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Die Alte Schule - Jörg Augsburg über das natürliche Schwarz

Von Altpunks und Oldschool-Gothics Die Alte Schule - Jörg Augsburg über das natürliche Schwarz

Es ist nicht alles eitel Mondschein in der schwarzen Szene. Mit Cybergothics zum Beispiel möchte nicht jeder in einen Topf geworfen werden: „Schlauchköppe? Nein, danke!“ heißt es denn auch auf dem verteilten Flugblatt, so richtig „real“ erscheinen dem angestammten Gothic die eher Techno hörenden und Plastik-Zöpfchen tragenden Girlies nicht.

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Gäste beim Wave-Gotik-Treffen.

Quelle: André Kempner

Es herrscht natürlich Gleichberechtigung. Den entsprechenden Boys gibt man ein fürsorgliches „Bats need no gasmask“ auf den Weg, in Anspielung auf die gern genutzte Vollvermummung des Nachwuchses. Überhaupt, das ganze große Schaulaufen der Wochenend-Grufties ist nicht jedermanns Sache. Denn es gibt auch zum WGT die Alte Schule noch. Jene, die noch wissen, wie das damals war, als mit Postpunk und New Wave überhaupt alles begann. Als an Ballonröcke oder viktorianische Picknicks keiner auch nur im düstersten Traum dachte.

Am Freitag konnte man sie treffen, im wundervoll abgeranzten Ambiente des ehemals stolzen Felsenkellers mit seinem unbeherrschbar daherdröhnenden Sound, der jeder frühen Punk-Session sehr viel Ehre gemacht hätte und ein paar der ganz alten Helden auf der Bühne, die einfach nicht aufhören, das zu machen, was sie eben schon immer machen, egal, wie der Name der Band, in der man spielt, gerade wieder lautet.

The Eden House ist so eine Band. Man weiß nie genau, wer da gerade konkret auf der Bühne steht, aber es klingt so, als ob sich tatsächlich die Reste der Über-Legende Fields Of The Nephilim zusammengefunden haben. Es ist eine Lehrvorführung in Sachen staubumwobenem Frühzeit-Gothrock mit bollerndem Bass, eingebettet in eine Gitarrenlärm-Wand, wie sie in den durchgeistigteren Ecken der Szene eher naserümpfend goutiert wird – falls man derlei überhaupt kennt. Das Publikum ist mehrheitlich die Generation 30+, Altpunks mit Tonnen von Badges an der Jacke und Nieten, da wo sie hingehören, nämlich am Gürtel. Oder in Würde gealterte, selbstbewusste Wave/Gothic-Damen mit Laufmaschen in den schwarzen Strümpfen und Siouxsie-And-The-Banshees-T-Shirts.

Überhaupt: T-Shirts! Alles da: Fields, Bauhaus, natürlich Joy Division, sogar Gene Loves Jezebel und spätestens wenn man einen hochtoupierten Oldschool-Gothic mit einem abgeschnittenen Fuzztones-Shirt gesehen hat, weiß man, dass man hier nicht falsch sein kann.

Als dann noch die Althelden Red Lorry Yellow Lorry – keiner der gediegen schmuddeligen Herren trägt irgend ein anbiederndes Szene-Accessoire – zeigen, wo all die hibbeligen Post-Postpunker von heute abgeguckt haben, fühlt man sich fast schon daheim, wie zu Frühzeiten des WGT, als es nur 1.500 Gäste waren, weil es schlicht und einfach noch keinen Gruftie-Karneval gab. Hier braucht so gut wie niemand ein Schminktäschchen, das zerschwitzte Outfit wird mit der unprätentiösen Selbstverständlichkeit der Alltagskleidung getragen und Ohrstöpsel benutzt hier sowieso keiner. Es ist das natürliche Schwarz.

Jörg Augsburg

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