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Nach Hause kommen: Die ersten Gothics erreichen Leipzig

WGT-Traditionen Nach Hause kommen: Die ersten Gothics erreichen Leipzig

Es ist 5.54 Uhr, Donnerstagfrüh, als zwei bleiche Gestalten an einer Auto-Kolonne vorbei schlappen und vor dem vergitterten Tor zum Agra-Messepark ihre Campingstühle und ein Feldbett aufklappen. Wie jede Familienfeier hangelt sich auch das Wave-Gotik-Treffen (17.-20. Mai 2013) an wiederkehrenden Ritualen entlang.

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Erste! Jan (25) und Kathy (21) vor dem noch verschlossenen Tor des Agraparks.

Quelle: Mathias Wöbking

Leipzig. Der erste und keineswegs unwichtigste dieser Grufti-Bräuche betrifft die zeitige Anreise, bevor das Festival eigentlich erst am Freitag zum 22. Mal beginnt.

Für Jan, 25, Student der theoretischen Physik, gehört es zur persönlichen WGT-Tradition, unter den ersten zu sein, die vor dem Zeltplatz ausharren, bis sich der am Nachmittag für 10.000 Camper öffnet. Um Mitternacht hat er sich mit seinen Freunden in Bochum auf die Autobahn gemacht. "Unser Stammplatz liegt im Abschnitt C, schön zentral. Es ist weder weit zur Agra-Halle noch zum Heidnischen Dorf noch zu den Klos und Waschbecken", erläutert er.

Vor sechs Jahren hissten sie erstmals ihre aufgemalte Flagge "Camp Siff" auf dem Agra-Rasen, "zu dritt waren wir damals". Mittlerweile ist die Fahne gedruckt, "wir haben sogar Aufnäher hergestellt", sagt Jan stolz, und das Camp Siff zähle inzwischen 50 Mitglieder - aus Dortmund, Bochum, Rheine, München. "Zu Pfingsten treffen wir uns in Leipzig", erklärt Kathy, 21, in ihrem anderen Leben Altenpflegerin. Seit vier Jahren gehört sie dazu. Es sei, "wie nach Hause zu kommen", schwärmt sie, "endlich normale Menschen um uns herum".

Als Kathy geboren wurde, erlebte André aus dem Erzgebirge bereits sein erstes Wave-Gotik-Treffen. Der 35-Jährige gehört zu den 1500 Menschen, die beim Debüt 1992 auch das Konzert von Das Ich verfolgt haben. Anders als Musiker Bruno Kramm war André seither jedes Jahr dabei - 2009 jedoch nur kurz. "Mein Sohn musste ausgerechnet am Pfingstsonntag zur Welt kommen", sagt er in gespielt genervtem Ton. Dieses Jahr ist auch seine Frau Kristin, 31, wieder da. Der vierjährige Damien ist bei den Großeltern geblieben.

Kristin und André warten sogar 17 Stunden länger auf den Einlass als das Camp Siff. Ihr Lohn ist "ein Wiedersehen mit den Anderen, die immer so früh dran sind", so André, und Platz zwei in der Autoschlange - der war am Mittwoch um 13 Uhr noch frei. Nur ein Günzburger war früher dran. Seit Mittwoch, 8 Uhr, wartet er, so hat er André erzählt. Gut 24 Stunden später schläft er allerdings.

Obwohl Anita, 27, und Christophe, 29, am Mittwoch immerhin gegen 17 Uhr losgefahren sind, hat es für sie nur für Rang 43 im Auto-Korso gereicht. Der Weg war so weit. In einem Wohnmobil sind sie mit Freunden die rund 800 Kilometer vom Kanton Bern nach Leipzig getuckert. Seit 2003 fahren die Floristin und der Tischler alle zwei Jahre zum WGT. "Wegen der Konzerte, der Partys, des Katers am Morgen", sagt Christophe. "Und weil man jedes Jahr neue tolle Leute trifft in dieser glücklichen Familie", ergänzt Anita. "Der Standort fürs Zelt ist da gar nicht so wichtig."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.05.2013

Mathias Wöbking

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