. Es ist sogar ein Streit zwischen der per Gesetz zuständigen Stadt Leipzig und dem sächsischen Justizministerium entbrannt. Hintergrund ist: In Leipzig wird befürchtet, dass ein etwaiges Grab von al-Bakr zu einer Wallfahrtsstätte für Islamisten werden könnte.

Aufgrund der Brisanz des Falls und der politischen Tragweite hat Leipzigs Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) ein Hilfeersuchen an das Justizministerium in Dresden gerichtet. „Es geht nicht um Zuständigkeiten, sondern darum, in einer solchen Situation unterstützt zu werden. Das kann man in einem solchen Fall erwarten“, erklärt Stadtsprecher Matthias Hasberg.

Wenn Verstorbene keine Angehörigen haben, ist in Sachsen die jeweilige Gemeinde für die Bestattung zuständig. Im Fall von al-Bakr also Leipzig – der mutmaßliche Terrorist, der Kontakt zur IS-Miliz gehabt haben soll, hatte sich vor anderthalb Wochen in der Justizvollzugsanstalt Leipzig erhängt.

Ministerium erklärt sich für nicht zuständig

Die Stadtverwaltung hat das Justizministerium unter anderem gebeten, einen Kontakt zur syrischen Botschaft herzustellen. Dort soll geklärt werden, ob sich die Familie wegen einer möglichen Überführung des Leichnams gemeldet hat oder ein Kontakt zu ihr hergestellt werden kann. Auf LVZ-Anfrage erklärt sich das Ministerium für nicht zuständig, was formal richtig ist: „Wir haben damit nichts zu tun.“ Die Stadtverwaltung müsse sich zuständigkeitshalber selbst kümmern, heißt es in Dresden.

Sollte al-Bakr in Leipzig begraben werden müssen, würden auf alle Fälle die muslimischen Regeln eingehalten, macht Hasberg klar, „damit haben wir schon Erfahrung“. Das Verbrennen des Leichnams ist somit ausgeschlossen. Die Bestattung soll anonym und geheim erfolgen – so will die Stadt vermeiden, dass das Grab zur Pilgerstätte wird. „Ansonsten würde es aber ein ganz normales Begräbnis, so wie es jeder bekommt, auch nach den jeweiligen Glaubensregeln. Die Kosten übernehmen wir.“

Medien: Familie will Strafanzeige stellen

Die Familie des toten Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr will nach Medienberichten gegen Beamte der sächsischen Justiz Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung erstatten. Dies habe der deutsche Anwalt der Familie am Freitag bestätigt, berichteten Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR.

Man müsse prüfen, ob die Behörden fahrlässig handelten, als sie al-Bakr in einem gewöhnlichen Haftraum allein ließen und nur alle 30 Minuten nachsahen, obwohl der Inhaftierte bereits die Lampe in seinem Haftraum zerstört und an den Steckdosen manipuliert hatte, sagte der Leipziger Anwalt der Familie, Alexander Hübner, der Zeitung und den beiden Sendern.

Zudem soll al-Bakr nach Informationen des «Spiegel» schon Wochen vor der Festnahme und seinem späteren Suizid in Leipzig mit Sprengstoff experimentiert haben. Wie das Magazin berichtet, weisen darauf Spuren hin, die der 22-jährige Syrer Ende August in einem Apartmenthotel der Messestadt hinterlassen habe. Demnach wurde die Einrichtung durch das Hantieren mit Chemikalien stark beschädigt.

Fotos aus der Küche zeigten Rußspuren, braune Flecken wie von Flammen an der Abzugshaube und Spuren am Spülbecken wie von Säureschäden, heißt es in dem Bericht. Der Hotelbesitzer habe nach al-Bakrs Verschwinden Anzeige erstattet. Allerdings habe die Polizei den Vorfall lediglich als Sachbeschädigung eingestuft.

Andreas Debski / dpa

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Terror in Sachsen
  • So geht Familie
    So geht Familie: Die Serie für Familien in Leipzig

    Die LVZ-Serie mit Tipps und Informationen für Leipziger Familien. Jetzt neu: Anlaufstellen für Familien in Notlagen.  mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Sehen Sie hier einen Rückblick auf das LVZ Sommerkino im Scheibenholz vom 14. Juli - 3. August 2016. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Leipzig Live
    Leipzig Live

    Kino, Konzerte, Theater in Leipzig: Mehr als 20.000 Termine im Veranstaltungskalender der Leipziger Volkszeitung. mehr

  • Schlingel - Familienmagazin
    Schlingel - Das Familienmagazin der LVZ

    Das Familienmagazin der LVZ. Wir richten uns an Eltern und Kinder, die in Leipzig und Umgebung zu Hause sind. Ihnen möchten wir ein nützlicher, unt... mehr

  • Finerio
    finerio

    Das Genussportal für Leipzig mit allen Restaurants, Cafés und Kneipen, dazu Events, Aktionen und interessante Infos rund ums Thema Essen und Trinken. mehr