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„Wir sind nicht depressiv, uns ist nur warm“ - WGT-Besucher kämpfen mit der Hitze

Tipps und Ratschläge „Wir sind nicht depressiv, uns ist nur warm“ - WGT-Besucher kämpfen mit der Hitze

Ein Hauch von Patchouli hängt in der Luft. Die ersten schwarz gekleideten Anhänger der Wave-Gotik-Szene flanieren durch die Leipziger Innenstadt. Einige in schlichter schwarzer Hose und T-Shirt, andere mit Liebe zum Detail im Fest-Outfit. Und die Sonne brennt beim WGT (25.-28. Mai 2012).

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Schon mittags top gestylt: Tom H., Tina Hammond und Boris Conrad (v.l.) haben für jedes Wetter etwas im Schrank.

Quelle: Regina Katzer

Leipzig. Zum Wave-Gotik-Treffen kommen die Liebhaber der dunklen Szene aus ihren Häusern, putzen sich mit skurrilem Make-Up, Corsagen und Hochzeitskleidern heraus. LVZ-Online hat sich umgehört, wie die WGT-Besucher es schaffen, dass Make-Up und Outfit auch bei praller Sonne und 25 Grad im Schatten frisch bleiben.

Aufgestylt schlendern zwei Pärchen aus Speyer beziehungsweise der Nähe von Frankfurt/Main durch die Leipziger Innenstadt. „In Jeans und T-Shirt kann ich auch zu Hause rumlaufen. Hier nutz ich das aus“, begründet Tina Hammond, warum sie bereits Donnerstagmittag im feinsten Kostüm steckt. Tagsüber trägt sie noch Schuhe mit hohen Absätze, gegen Abend werden sie dann immer flacher.

Ihr Partner Tom Priebel setzt auf luftige Kleidung mit „Belüftungsschlitzen“, wie er schmunzelnd die Einschnitte in seinen Hosenbeinen nennt. „Oder weniger anziehen“, nennt er ein weiteres Rezept gegen die Hitze. Außerdem sucht er gerne mal ein schattiges Plätzchen auf und geht dabei gleich auf ein beliebtes Klischee ein: „Wir sind nicht depressiv. Uns ist nur warm.“ Wenn das alles nicht hilft, bleibt nur noch eins: „Man leidet und hält es einfach aus“, sagt er.

Kleiderständer und Bügeleisen im Gepäck

Die beiden sowie ihre Freunde Regine und Boris Conrad sind extra mit zwei Autos angereist, um den halben Hausstand unterzubringen. „Wir haben einen eigenen Kleiderständer dabei, der im Hotel würde nicht reichen“, sagt Tina Hammond. Daneben waren im Gepäck unter anderem ein Bügeleisen, mehrere Paar Schuhe und jede Menge Wechselsachen. „Da ist sicher auch vieles dabei, das wir nicht brauchen, weil es zu warm ist“, so die Gotik-Liebhaberin. Trotzdem werden weitere Utensilien, bevorzugt Stiefel, in den verschiedensten Variationen, dazu gekauft. Die Auswahl sei in Leipzig einfach riesig.

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Seltener Anblick: Über Pfingsten wird Ronny Schreiber nur noch mit Latex-Maske zu sehen sein.

Quelle: Regina Katzer

Das Outfit nach dem Wetter planen, kommt für Ronny Schreiber nicht infrage. Latex-Maske, darüber eine Atemschutzmaske und eine Schweißerbrille sind Pflicht. Und zwar erst recht, wenn es besonders heiß ist. „Dann tragen es nicht so viele“, hofft er. „Im ersten Moment ist es schon warm, aber nach fünf Minuten hat man sich dran gewöhnt“, erzählt der gebürtige Chemnitzer, der inzwischen im österreichischen Wörgl lebt.

Abkühlung verspricht außerdem die Kleidung. Zur schwarzen Hose und kleinen Assesoires wie Blutspritzen an Bein, Arm und Kopf geht er Oberkörper frei. So komme das Tattoo auf seinem Rücken zur Geltung, das er sich abgeleitet von dem Film Nightmare for X-Mas hat stechen lassen. Niedlicher Zusatz ist ein schwarzes Quietsche-Entchen auf seinem linken Arm – und Wiedererkennungszeichen: Seine Freundin hat das gleiche in gelb.

