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Insider-Tipps zum WGT: Hier feiert die Schwarze Szene zu Pfingsten in Leipzig

Bands, Partys, Ausstellungen Insider-Tipps zum WGT: Hier feiert die Schwarze Szene zu Pfingsten in Leipzig

Düster, poetisch oder außerirdisch – 227 Künstler haben ihre Auftritte beim Wave-Gotik-Treffen 2017 zugesagt. Den Überblick behalten da nicht einmal eingefleischte Szene-Veteranen. Wir haben ein paar Insider-Tipps.

Mystischer, mittelalterlich und keltisch beeinflusster Folk aus Spanien: Trobar de Morte.
 

Quelle: WGT

Leipzig.  Seit dem frühen Donnerstagmorgen reihen sich vor dem Agra-Park wieder tausende düstere Gestalten ganz brav in eine Schlange ein. Gegen Mittag öffneten sich die Tore zum rund 10 000 Menschen fassenden Zeltplatz – dem traditionellen Epizentrum des Wave-Gotik-Treffens (WGT). Jährlich zu Pfingsten kommt die Schwarze Szene Europas und darüber hinaus in Leipzig gewissermaßen zur Vollversammlung zusammen. Auch zur 26. Ausgabe, die offiziell am Freitag beginnt, werden wieder mehr als 20 000 Besucher erwartet. Stand gestern haben zudem 227 Künstler ihre Auftritte zugesagt. Den Überblick behalten da nicht einmal eingefleischte Szene-Veteranen. Deshalb schneidet WGT-Insider Cornelius Brach für die LVZ Schneisen ins Dickicht eines ausufernden Festival­programms:

Donnerstag

Schon bevor es richtig losgeht, gibt es heute in verschiedenen Leipziger Klubs WGT-Auftaktpartys, etwa in der Moritzbastei (ab 21 Uhr), im Darkflower (20 Uhr), im Felsenkeller (19 Uhr) und erstmals auch im Ilses Erika (23 Uhr). Dabei gibt es in Moritzbastei und Felsenkeller bereits Konzerte mit Szenestars aus dem Electro-Bereich. Zutritt jeweils auch ohne WGT-Bändchen.

Freitag

5–23 Uhr, Promenaden Hauptbahnhof: Ausstellung „Machina Nostalgica“, „Steampunk“ – Kunstausstellung mit Maschinen, Mode, Kunstobjekten und eine Fotogalerie zum Phänomen „Steampunk“, das etliche Anhänger in der Gothic-Szene hat. Alles dreht sich dabei um selbstgefertigte technische Konstruktionen im „Retro-Look“, teils dampfbetrieben und mit Zahnrad-Mechanik. Jules Verne hätte seine Freude daran gehabt. Die Ausstellung ist bis Montag täglich zu sehen, der Eintritt ist frei. Das Künstlerteam ist am Sonntag von 14 bis 18 vor Ort.

14.10 Uhr, Heidnisches Dorf: Konzert mit Cuélebre – ein junges, sympathisches Ensemble aus Valencia, benannt nach einer geflügelten Riesenschlange aus der nordspanischen Mythologie. Cuélebre spielen Pagan Folk mit Mittelalter-Einflüssen, den sich Freunde von Hagalaz’ Runedance oder Trobar De Morte nicht entgehen sollten (auch Sonnabend, 14.10 Cuélebre). Zutritt auch ohne WGT-Bändchen.

17 Uhr, Südfriedhof, Große Trauerhalle: Lesung & Konzert „Papierverzierer Verlag trifft Lambda plus K“ – beim WGT gibt es selbst auf dem Friedhof Literatur, Musik und Tanz. Es lesen die Autoren Marion Steinmetz aus „666“ (Horror), Stephanie Kempin aus „Alice – Follow the White“ (Dark Fantasy) und Sandra Baumgärtner aus „Chronik der Hagzissa“ (Dark Fantasy). Dazu spielt und tanzt die Leipziger Formation Lambda plus K. meditativ-dunkle Klänge. Sängerin Mareike Greb ist ein Genuss für Ohr und Auge. Zutritt auch ohne WGT-Bändchen.

22 Uhr Stadtbad: Konzert mit Kite – Die schwedische Band begeistert mit analogen Synthie-Sounds und einer Fülle großer Melodien, kombiniert mit der herrlich schrägen Stimme von Nicklas Stenemo, live begleitet von einer Laser-Show.

