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Campen vs. Luxus-Hotel - So übernachten die WGT-Besucher in Leipzig

Campen vs. Luxus-Hotel - So übernachten die WGT-Besucher in Leipzig

Die einen steigen luxuriös im 19. Stock eines Leipziger Nobel-Hotels ab, die anderen lassen sich den Camping-Kult auf dem Zeltplatz des Agra-Geländes nicht nehmen.

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Janine Bödeker, Friedolin Barth und Nadine Fallenstein (von links) haben es sich auf dem WGT-Zeltplatz gemütlich gemacht.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Zu Tausenden strömen die Mitglieder der schwarzen Gemeinde seit Donnerstag wieder zum Wave-Gotik-Treffen (WGT). Und so verschieden wie ihre Kleidungs- und Musikstile sind, so unterschiedlich wohnen die knapp 20.000 Besucher während der vier Festivaltage in der Messestadt.

All-wetterfest statt All Inclusive

Wie jedes Jahr haben es sich Friedolin Barth und seine Freunde auf dem Zeltplatz gemütlich gemacht. „Das Ambiente hier ist perfekt, viel persönlicher als in einem Hotel. Außerdem lernt man schnell neue Leute kennen“, sagt der 28-Jährige, während ihm Freundin Janine Bödeker mit Haaarspray und Fön den Irokesen-Kamm herrichtet. „Man kann sich auch vier mal am Tag umziehen, ohne den Ort des Geschehens verlassen zu müssen“, meint die Braunschweigerin. „Wir haben einen großen Spigel dabei und eine Kleiderstange im Zelt, damit die Klamotten nicht knittern“, berichtet die 26-Jährige. Probleme beim Umziehen kennt sie nicht: „Da muss man sich eben mal ein bisschen einschränken.“

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Leipzig. Die ganze Stadt wird zum Laufsteg, wenn die WGT-Besucher anrücken und ihre aufwändigen, fantasievollen Roben anlegen. Fotos vom Gotik-Festival 2010.

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Wie viele der rund 10.000 Camper sind die Niedersachsen bereits am Donnerstagmorgen in Leipzig angekommen. „Man schläft hier auch nicht anders als im Hotel“, ist Bödeker überzeugt und zeigt auf ihre Federbettwäsche und die große Luftmatratze. Sogar einen Stromanschluss haben sich die beiden vor das Zelt gelegt. „Wir kennen Leute, die in Leipzig wohnen und trotzdem hierher kommen. Es ist keine Preisfrage. Es ist einfach ein Ritual“, sagt Freundin Nadine Fallenstein.

„Abends hier draußen zu sitzen und zusammen was zu trinken ist wirklich einmalig“, stimmt ihr Barth zu. „Zumindest wenn das Wetter nicht gerade miserabel ist“, schiebt er hinterher und erzählt vom Aufbauen des Zeltes im letzten Jahr – bei Hagel und knöcheltiefen Wasserpfützen. Aber von schlechtem Wetter lassen sich die jungen Leute nicht abhalten: „Das gehört eben dazu.“

Haarpflege hinterlässt im Luxushotel ihre Spuren

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Schminken im Luxus-Hotel: Sara Oskarsson aus Stockholm steigt zum WGT mit ihren Freunden im Westin ab.

Quelle: Dirk Knofe

Bei Sara Oskarsson aus Stockholm gehören ein Flatscreen-Fernseher und eine Aussicht vom 19. Stock auf die Leipziger Innenstadt beim WGT dazu. Für fünf Nächte wohnen die Schwedin und ihre vier Freunde im Westinl – einem luxuriösen Hotel mit Fünf-Sterne-Standard in der Nähe des Hauptbahnhofs. „Ich habe in den ersten Jahren auch gecampt. Aber mal gab es Nachtfrost, mal hat es in Strömen geregnet oder es war extrem heiß. Das muss ich nicht mehr haben“, meint die 23-Jährige, die in einem Stockholmer Casino arbeitet.

Rund 200 Euro pro Person legen die langjährigen Festival-Stammgäste für die fünf Übernachtungen auf den Tisch. Im Vergleich zu schwedischen Hotels sei das sehr günstig, berichtet Freund Lars Ulveland, der die Reise bereits im Januar gebucht hat. Bei der Auswahl komme es vor allem darauf an, wie weit das Hotel von den wichtigen Clubs wie der Moritzbastei oder dem Darkflower entfernt sind, so der 31-jährige Informatiker. Das Westin sei dabei aufgrund der zentralen Lage ideal.