Lieber schlicht bleibt Manuela Kunick, die komplett auf Make-Up verzichtet. Außerdem versucht sie, die Sonne zu meiden, einen Schirm im Gepäck zu haben und nicht so viel zu tanzen. „Bei Hitze ist es Schwachsinn, Make-Up aufzulegen. Da geht der Spaß verloren.“ Sie trägt je nach Wetter lange oder kurze Röcke, dazu bequeme Stiefel ohne Absatz, abends auch mal eine Korsage. „Es gibt Leute, die dopen sich mit Schmerzmitteln, um es auf hohen Absätzen auszuhalten“, hat sie beobachtet. Dafür hat sie null Verständnis. „Man ist ja ein paar Kilometer unterwegs“, sagt die 27-jährige Leipzigerin, die außerdem keine Lust hat, wegen ihres Outfits oder Make-Ups den ganzen Tag Schatten aufsuchen zu müssen. „Ich will ja auch was davon haben.“

Auch für die Susi Berthold ist weniger mehr. „Mein Make-Up verläuft immer, wenn es warm ist“, sagt die 29-Jährige, die deshalb tagsüber nur Wimperntusche trägt. Damit die Schminke abends einigermaßen hält, hofft sie auf nicht zu große Wärme in den Klubs und schon gar keinen Regen. Zwischendurch wird immer wieder renoviert: „Das Make-Up habe ich in der Tasche. Wenn’s verläuft, wird nachgeschminkt“, gesteht sie. Schwarze Kleidung macht ihr auch bei praller Sonne nichts aus: „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass schwarz nicht die Sonne anzieht“, meint sie.

Tipp aus Südafrika: Make-Up mit Haarspray fixieren

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Lange Reise: Zea Spencer und Nico J kommen aus Südafrika zum Wave-Gotik-Treffen nach Leipzig.

Quelle: Regina Katzer

Kein Problem mit der Wärme hat auch die 26-jährige Zea Spencer aus Südafrika, die kurz zuvor mit ihrem Freund Nico J aus dem Flugzeug gestiegen ist. Von Freunden haben sie von dem Treffen in Leipzig gehört und die wiederum wüssten es aus dem Internet. Die beiden trudeln gerade vom Bahnhof aus Richtung Hotel, noch in legerer schwarzer Kleidung. „Ich bin es gewohnt“, sagt Rea Spencer schlicht. In Johannesburg, wo sie wohnen, sei es deutlich wärmer als in Leipzig. Damit das Make-Up hält, hat sie für die nicht so hitzebeständigen Deutschen trotzdem einen kleinen Tipp: Haarspray sprühen, das Gesicht hinein halten und damit das Make-Up festigen. „Dann verläuft es nicht“, verspricht sie. Um auch gut zu Fuß zu sein, trägt die Südafrikanerin, die auffallend blasse Haut hat, komfortable flache Schuhe.

„25 Grad sind noch angenehm“, findet Kristina Malchow (27), Leipzig: „Es gab Zeiten, da hatten wir Pfingsten über 30 Grad.“ Die junge Frau mit den langen roten Haaren und blasser Haut trägt wasserfestes Make-Up, das den ganzen Tag halte. Besonders betont sind bei ihr die Augen in schwarz mit ein bisschen rot passend zum Schopf. Die Haut ist dezent abgedeckt, aber nicht extra heller geschminkt. „Ich hab schon sehr helle Haut. Da ist es schwer, einen noch helleren Ton zu finden.“ Sie wird Pfingsten eine kurze Hose tragen, dazu löchrige Strumpfhosen, ein luftiges Oberteil und Springer-Stiefel.

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Neuling und alter Hase: Kristina Malchow hat zum ersten Mal Freund Ronny Nitze mit im Schlepptau.

Quelle: Regina Katzer

Im Schlepptau hat sie Freund Ronny Nitze (33), der das erste Mal mit dabei ist. Entsprechend hält er sich mit dem Styling erstmal zurück, trägt kein Make-Up. Die Kleidung bevorzugt er etwas eleganter im mittelalterlichen Stil: weißes Hemd, schwarze Hose, schwarze Weste und dazu „alles mögliche an Gebammel“, sagt er. Seine größte Angst: die vier Tage nicht durchzuhalten. Aber Unterstützung von Freundin Kristina ist garantiert.

Frauke Sievers

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Das komplette WGT-Programm gibt es unter www.wave-gotik-treffen.de

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