Sonnabend

0.30 Uhr, Agra-Treffenpark: Konzert mit Amanda Palmer & Edward Ka-Spel – ein spannendes Erlebnis verspricht das Konzert der extrovertierten Frontfrau der Dresden Dolls mit dem tiefenentspannten Edward Ka-Spel von den Legendary Pink Dots. Gerade erschien das gemeinsame Album „I Can Spin a Rainbow“, das Geschichtenerzählen und Lyrik mit einem weiten Spektrum filigraner Klanglandschaften umgibt.

14 Uhr, Kirchruine Wachau: Konzert mit Trobar de Morte – mystischer, mittelalterlich und keltisch beeinflusster Folk aus Spanien in der wunderbar romantischen Ruine südlich von Leipzig (die Band hat bereits am Freitag, 18.30 Uhr einen weiteren Aufritt im Heidnischen Dorf). Zutritt auch ohne WGT-Bändchen.

18.00 Uhr, Altes Landratsamt: Konzert mit Klimt 1918 – die italienische Indie- / Shoegaze-Band war jahrelang inaktiv und nie so erfolgreich, wie sie es verdient hätte. Im letzten Jahr erschien nach acht Jahren ein neues Doppelalbum, und endlich ist die Formation damit auch wieder auf dem WGT vertreten. Für Freunde von The Boxer Rebellion oder Slowdive sehr zu empfehlen.

19.00 Uhr, Schillerhaus: Theater „Kein Odem war in der ganzen Versammlung...“ – wo könnte man Schiller intensiver erleben als im Haus, in dem sich der Dichter einst aufhielt? Das Schillerhaus-Theater präsentiert Friedrich Schillers „Geisterseher“. Den jungen schwärmerischen Prinzen zieht es nach Venedig. Dort glaubt er, still und unerkannt leben zu können. Doch er ist längst erkannt, und mehr und mehr gerät er in den Bann dunkler Machenschaften. Zutritt auch ohne WGT-Bändchen.

21.50 Uhr, Heidnisches Dorf: Romantisches Nachtkonzert mit Daemonia Nymphe – mystisch-schwebende Klänge, erzeugt mit Nachbildungen antiker Instrumente, visuell untermalt mit beeindruckenden Kostümen und Masken. Zutritt auch ohne WGT-Bändchen.

22.40 Uhr, Schauspielhaus: Konzert mit Spiritual Front – Sänger Simone Salvatori hat mit seiner Band mächtig Erfolg in der Szene durch seine mitreißende Mischung verschiedenster Stile, die er selbst als „Nihilist Suicide Pop“ bezeichnet. Beim WGT präsentiert er diesmal sein Programm „Black Hearts in Black Suits“, bei dem er mit drei klassischen Musikern auf der Bühne steht. Charme des schmucken, stets elegant gekleideten Italieners entziehen.

Sonntag

13.30 Uhr, Alte Börse: „Von Huren und Heiligen – Songs Of Diamonds and Beggars“, Freiraum Syndikat (Lukas Dreyer, Cello, Markus Fleischer, Gitarre, Friederike Vollert, Blockflöten, Miako Klein, Blockflöten und Barockvioline, Moritz Eggert, Gesang, Klavier; als Gast: Carolin Masur, Gesang) – die Künstler präsentieren Songs von David Bowie, The Cure, Regina Spektor, Billie Holiday, John Barry und Moritz Eggert, sowie Arrangements und Kompositionen von Bela Bartók, Bill Frisell, Markus Fleischer, Chick Corea bis zu den Beatles. Ein Konzert im Rahmen der „WGT-Musik-Kammer“.

17.00 Uhr, Heidnisches Dorf: Konzert mit Annwn – ätherischer, schwebender Kammerfolk, getragen von der himmlischen Stimme von Sabine Hornung, die ein großes Ensemble klassischer Musiker leitet. Teils lassen sich Ähnlichkeiten zu Loreena McKennitt erkennen (tritt auch Montag um 17.30 Industrial im Schauspielhaus auf). Zutritt auch ohne WGT-Bändchen.

