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WGT-Jubiläum im Belantis: Schwarze Messe in der Achterbahn

Grufties essen Zuckerwatte WGT-Jubiläum im Belantis: Schwarze Messe in der Achterbahn

Es war ein großes Experiment: Ausgerechnet die Anhänger der schwarzen Szene sollten das Jubiläum ihres Lieblingsfestivals in einem Freizeitpark feiern – zwischen Zuckerwatte und kandierten Äpfeln.

Todesmutiger Sturz in die Tiefe: Die Jubiläumsfeier im Vergnügungspark war ein voller Erfolg.
 

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig.  Die Jubiläumsfeier zum 25. Wave-Gotik-Treffen (WGT) ausgerechnet in einem kunterbunten Vergnügungspark zu veranstalten, war eine kühne Idee der Veranstalter. Selbst Festival-Sprecher Cornelius Brach konnte im Vorfeld kaum einschätzen, wie das bei den Festival-Besuchern ankommen würde. „Wir haben keine Erwartungen, das Ganze ist ein Experiment.“ Es habe durchaus gemischte Reaktionen gegeben, sagte er LVZ.de im Vorfeld.

Als am Donnerstagabend dann pünktlich um 20 Uhr die Tore von Belantis öffnen, strömen die schwarzen Gestalten zu Tausenden in den Vergnügungspark im Süden der Messestadt – ein voller Erfolg. Binnen weniger Minuten bilden sich an den Fahrgeschäften ellenlange Schlangen, die Gastronomen kommen kaum hinterher. Etwa 10.000 Besucher sind der Einladung am Ende gefolgt. „Es ist total geil hier, was für eine geniale Idee“, sagt Linda kurz bevor ihr Schlauchboot den Wasserfall der Pyramide hinunter rast. Danach hört man nur noch das Kreischen der 27-jährigen Essenerin.

Volles Haus zur Eröffnungsparty: Tausende WGT-Besucher sind am Donnerstagabend in den Vergnügungspark Belantis geströmt, wo die 25. Ausgabe des Treffens der schwarzen Szene mit einem besonderen Event gefeiert werden soll. Vor den Fahrgeschäften bildeten sich lange Schlangen.

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Den ganzen Abend über kommen weitere Besucher an, erkunden die Attraktionen des Parks. „Klar essen Grufties auch gern Zuckerwatte, wir sind ja keine Zombies“, witzelt Janus, der extra aus Österreich angereist ist. Der 22-Jährige betont, dass die schwarze Szene nicht spaßbefreit ist. „Wir sind vielleicht etwas nachdenklicher, melancholischer, aber wir sind ganz normale Menschen.“ Dann verliert er sich in der schwarzen Menge, die sich über die verschlungenen Pfade zwischen den Themenwelten schiebt.

Im Nebel fahren Taxis nach Walhalla

Über die Beschallungsanlage des Parks laufen an diesem besonderen Abend anstatt des üblichen Freizeitpark-Gedudels stimmungsvoll-düstere Klänge. Als die Dämmerung einsetzt, nehmen die Nebelmaschinen ihren Dienst auf, hüllen die Gewässer des Parks in einen mystischen Nebel, zwischen dem die sonst so fröhlich anmutenden Boote wie Taxis nach Walhalla anmuten. Violette und grüne Laserlichter, die durch die grauen Schwaden tanzen, unterstützen das Bild einer fremden Welt. Das fröhlich-hysterische Kreischen jener, die sich waghalsig in den Achterbahnen in die Tiefe schmeißen, bildet einen skurrilen Kontrast. Genauso die Duftmischung aus Patschuli und kandierten Äpfeln.

Längst ist die Szene keine homogene Masse mehr. Schwarz ist nicht gleich schwarz, diesen Slogan hört man dieser Tage überall. Was damit gemeint ist, wird auf den langen Wegen zwischen den Attraktionen des Belantis deutlich. Hier schlendern Damen in langen edlen Gewändern mit pompösem Kopfschmuck und aufwändigem Make-up neben Geschlechtsgenossinen in kurzen Hosen, die kaum mehr als ein Schlüpfer sind, und zerfetzten Strumpfhosen. Entgegen kommen andere, die lediglich schwarze Jeans und ein schlichtes Shirt tragen. Gleiches gilt für die Herren der Schöpfung. Von detailverliebten Uniformen über klassische Smokings bis hin zu Jeans und schlichter Lederjacke ist alles vertreten. Hin und wieder, nur ganz selten, dann aber umso effektvoller, erscheint ein Farbkleks in der dunklen Masse, verschwindet aber nach wenigen Sekunden wieder in der Menge.

Am Ende knallt es doch noch

Um 22.50 Uhr folgt das große Highlight des Abends. Ein Feuerwerk, das unspektakulär beginnt, um sich nach kurzem Anlauf in ein fulminantes Fest fürs Auge zu verwandeln, das sich im See des Parks eindrucksvoll spiegelt. Die Fahrgeschäfte stehen in diesen zehn Minuten still, die schwarze Masse erstarrt wie erkaltete Lava. Alle Blicke richten sich gen Himmel. Es knallt so laut, dass der Boden zu vibrieren scheint. Minutenlang ergießt sich Goldregen in allen Formen über die Jubiliäumsgäste. Immer wieder ertönt kollektives „Oooohhh“ und „Aaaah“. Applaus ertönt als das Ende des Feuerwerks gekommen zu sein scheint. Doch dann knallt es erneut – diesmal von woanders. Rote Fontänen schießen von einer Halbinsel in die Luft, ziehen rote Nebelschwaden nach sich, die wie eine Lawine über die Zuschauer hereinfällt und endgültig dafür sorgt, dass der Vergnügungspark sich optisch dem Anlass der Veranstaltung anpasst.

Nach einigen Minuten der Paralyse setzt sich die Masse erneut in Bewegung. Die Arbeit an den Bierständen geht weiter, die Fahrgeschäfte setzen sich für die letzte Stunde in Bewegung. Und die Partys, auf denen die DJs das schwarze Volk zum Zappeln bringen wollen, nehmen Schwung auf. Niemanden hört man an diesem Abend von Kommerzialisierung sprechen.

Von Nathalie Helene Rippich

Leipzig 51.253716 12.31524
Leipzig
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Das komplette WGT-Programm gibt es unter www.wave-gotik-treffen.de

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