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Fünf Jahre Gondwanaland: Eine grüne Oase mitten in der Stadt

Rundgang mit Zoodirektor Jörg Junhold Fünf Jahre Gondwanaland: Eine grüne Oase mitten in der Stadt

Eine Tropenerlebniswelt mitten in der Stadt. Was anfangs wie die Vision eines überambitionierten neuen Zoo-Direktors anmutete, ist seit fünf Jahren Realität. Eine grüne Oase im Großstadtdschungel, eine Heimstatt für Tausende Pflanzen und Hunderte exotische Tiere. Ein Streifzug durch den Regenwald Leipzigs.

Das Gondwanaland im Zoo Leipzig - Eine grüne Oase inmitten der Großstadt.

Quelle: dpa

Junhold, Sie spinnen! – Wolfgang Tiefensee, 1998 gerade zum Oberbürgermeister Leipzigs gewählt, erklärte den Zoo-Direktor für verrückt, als der ihm von seiner Vision erzählte. Ein Zoo der Zukunft mit einer riesigen Tropenwelt. Dazu mit einem Preisschild von 200 Millionen D-Mark.

Doch Jörg Junhold ließ nicht locker. Seine Hartnäckigkeit sollte belohnt werden. Belohnt mit dem größten Neubau der Zoo-Geschichte: Gondwanaland.

„Bezaubernd schön und immer noch beeindruckend“, schwärmt der gebürtige Brandenburger, während er im Boot über den 390 Meter langen Urwaldfluss Gamanil gleitet. Fünf Jahre nach der Pflanzung umhüllt dichtes Grün das Ufer des künstlich angelegten Kanals, dessen Name sich aus denen der größten Flüsse Asiens, Südamerikas und Afrikas – Ganges, Amazonas und Nil – zusammensetzt. 17 000 tropische Pflanzen wurden hier ursprünglich angepflanzt, inzwischen sind es 24 000. Riesige Palmblätter bilden natürliche Dächer über den Köpfen der Besucher. Rote, gelbe und magentafarbene Blüten ziehen die Blicke auf sich. 25 Grad herrschen in der Tropenhalle, Feuchtigkeit spannt sich wie ein Gewand über die Haut. Regen prasselt an diesem Tag auf das Dach aus Folie, die Geräuschkulisse erinnert an einen Wasserfall. Es weht kein Lüftchen. Und doch rascheln hier und da Blätter. Ursprung sind Vögel und Affen. Das hier ist ihr Reich. Ihr Lebensraum, in dem sie sich zeigen, wann sie es wollen. „Wenn sich die Tiere zurückziehen möchten, ist das okay“, sagt Junhold. Die Zeiten kleiner Käfige, in denen Tiere einer einzigen Art apathisch ihre Runden drehten, sind längst vorbei in Leipzig. Das merken Besucher spätestens jetzt. „Wir vermitteln hier ein authentisches Gefühl von Regenwald.“

Dazu gehört auch, dass Zeit mitbringen muss, wer Exoten erspähen möchte. „Dafür gab es von manchen Besuchern Kritik“, sagt der 52-Jährige, „aber wir haben hier schon eine hohe Tierdichte auf engem Raum. Man muss einfach warten. Im echten Regenwald gibt es noch weniger zu sehen.“ Und er muss es wissen, er war dort. Die Hängebrücken, die einen einmaligen Blick durch die Halle ermöglichen, entstammen seiner Erinnerung an Costa Rica. Als er von seiner Reise dorthin erzählt, verschwimmt sein Blick, driftet davon, als ob sich das lateinamerikanische Land vor seinem inneren Auge neu entfaltet.

Das Boot biegt in einen Tunnel ein, in dem multimedial die Entstehung des Urkontinents Gondwana inszeniert wird. „Der Tunnel ist eine Eigenkreation, die es so auf der Welt nirgends sonst zu sehen gibt“, sagt Junhold stolz. Das Gondwanaland ist ein Meilenstein für den Zoo und für den Direktor. Viel Überzeugungsarbeit, Zeit, Schweiß und Nerven haben er und seine Mitstreiter investiert. Sie haben Pleiten beteiligter Firmen überstanden ebenso wie den Fund eines Massengrabes aus der Völkerschlacht-Zeit mit anschließender Bauverzögerung. Kein Wunder, dass Junhold sich auch fünf Jahre nach der Eröffnung noch begeistern kann, ist die Tropenhalle doch irgendwie sein Baby. Seine Vision, die Wirklichkeit wurde.