Das Hotel mit seinen 436 Zimmern ist am Pfingstwochenende ausgebucht. Mehr als jeder dritte Gast sei WGT-Besucher, berichtet Hotelchef Andreas Hachmeister. „Die Gruppe der Festivalgäste bei uns im Haus ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Das ist natürlich auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für uns und für Leipzig insgesamt.“ Andreas Schmidt von der Leipziger Tourismus und Marketing GmbH (LTM) kann das bestätigen. „Die Hotelbranche, die Gastronomie und der Einzelhandel profitieren vom Wave-Gotik-Treffen. Wir freuen uns, dass es neben dem Bachfest ein so internationales Festival gibt, das Gäste nach Leipzig zieht“, so der LTM-Sprecher. Auch andere Unterkünfte wie das Penta Hotel oder das Motel One sind am Wochenende fast komplett ausgebucht. Schmidt sieht bei den Festivalgästen daher eine klare Tendenz hin zur Hotelübernachtung. „Es sind nicht mehr nur junge Leute wie vor 20 Jahren bei dem Festival. Viele Besucher verdienen Geld und leisten sich dann auch den entsprechenden Luxus“, vermutet Schmidt.

Abgesehen von verfärbten Handtüchern und schmutzigen Badezimmern – die Haarpflege der Gothics hinterlässt eben ihre Spuren – habe es im Westin nie Probleme mit den WGT-Gästen gegeben. „Das gehört zur Zielgruppe dazu. Aber wir sind mittlerweile darauf vorbereitet und legen extra schwarze Handtücher aus“, erklärt Hachmeister, der die schwarz gekleideten Pfingstgäste persönlich „sehr spannend“ findet.

Spanischer Gruppenurlaub im Acht-Bett-Zimmer

Auch Nuria Marti aus Barcelona macht in Leipzig Urlaub, nur wenige hundert Meter vom Westin entfernt. Aber statt im Doppelzimmer schläft sie im Central Globetrotter Hostel mit sieben spanischen Freunden in einem Raum. Die Doppelstockbetten mit weiß-blauer Ikea-Bettdecke zieht sie dem überfüllten Zeltplatz vor. „Ein bis zwei Tage zu campen wäre ok, aber über ein langes Wochenende ist mir das zu anstrengend, zu verrückt und zu dreckig“, sagt die 34-Jährige. „Wir sind hier als Gruppe angereist und können zu acht in einem Raum schlafen. Für uns ist das optimal“, erklärt Kumpel Cris Castillo, der schon zum vierten Mal beim WGT dabei ist und selbst in einer Gothic-Rock-Band spielt.

130 Euro legen die acht Freunde pro Person für fünf Übernachtungen mit Frühstück auf den Tisch. Zusammen mit dem Ryanair-Flug von Girona nach Altenburg sei die Reise alles andere als teuer. „Wir haben uns seit Anfang des Jahres Geld dafür gespart. Aber für Cris bezahlt seine Mutter die Reise“, scherzt Marti.

Schon Wochen im Voraus waren die 18 Zimmer im Hostel mit WGT-Besuchern ausgebucht, berichtet Leiter René Steinbrück. Der Altersdurchschnitt der Gäste liege meist zwischen 25 und 35 Jahren. Auch Familien mit Kindern gehörten dabei zu Steinbrücks Kundschaft. „80 Prozent der Leute sind Stammgäste. Viele reisen aus der ganzen Welt zum Festival nach Leipzig an. Man kennt sich mittlerweile“, freut sich der Hostel-Chef über die rege Nachfrage am Pfingstwochenende. „Die Leute schlafen zwar in verschiedenen Locations. Aber beim Festival treffen sie sich wieder. Egal ob sie viel oder wenig Geld haben.“

Robert Nößler

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26. Wave-Gotik-Treffen in Leipzig
2. bis 5. Juni 2017

Besuch nur mit Festivalticket möglich.

Vereinzelt Veranstaltungen für Individualbesuch (Mittelaltermärkte u.ä.)

Infos zum Ticketververkauf und zum WGT-Programm gibt es unter www.wave-gotik-treffen.de

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