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Hängepartie beim Leipziger Fanprojekt: Grüne werfen SFV-Präsident fehlende Sachkenntnis vor

Hängepartie beim Leipziger Fanprojekt: Grüne werfen SFV-Präsident fehlende Sachkenntnis vor

Der Streit um die Trägerschaft beim Leipziger Fußballfanprojekt entwickelt sich zu einem politischen Schlagabtausch. Nachdem der Präsident des Sächsischen Fußballverbandes (SFV), Klaus Reichenbach, am Montag den von Stadtverwaltung und DFB-Experten angeregten Trägerwechsel beim Projekt scharf kritisiert hatte und damit Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) beipflichtete, sprachen sich Leipzigs Grüne nun demonstrativ für einen Wechsel aus und stellten Reichenbachs Kompetenz in Frage.

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Graffito an einer früheren Fanprojekt-Aussenstelle in der Gießerstraße.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Die Leipziger Stadtverwaltung hat sich mit sehr guten Gründen aus der Finanzierung des bisherigen Projektträgers zurückgezogen“, ließ Grünen-Stadtrat Michael Schmidt am Dienstag mitteilen. Im Gutachten der vom DFB beauftragten Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) zum Konzept des bisherigen Trägers, der Leipziger Sportjugend, sei deutlich geworden, dass diese keinesfalls gute Arbeit geleistet habe. Die DFB-Experten mahnten hier insbesondere im „zentralen Themenfeld der Arbeit gegen rechtsextremistische Einstellungsmuster“ Defizite an, erklärte Schmidt.

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Ultras des 1. FC Lokomotive nach dem Trauermarsch im Mai 2011. (Archivfoto)

Quelle: Christian Nitsche

Bis 2008 soll das Fanprojekt unter Leitung der Sportjugend ein Treffpunkt der Leipziger Neonazi-Szene gewesen sein. Später habe sich der Träger nicht ausreichend davon distanziert, hieß es im Gutachten der DFB-Koordinierungsstelle. „Zuletzt sorgte das Fanprojekt gar für Aufsehen, als es einen Trauermarsch der rechtsextremistischen Lok-Fangruppierung Blue Caps organisierte und beim Verein selbst die Aufhebung des Stadionverbotes für diese Gruppierung erreichte“, ergänzte Stadtrat Michael Schmidt am Dienstag.

Mit seiner ablehnenden Haltung stelle sich SFV-Präsident nun nicht nur gegen die Meinung des DFB. „Reichenbach lässt jegliche Sachkenntnis und Verantwortung gegenüber dem Leipziger Fußball vermissen“, sagte Michael Schmidt. Auch seine These, Leipzigs Fanszene sei heute kein Brennpunkt mehr, will der Grünenpolitiker nicht teilen. „Vielmehr ist es doch fragwürdig, wie jemand mit so wenig Sachkenntnis Präsident des Sächsischen Fußballverbandes sein kann“, echauffierte sich der Stadtrat.

Laut Michael Schmidt trage nicht die Kommune, sondern der Freistaat Schuld an der aktuellen Hängepartie beim Leipziger Fanprojekt: „Statt sich endlich von der Sportjugend und seinem Leiter Udo Ueberschär zu distanzieren und dem neuen potentiellen und keineswegs unerfahrenen Projektträger Outlaw die Finanzierung zuzusichern, spielt Minister Ulbig auf Zeit und damit ein gefährliches Spiel.“

Anfang des Jahres hatte der Jugendhilfe-Ausschuss der Stadt Leipzig den Trägerwechsel bei der Anlaufstelle für die bisweilen problembehafteten Fußballszenen beschlossen und dabei Unterstützung von den DFB-Experten bekommen, dem zweiten Geldgeber des Fanprojekts. Die Kommune schrieb die Trägerschaft neu aus und letztendlich erhielt die Outlaw gGmbH mit Erfahrungen im Fanprojekt-Metier bei Preußen Münster den Zuschlag. Kurz vor Inkrafttreten des Beschlusses im Juli 2011 stärkte das Sächsische Innenministerium, der dritte Financier, dem geschassten bisherigen Träger demonstrativ den Rücken drohte mit Entzug der Fördermittel. Seitdem liegen die Geschäfte des Fanprojekts auf Eis.

Matthias Puppe

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