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Luxus-Hotel versus Camping: Wohnen beim WGT in Leipzig

Schwarze Szene Luxus-Hotel versus Camping: Wohnen beim WGT in Leipzig

Seit Donnerstag verbringen die meisten Besucher des Wave-Gotik-Treffens (22.-25. Mai 2015) die erste Nacht in der Messestadt. So verschieden die Kleidungsvorlieben der extravertierten Schwarzen Szene sind, so unterschiedlich fallen auch die Geschmäcker aus, was die Unterkunft betrifft.

WGT Besucherinnen beim Schminken vor dem Badezimmerspiegel im Hotel.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Zum sechsten Mal bezieht Daniela Dworak nun schon ihr Domizil im Seaside Parkhotel, ein Vier-Sterne-Zimmer mitten am Innenstadtring. Der frühe Vogel fängt den Wurm, wenn reserviert wird. „Ich buche es mindestens zehn Monate zuvor“, so die Tontechnikerin. Das Doppelzimmer mit separatem Klo und eigenem Bad mit Wanne habe die Wienerin für nächstes Jahr schon wieder belegt.

Gemeinsam mit ihrem Freund Gerry Nowack ist die begeisterte WGT-Anhängerin sieben Stunden lang per Auto aus Wien angereist. Seit Montag machen die beiden Leipzig unsicher. Für das Event haben sich die zwei Berufstätigen extra Urlaub genommen – und der soll natürlich auch mit viel Komfort und Luxus genossen werden. „Ich brauche die Qualität“, meint Dworak. Sie liebe es, während des WGTs in einem angenehmen Bett zu schlafen, sich dann in Ruhe zu duschen und fertig zu machen. Das Styling dauere meistens zwei Stunden und dafür benötige sie einen Spiegel. Auch das Frühstücksbuffet hat es den beiden angetan. „Den frisch gepressten Orangensaft trinken wir hier in rauen Mengen“, sagt ihr Freund Gerry. Außerdem steht die 50-Jährige auf Pancakes mit Ahornsirup und Früchten.

Zweieinhalb Koffer voller Gewänder

Gleich im benachbarten Novotel ist Ines Krömer untergeschlüpft. „Campen tue ich mir unter keinen Umständen an“, ruft die 24-Jährige. Pro Nacht bezahle die Wienerin 100 Euro für das Doppelzimmer, das sie sich mit einer Freundin teilt. „Also fünfzig Euro pro Nase“, meint die Visagistin gelassen. Frühstück sei zwar nicht dabei, aber dafür müssten ihre Freunde Nowack und Dworak auch jeweils 20 Euro mehr pro Nacht bezahlen.

WGT-Beucher im Hotel oder auf dem Festivalzeltplatz. Foto: Dirk Knofe

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Krömer bleibt ebenfalls bis Dienstag nächster Woche. Daniela Dworak, der Frohnatur mit lilafarbenen Haar und hellblauen Strähnen, ist es wichtig, viel Platz zu haben. Sie ist mit zweieinhalb Koffern angereist. „Meine fünf Gewänder im Steampunk-, Goth-, Punk-, Uniform- und Maid Cafe-Look benötigen auf jeden Fall eine knitterfreie Umgebung“, so die Wienerin. Die Schminkutensilien hat sie auf der großzügigen Ablagefläche ausgebreitet. Die Accessoires bekommen pro Tag ein eigenes Fach im Kleiderschrank aus Mahagoniholz.

„Im Aufzug wissen die anderen Hotelgäste meistens gar nicht, wo sie hinschauen sollen“, kichern die Freundinnen Krömer und Dworak im komplett verspiegelten Fahrstuhl. Es scheint so, als wirbelten die Anhänger der Schwarzen Szene in den Hotels die anderen Gäste auf. Im Novotel seien Bankangestellte und im Seaside pensionierte Wagner-Fans untergebracht.

