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Schaurig schön: Das Viktorianische Picknick beim WGT 2015 in Leipzig

Wave-Gotik-Treffen 2015 Schaurig schön: Das Viktorianische Picknick beim WGT 2015 in Leipzig

Allesamt sind sie eine Augenweide: die fantasievoll verkleideten und aufwendig geschminkten Anhänger des Wave-Gotik-Treffens (WGT) am Freitagnachmittag im Clara-Zetkin-Park. Die Damen tragen oftmals großzügige Barockreifröcke, die Herren kommen meist in flotten Fracks mit Gehstock daher.

Weiblicher Pirat Jack Sparrow: Marie Nemisx

Quelle: Regina Katzer

Viele Spaziergänger halten an, um die auf den Wiesen flanierenden Kunstwerke zu bewundern. Auch die kostümierten WGTler fotografieren sich hier und da gegenseitig. Das Motto lautet: sehen und gesehen werden.

Von zahlreichen Bewunderern umringt, sitzen die Barockfans Sybille und René Fröhlich mit dem befreundeten Ehepaar Bernd und Dagmar Vogel in einem stilvoll weißen Ambiente. Der Tisch, die Servietten, die Stühle und die Decke, alles hat dieselbe Farbe. Kennen gelernt haben sich die Vier vor fünf Jahren beim Barockfest in Gotha. „Wir haben uns auf Anhieb sympathisch gefunden“, erzählt Sybille Fröhlich. Der Picknickproviant erstreckt sich über Käsehäppchen bis hin zu Pralinen, die auf einem Silbertablett präsentiert werden.

Manuela und Mike Möbes sind ebenfalls in Barockmode gekleidet und haben sich mit den Fröhlichs und Vogels unter dem Baum nieder gelassen. Ihre Gesichter sind auffallend weiß gepudert und ihre opulente Robe kommt aus den französischen 1750er Jahren. Keine Frage, die beiden stechen sofort ins Auge. „Wir sind schon zum dritten Mal beim Viktorianischen Picknick mit dabei“, so die 50-Jährige. Dass nun die Gegenveranstaltung „Victorian Village“ zeitgleich im Panometer steigt, findet das Pärchen nicht so gut. „Wenn ich nicht fotografiert werden möchte, dann kleide ich mich auch nicht so auffällig“, lautet der Tenor. Es sei schade, dass sich nun ein Teil der Barockfans bewusst abgrenze.

Regina Katzer hat sich unter die WGT-Besucher gemischt und die schönsten, skurrilsten sowie auffälligsten Kostüme abgelichtet.

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Mitten im WGT-Trubel auf der Wiese steht auch das Grüppchen aus Lars Kristinson, Phillip Hielm, Johny Larsson, Lis Holmberg sowie Zuzanna Rajewska. Außer der 27-jährigen Polin Rajewska stammen alle aus Schweden. Die meisten von ihnen sind schon mehr als drei Mal zum WGT in die Messestadt angereist. „Es ist angenehm, beim WGT einfach nur man selbst zu sein“, so Kristinson. Man werde nicht verurteilt. Der 34-Jährige trägt einen dreifachen Irokesenschnitt mit neongrünen Spitzen, der mit Gel in alle Richtungen gestylt wurde. „Das trage ich aber nicht im Alltag, sondern nur bei besonderen Gelegenheiten, wie dieser“, so der Schwede.

Elegant ist die schwarz-graue Robe von Kathrin Härtel. Die 45-Jährige hat dreieinhalb Stunden mit ihrem Styling verbracht. Der einzige Farbtupfer lugt unter dem schwarzen Netzhut hervor: Härtels orangefarbene Haarfarbe. Mit ihrem Lebenspartner Florian Mückel-Klier ist die Leipzigerin schon zum sechsten Mal beim Viktorianischen Picknick. „Für uns ist das die Vorfreude aufs Wochenende“, erläutert der 45-jährige Brillenträger, im schwarzen Rüschenhemd. Das Pärchen empfindet das Treffen daher als Auftakt der kommenden Veranstaltungsreihe. Die zwei werden zum Beispiel den Dunkelromantischen Tanz im Stadtbad mitmachen oder WGT-Konzerte im Felsenkeller und Kohlrabi-Zirkus besuchen.

Sehr originell ist das selbst kreierte Outfit von „Karlsson vom Dach“ – seinen wahren Namen möchte der Frankfurter lieber nicht nennen. Sein bestes Accessoire ist auf dem Rücken festgezurrt: eine kupferne, antike Wärmflasche, auf der in der Mitte des Ovals ein 40 Zentimeter langer Modell-Holzpropeller angebracht ist. „Schon als Kind hatte ich voll-physikalische Träume“, meint der 48-Jährige melancholisch. Er habe seine Flüge im Traum steuern können. Später sei der Frankfurter selbst aktiv geworden und habe einen Gleitschirmschein absolviert. „Ich verkörpere quasi meinen Kindheitstram“, resümiert Karlsson vom Dach. Er müsse nur manchmal aufpassen, dass er die nach solchen Festivals wieder zurück in die Realität kehre.

„Beim Viktorianischen Picknick kann man die Kunst, die man im Keller daheim gebastelt hat, zur Schau tragen“, so ein als Mangafigur Captain J. K. verkleideter Frankfurter. Es sei der eine Teil, ein Outfit zu kreieren, der andere sei es, auf dem Clarapark zu flanieren, findet der 40-Jährige. „Ich freue mich darauf, dass ich hier so viele kreative Gleichgesinnte treffe“, sagt seine Begleitung, die als Burlesque-Schauspielerin Gypsy Rose Lee verkleidet ist.

Unheimlich...viel Kreativität, Handwerkskunst und Geld flossen auch in diesem Jahr wieder in die Kostüme der WGT-Besucher. Wir waren vor Ort.

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Von Australiern bis Belgiern – Anne Goldbrunner kommt an diesem sonnigen Nachmittag im Clarapark mit zig neuen Gesichtern ins Gespräch. „Es ist wie eine Zeitreise mit vielen Facetten, wenn man seinen Blick so über die Wiese schweifen lässt“, meint die 38-Jährige. Ihre Haare leuchten azurblau und sind teilweise grün schattiert. Die Pupillen hat Goldbrunner in Mangapüppchenblau gefärbt und den Hut hat sie selbst angefertigt. Den Rest habe sie sich zusammen gesucht.

Ihre Freundin Marie Nemisx (Künstlername) mimt einen weiblichen Captain Jack Sparrow. Mit ihren dunkelbraunen Plateuschuhen, dem lustigen Dreieckshut und den rabenschwarzen langen Haaren könnte sie fast wirklich einem der „Fluch der Karibik“-Filme entsprungen sein. „Ich bin etwas zwischen Steampunk und noblem Freibeutertum“, so die 26-Jährige. Mit 15 Jahren sei sie in die Punkszene hinein gerutscht. 2009 habe sie ihr erstes WGT erlebt.

„Man wächst mit jedem Kostüm, so wie umgekehrt“, meint Nemisx. Über die Jahre werde das Outfit immer perfekter und folge einem langen Verfeinerungsprozess. „Das Niveau beim Viktorianischen Picknick ist sehr hoch, jeder gibt sich wahnsinnig viel Mühe beim Outfit“, meint die 26-Jährige. „Es ist ein gutes Feeling, ich finde es schön, dass man sich hier zeigen und gegenseitig inspiriert.“ Melanie Steitz

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