Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Google+ Instagram YouTube
Donald Trump: Stürzt der Milliardär seine Partei in die Pleite?

US-Wahlen Donald Trump: Stürzt der Milliardär seine Partei in die Pleite?

Auf eine Achterbahnfahrt im Wahlkampf hatten sich viele führende US-Republikaner bereits eingestellt. Dass die Kampagne unter Führung des New Yorker Milliardärs aber einem finanziellen Sturzflug gleichkommt, hätten wohl selbst die größten Skeptiker nicht erwartet.

Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt.

Quelle: dpa

Washington. Auf eine Achterbahnfahrt im Wahlkampf hatten sich viele führende US-Republikaner bereits eingestellt. Dass die Kampagne unter Führung des New Yorker Milliardärs aber einem finanziellen Sturzflug gleichkommt, hätten wohl selbst die größten Skeptiker nicht erwartet. Doch die nackten Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die "Grand Old Party" steht kurz vor der Pleite. Ausgerechnet im Wahljahr steht der Parteiführung kaum noch Geld zur Verfügung, um landesweit konservative Kandidaten zu unterstützen.

Donald Trumps Strategie, möglichst ohne Großsponsoren auszukommen, entpuppt sich als ein äußerst zweischneidiges Schwert. Kongressabgeordnete, die im November ebenfalls zur Wahl stehen und üblicherweise von der Parteizentrale finanziell unterstützt werden, erhalten reihenweise Absagen.

"Wir stehen inmitten einer verheerenden Entwicklung", gesteht Austin Barbour offen ein. Der einflussreiche Stratege der Republikaner hält es für ein parteipolitisches Himmelfahrtskommando, dass sich Trump bisher keine größere Mühe dabei gibt, unter Parteifreunden um Spenden zu bitten. Oder, wie es Republikaner in Washington formulieren: Trump ist es einfach zuwider, um Geld zu bitten.

Das lässt sich am Monat Mai ablesen, der in Wahljahren eigentlich als besonders einnahmestark gilt: Während Hillary Clinton für ihre Kampagne Reserven in Höhe von etwa 40 Millionen Euro ansammelte, verbleibt den Trump-Anhängern nach Abzug aller Kosten gerade mal eine Million Euro.

Republikaner Barbour warnt: Wenn nicht auf die Schnelle mehrere hundert Millionen Euro zusammenkommen, steht es schlecht um die Wahlkämpfe für den Senat, das Abgeordnetenhaus, und die Generalstaatsanwälte auf Ebene der Bundesstaaten. "Diese Rennen sind eng mit der Präsidentschaftswahl verknüpft. Wenn oben nichts gewonnen wird, kommt unten nichts an."

Auch Eric Tanenblatt, enger Mitarbeiter des Repräsentantenhaussprechers Paul Ryan, schlägt die Alarmglocke: "Trump kümmert sich ausschließlich um seine eigene Kampagne und hat es sträflich vernachlässigt, eine landesweite Struktur für Spendensammlungen auf die Beine zu stellen", sagte Tanenblatt gegenüber dem Magazin Politico.

Nach Einschätzung der Washington Post dürfte die tatsächliche Lage der Republikaner noch weitaus düsterer sein: Trump nutzt während seines Wahlkampfes sein firmeneigenes Flugzeug, diverse Büros und Veranstaltungssäle seines Unternehmens und zahlreiche eigene Mitarbeiter - und stellt sämtliche Leistungen der republikanischen Partei in Rechnung. Allein im Mai sollen die Trump-Firmen etwa sechs Millionen Euro aus der Parteikasse erhalten haben.

Hinter vorgehaltener Hand warnen bereits mehrere Kongressabgeordnete vor einer geradezu absurde Situation: Die "GOP" droht die Insolvenz, während sich der Wahlkämpfer durch die Kampagne ein glänzendes Geschäft verschafft. Dann bliebe Trump der Gewinner - ganz gleich, ob er das Rennen um das Weiße Haus gewinnt oder nicht.

Stefan Koch

Washington 38.907192 -77.036871
Washington
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus US-Wahl 2016

Donald Trump wird 45. US-Präsident. Was denken Sie über den überraschenden Wahlsieg des Milliardärs?