Campen und Campen lassen

Ungezwungener geht es hingegen auf dem Campingplatz zu. Hier angekommen, lerne man gleich die gesamte Nachbarschaft kennen. Keine Hipster oder Spießer, sondern eben normale Leute. Alle seien sehr offen und oft höre man: „Zuhause kann ich nicht zugeben, wie ich bin.“ Nachbarschaftshilfe ist natürlich ein Muss: Gleich wird der Hammer geborgt oder das erste Bier ausgegeben. Manche reisten sogar in riesigen Gemeinschaftszelten an: freie Liebe also in freier Wildbahn. „Es passiert schon häufiger, dass hier Freundschaften geschlossen werden“, meint die 22-jährige Vanessa Gleim, die mit Freunden auf dem Agra-Gelände ihr Domizil bezogen hat.

Neben dem Festivaleintritt von 100 Euro kommt man beim Campen wesentlich günstiger weg. Von Donnerstag bis Dienstag zahle man insgesamt 25 Euro, so Gleim. Duschen koste 1,50 Euro extra. Das Dixiklo sei umsonst. Bei Toilettenbenutzung mit Wasserspülung seien 50 Cent fällig. Auf die Frage, was die Gruppe denn bevorzuge, antwortet Nicole Aufenfehn aus Meppen: „Wir machen beides.“
Das perfekte Make-up und Hairstyling finden die Damen nicht so wichtig – besonders nicht auf dem Campingplatz. Der Student Carlos von Rüsten hat für die Gruppe einen dreistöckigen Schminkkoffer mitgebracht. „Wir Mädels haben vorher schon geprobt. Die Fotos von unseren Kostümen haben wir uns gegenseitig zugeschickt“, sagt die 25-jährige Aufenfehn. Richtig aufgestylt wird also auch auf dem Zeltplatz ab Freitag, wenn es zum Flanieren auf das Agra-Gelände gehe. Der Gruppe ist es besonders wichtig, möglichst nah am Geschehen zu sein.

Jedoch sei der Campingplatz beim vergangenen Mal noch rappelvoll gewesen, so Jens Nehuis. „Man merkt so langsam den demografischen Wandel der Wave-Gotik-Anhängerschaft“, meint der 35-Jährige. Das sei ein schleichender Prozess. Die WGT-Fans würden immer älter und stiegen lieber in Hotels ab. Aufenfehn spekuliert, dass wegen des Bahnstreiks noch weniger Camper angereist sind. „Aber vielleicht ändert sich das morgen ja noch“, meint die Auszubildende optimistisch.

Unterkünfte noch nicht komplett voll

Noch sind Leipzigs Hotels jedenfalls nicht komplett ausgelastet. Vereinzelt ließen sich Unterkünfte, unter anderem im Westin, Lindner oder Amadeo Hotel, finden. „Wie die Lage in zwei Tagen ausschaut, müssen wir abwarten“, sagt Andreas Schmidt von der Leipziger Tourismus und Marketing Gesellschaft. „Für Leipzig ist das WGT natürlich immer ein sehr schöner, konstanter Faktor über Pfingsten“, so Schmidt. Die meisten Stammgäste kämen schon seit 20 Jahren her. Auch die Künstler und Bands wollten in der Messestadt essen und schlafen. Die meisten hätten gute Jobs und wollten die Zeit genießen.
Dem vergangenen GDL-Streik gibt Schmidt nicht die Schuld daran, dass noch nicht alles komplett ausgebucht ist. „Die streiken schon seit Monaten“, so Schmidt. Die WGT-Besucher seien eine flexible und mobile Gemeinschaft, deren Mitglieder bestimmt nicht auf der Strecke geblieben seien, so der Leipziger Tourismussprecher. Jedenfalls sei es bislang aus diesem Grund noch zu keiner Hotelstornierung gekommen.

Seit Mitte Mai hat auch der Campingplatz Auensee wieder seine Pforten geöffnet. Geschäftsführer Thomas Schäfer rechnet mit einer Reservierung, die bis zu 60 Prozent aus WGT-Anhängern bestehen wird. „Gerade das Neben- und Miteinander von ‚normalen’ Campern und WGT-Anhängern macht aus unserer Sicht den besonderen Reiz unseres Übernachtungsbetriebes aus“, findet der Betreiber. Pfingsten sei aber ohnehin, abgesehen von der Schwarzen Szene, ein wichtiger Saisonhöhepunkt für den Campingplatz in der Messestadt. Melanie Steitz

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Das komplette WGT-Programm gibt es unter www.wave-gotik-treffen.de

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