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Lok-Coach Scholz vor dem Derby gegen RB Leipzig: "Für uns müsste alles passen"

Lok-Coach Scholz vor dem Derby gegen RB Leipzig: "Für uns müsste alles passen"

Heiko Scholz (47) feiert am Samstag sein Comeback in Leipzig als Trainer des 1. FC Lok im Landespokal gegen den Ortsrivalen RB Leipzig. Vor 23 Jahren hatte er den Klub als Profi in Richtung Dynamo Dresden verlassen.

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Der neue Trainer Heiko Scholz vor dem Foto aus dem Traditionsspiel zwischen dem 1. FC Lok und Girondins Bordeaux vom 8. Juni 1997. Scholz (ganz links) kämpfte vor 16 Jahren gegen Gernot Rohr und mit Hans Richter (r.)

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Nach missglücktem Saisonstart wurde der ehemalige Nationalspieler am Montag verpflichtet, um die Probstheidaer vor dem Abstieg aus der Regionalliga zu retten.

LVZ:

Sie lassen in NRW, Frau, Kinder und Enkel zurück, um beim Regionalliga-Schlusslicht zu arbeiten. Gibt es Familienstreit?

Heiko Scholz:

Nein. Wir haben im Sommer Silberhochzeit gefeiert, alles ist gut. Aber ich wollte wieder als Trainer arbeiten. Allerdings wäre ich bis auf Lok zu keinem Regionalliga-Letzten gegangen. Doch ich habe gespürt, dass es die Verantwortlichen ehrlich meinen, um diesen Klub wirtschaftlich und sportlich zu retten. Und sie wollten mich. Deshalb habe ich zugesagt.

Für gutes Geld?

Das Gehalt entspricht unterstem Niveau der Regionalliga West. Es ist auch ein Freundschaftsdienst von mir. Der Vorstand war ehrlich, hat mir gesagt, dass Lok mich nicht bezahlen kann. Da bin ich aktiv geworden und habe die Kontakte zum Sponsor ETL hergestellt, denn diese Steuerberatung ist auch in der Region Leipzig ansässig.

Wie war das Gefühl, wieder auf dem Rasen des Plache-Stadions zu stehen?

Erst mal war ich geschockt, wie es aussah. Da hat sich ja nichts verändert in der langen Zeit meiner Abwesenheit. Das Stadion ist in einem Zustand, der für einen Verein wie dem 1. FC Lok unwürdig ist. Mir standen die Tränen in den Augen. Wir müssen als Mannschaft noch mehr Fans anziehen als zuletzt. Auch diejenigen, die zuletzt gezögert haben zu kommen.

Wenn RB Leipzig künftig in höheren Spielklassen spielt, lockt der übermächtige Ortsrivale noch mehr Zuschauer an als bisher...

Ich denke, dass es eine Nische gibt. Leipzig kann mit Sicherheit noch einen Verein vertragen, der in der dritten Liga vor regelmäßig 10.000 bis 15.000 Zuschauer spielen kann. RB lebt schließlich nicht von Leipziger Sponsoren. So ein schmuckes kleines Stadion wie das neue in Halle wäre schön für uns.

Lok ist Letzter, warum kann die gleiche Mannschaft, die bisher meist verloren hat, mit Ihnen plötzlich das Feld von hinten aufrollen?

Ich kann aus den Lok-Spielern keine Bundesliga-Akteure machen. Meine Aufgabe ist es, die Jungs zu entwickeln. Mir muss es zumindest gelingen, dass sie in unseren Punktspielen ihre Leistungsgrenze erreichen.

Sie haben Viktoria Köln erfolgreich in der Regionalliga West betreut. Doch da hatten Sie Profis unter Ihren Fittichen, bei Lok sind es bis auf einige Ausnahmen Amateure.

Stimmt. Da muss ich Abstriche ­machen. Wir haben auch einige Studenten in der Mannschaft. Wir wollen deshalb ab nächste Woche zwei ­Trainingseinheiten vormittags absolvieren. Ich werde sehen, wie es läuft. Ich muss das Training so ein­takten, dass alle Spieler fit genug sind, damit wir den Klassenerhalt schaffen.

Wird Lok die Klasse halten?

Wir müssen dafür zwei Mannschaften hinter uns lassen. Die Chancen sind da. Ich bin auch deshalb optimistisch, weil ich sehe, wie die Jungs im Training mitziehen, alle geben Gas. Doch zur Euphorie besteht kein Grund. Es gibt auch einige junge Spieler, die noch ein, zwei Jahre brauchen, um das Niveau für die Regionalliga zu haben.

Wie lautet Ihr Fahrplan zum Klassenerhalt?

Bis zur Winterpause haben wir nur Endspiele vor uns, in denen wir punkten müssen. Dabei muss ich die Mannschaft kennenlernen. Für die Vorbereitung der Rückrunde brauchen wir bessere Bedingungen. Wir müssen eine Möglichkeit suchen, um auf einem Kunstrasenplatz trainieren zu können. Und ich bin ganz sicher: Wir finden eine Lösung. In der Winterpause können wir dann auch mögliche Defizite abbauen.

Behindert das Spiel im Landespokal gegen RB die Konzentration im Abstiegskampf?

Die Regionalliga hat ganz klar den Vorrang. Auf das Pokalspiel gegen RB freue ich mich und gehe es entspannt an. Wir sind klarer Außenseiter, haben nichts zu verlieren. Meine Jungs sind heiß, sind viel gerannt im Training. Die meisten von ihnen haben bestimmt noch nicht vor so vielen Zuschauern gespielt. Ich werde ihnen sagen, dass sie sich keinen Kopf machen sollen, sondern nur ihr Bestes geben. Wir gehen auch kein Risiko mit Torwart Steven Braunsdorf ein, der sich an der Schulter verletzt hat. Das gilt auch für den kränkelnden Patrick Grandner.

Leipziger Ortsderbys waren oft mit Ausschreitungen verbunden...

Das heutige Spiel ist nicht mit den früheren Duellen zwischen Lok und Chemie zu vergleichen. Außerdem: Ich bin ja erst vier Tage hier, weiß gar nicht, was abgeht im Stadion.

Wie denken Sie über RB?

Der Klub wird es packen und irgendwann in der Bundesliga spielen. Aber er muss erst mal solch eine Tradition aufbauen, wie wir sie als 1. FC Lok schon besitzen. Heute allerdings, wenn Tradition gegen Geld, und Drittliga-Spitzenteam gegen Regionalliga-Letzten spielt, haben wir einen gefühlten Klassenunterschied von zwei Ligen. Für uns müsste alles passen, um weiter zu kommen: Eine klasse Leistung, Glück und dass uns RB vielleicht unterschätzt. Mal sehen, was passiert.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.10.2013

Interview: Winfried Wächter/Norbert Töpfer

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