Gleich mehrere Tiere besucht er besonders gern: den Riesenotter, die Weißkopfsakis und die Tapire. „Vor allem die Tapire erinnern mich stark an urzeitliche Tiere. Sie sind sozial und gesellig, können aber auch ordentlich Lärm machen.“ Die Schabrackentapire hatten dem Zoo bereits vier Wochen vor dem fünften Geburtstag Gondwanalands am 1. Juli das größte Geschenk gemacht: ein Junges, das auf den Namen Ketiga („der Dritte“) getauft wurde. An diesem Morgen lässt es sich nicht blicken, ist sonst aber ohne Scheu und badet gerne im Gamanil. Im Jahr 2013 begann die erfolgreiche Zucht der laut Roter Liste stark gefährdeten Schabrackentapire in Leipzig.

Und hier kommt Junhold auf eine der Hauptaufgaben eines Zoos zu sprechen: Artenschutz. An zahlreichen Zuchtprogrammen beteiligt sich der Zoo Leipzig – auch international. So werden beispielsweise Projekte für Languren in Vietnam, Nasenfrösche in Chile, Sumatra-Nashörner in Borneo und Schimpansen in Westafrika aktiv unterstützt. Die Gesellschaft müsse den Naturschutz noch stärker vorantreiben, findet Junhold. „Wir sind in Deutschland schon ganz gut dabei, müssen unsere Anstrengungen aber weiter verstärken. Wir sehen uns als Zoo als Baustein, der aufklären und ein hautnahes Tiererlebnis bieten kann. Gleichzeitig wollen wir auch sensibilisieren und appellieren, damit unsere Kinder und Enkelkinder noch etwas davon haben.“

Und hier setzt die zweite Hauptaufgabe des Zoos an: Bildung. Rund 12 000 Grundschüler besuchen jährlich die Zooschule, es werden Arbeitsgruppen für Kinder und Erwachsene angeboten sowie interaktive Bildungsangebote eingerichtet. Junhold referiert im Rahmen der Kinder-Uni, 4000 Führungen werden jährlich durchgeführt. Kurzum: Auf allen Ebenen, für alle Altersklassen wird etwas angeboten, das Freizeit, Bildung und Artenschutz vereint. „Bei dem Angebot muss man sehr ignorant sein, wenn man nichts mitnimmt“, findet der Zoo-Direktor. Er brennt für seinen Job, ist mit Haut, Haar und Herzblut dabei. Das Ergebnis ist etwa mit Gondwanaland ein Projekt, das Skeptikern den Wind aus den Segeln genommen hat. Ein Bau der Superlative. Eine dynamische Eigenwelt, die ihrem Erdenker noch heute die Augen glänzen lässt. „Es ist jedes Mal wieder ein tolles Gefühl, hier zu sein.“ Er lässt seinen Blick schweifen. „Ich bin stolz und glücklich, die Chance gehabt zu haben, so etwas zu kreieren, so eine verrückte Idee umzusetzen, die funktioniert.“

Patricia Liebling

Infos: Gondwanaland

  • Das Gondwanaland umfasst eine Fläche von 17 000 Quadratmetern.
  • Rund 140 Tierarten leben in der Tropenhalle. Anfangs waren es 40.
  • Aus den anfänglichen 17 000 Pflanzen sind 24 000 geworden.
  • Knapp 67 Millionen Euro sind in das Projekt geflossen – 32,3 Millionen Euro vom Freistaat, 11,5 Millionen Euro von der Stadt, 23 Millionen Euro vom Zoo selbst.
  • Der erste Spatenstich erfolgte am 28. November 2007. Eröffnet wurde die Tropenerlebniswelt am 1. Juli 2011.
  • Der Name leitet sich ab von dem urzeitlichen Großkontinent, der vor 600 Millionen Jahren entstand und vor 150 Millionen Jahren in die Brüche ging. Er umfasste die damals zusammenhängenden Kontinente Südamerika, Afrika, Antarktika, Australien, Madagaskar und Indien.

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