18.10 Uhr, Volkspalast: Konzert mit Whispering Songs – eine der hoffnungsvollsten neuen Wave/Post Punk Bands kommt aus Belgien. Dunkler Frauengesang zu melancholisch-melodiösen Gitarrenklängen. Schon mit ihrer ersten EP legte sie 2015 einen eiskalten Meilenstein vor. Songs wie „Time“ oder „Wall“ sind derzeit zu Recht aus keiner guten Club-Playlist wegzudenken.

23.00 Uhr, Völkerschlachtdenkmal: Konzert „Maskenball – Venedig barock“, Matthias Eisenberg, Orgel, Hubertus Schmidt, Posaune – mit Schalk im Nacken stürzen sich zwei Ausnahmekünstler in Vivaldis barocke Klangfluten und laden zum venezianisch-gotischen Maskenball ein. Man wandelt maskiert oder unmaskiert im monumentalen Raum des Völkerschlachtdenkmales umher und badet im Klang italienischer Barockmusik.

Montag

1.00 Uhr, Agra-Park: Konzert mit Skinny Puppy – diese kanadische Band weiß, wie man komplexe düstere Electro-Musik macht, denn sie produziert sie bereits seit 1982. Entsprechenden Kultstatus genießt sie in der Szene. Ihre Auftritte geraten zum großartigen Spektakel. Endlich zum ersten Mal beim WGT, spielt die Band ihr einziges Konzert in diesem Jahr in Deutschland.

14.00 Uhr, Haus Leipzig: Lesung und Musik mit Oswald Henke (Goethes Erben) – der charismatische Sänger der Szeneband Goethes Erben präsentiert seine morbiden Texte und Klänge hier pur: nur mit seiner eindringlichen Stimme, begleitet vom Klavier. Daneben gibt er Kostproben seines literarischen Schaffens.

20.00 Uhr, Heidnisches Dorf: Konzert mit Folk Noir – das düstere Nebenprojekt von Oliver S. Tyr von der Mittelalter-Folkband Faun. Mit Sängerin Livy Pear hat die Band eine gefühlvolle Sängerin an Bord, die dem an 70er Folk erinnernden Sound eine Stimme gibt, die gut mit jener von Oliver harmoniert. Zutritt auch ohne WGT-Bändchen.

20.50 Uhr, Schauspielhaus: Konzert mit Theodor Bastard – schon zum dritten Mal dabei. Was diese Weltmusikband aus Russland auf die Bühne zaubert, ist nur mit dem Wort „außerirdisch“ zu beschreiben. Eine seltene Chance, sie live in Deutschland zu sehen, 22.30 Uhr, Konzert mit Cabaret Voltaire – diese englische Band existiert seit 1973 und hat das Industrial-Genre mitbegründet. Zwar ist aus den Anfangstagen nur noch Richard H. Kirk dabei, doch der Sound ist noch immer recht typisch: die gleichen spröden Beats, die gleichen beängstigenden Atmosphären. Heute wird das zwar nicht mehr mit Band und Schere gemacht, sondern am Rechner, aber es lohnt sich sicher noch immer diese Band einmal live zu erleben.

23.55 Uhr, Täubchenthal: „When We Were Young“-Party, „Chicago vs. Dresden“, u.a. mit DJ William Faith, ehemals Faith And The Muse, USA („Wave“, „Minimal“, „Classics“, „Gothrock“, „Batcave“, „NDW“, „Electro“) – Fortsetzung der Party-Reihe für Freunde der Musik aus den Anfangstagen der Szene und daran angelehnte neuere, noch düsterere Gitarren-musik. Bei dieser Party läuft nicht nur tolle Musik, man trifft auch die wohl am schicksten traditionell gestylten Gäste des WGT. Weitere Partys in ähnlicher musika-lischer Ausrichtung steigen auch am Freitag, Sonnabend und Sonntag am selben Ort.

Das vollständige Programm gibt’s unter www.wave-gotik-treffen.de

Von LVZ

Zehntausende werden zum WGT in Leipzig erwartet. Was halten Sie vom Treffen der schwarzen Subkulturen?

Auf einen Blick

26. Wave-Gotik-Treffen in Leipzig
2. bis 5. Juni 2017

Besuch nur mit Festivalticket möglich.

Vereinzelt Veranstaltungen für Individualbesuch (Mittelaltermärkte u.ä.)

Infos zum Ticketververkauf und zum WGT-Programm gibt es unter www.wave-gotik-treffen.de

WGT Fotoaktion - zur Bildergalerie

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