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Lok-Fans im Visier des Verfassungsschutzes – Stadt Leipzig hat darüber keine Kenntnis

Lok-Fans im Visier des Verfassungsschutzes – Stadt Leipzig hat darüber keine Kenntnis

Der sächsische Verfassungsschutz beobachtet Fangruppen des Fußball-Regionalligisten Lok Leipzig – ohne dass die Stadt Leipzig darüber informiert ist. Wie ein Behördensprecher aus Dresden erklärte, würden die beiden Gruppierungen „Blue Caps LE“ und „Scenario Lok“ als rechtsextremistisch eingestuft und stünden deshalb im Visier der Beamten.

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Fans des Fußball-Regionalligisten 1. FC Lok Leipzig vor dem Spiel gegen Rasenballsport Leipzig im Sommer 2012. (Archivfoto)

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Die Stadtverwaltung antwortete jetzt auf eine Anfrage von Linken-Stadträtin Juliane Nagel an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), keine Kenntnis davon zu haben. Die Kommune sieht deshalb auch keinerlei Handlungsbedarf.

Innenminister Markus Ulbig (CDU) hatte jüngst bereits in einem Zeitungsbericht erklärt, dass die „Blue Caps LE“ und „Scenario Lok“ aufgrund rechtsextremistischer Tendenzen in den Fokus des Verfassungsschutz geraten seien. Anlass für Nagel, bei der Rathausspitze diesbezüglich nachzuhaken. „Ich finde es schon etwas eigenartig, dass man darüber bei der Stadtverwaltung nichts weiß“, erklärte die Stadträtin gegenüber LVZ-Online.

Scenario-Shirts und der Überfall am NPD-Zentrum in Lindenau

Insidern sei schon lange bekannt, dass Scenario-Mitglieder zum Umfeld der NPD gehören, so Nagel weiter. Die Linken-Stadträtin verwies in diesem Zusammenhang auch auf einen Überfall von Rechtsextremen auf das Sommerfest der Galerie D21 in Leipzig-Lindenau im August dieses Jahres. Unter den 20 Angreifern sollen auch Mitglieder von „Scenario Lok“ gewesen sein, die zuvor aus dem NPD-Zentrum in der Odermannstraße kamen.

Verfassungsschutz-Sprecher Alrik Bauer bestätigte dies auf Anfrage von LVZ-Online. Nach Informationen der Behörde werde das „rechtsextremistische Treffobjekt“ in der Odermannstraße auch von „Scenario Lok“ genutzt. Teilnehmer einer dort durchgeführten Veranstaltung seien auch an den Übergriffen am 19. August beteiligt gewesen, bei denen mehrere Polizisten verletzt wurden. Laut Bauer trugen sie T-Shirts mit den Aufdrucken ‚Lokisten’ sowie ‚Scenario Lok’. „Sie sollen dabei Rufe wie ‚Sieg Heil’ und ‚Solidarität mit NSU’ skandiert haben“, heißt es aus Dresden.

Die „Blue Caps LE“ hätten das NPD-Zentrum in der Odermannstraße in der Vergangenheit als ihren Sitz genutzt, so der Verfassungsschutz-Sprecher. Mitglieder der Fangruppe hätten sich an verschiedenen rechtsextremistischen Veranstaltungen beteiligt – ebenso wie an einer Geburtstagsparty am 20. Dezember 2008, an deren Rand es zu einer Auseinandersetzung mit der Polizei kam. Um die „Blue Caps“ ist es jedoch seit einiger Zeit ruhig geworden. Aktuell seien von der Gruppierung „keine öffentlichkeitswirksamen Aktionen mehr bekannt“, berichtet Bauer.

Verein will rechtsextreme Fans aus dem Stadion verbannen

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Laut Lok-Sicherheitschef Steffen Kubald hat der Klub derzeit keine Handhabe, gegen einzelne Mitglieder von „Scenario“ vorzugehen.

Quelle: Norman Rembarz

Lok-Sicherheitschef Steffen Kubald distanzierte sich im Gespräch mit LVZ-Online von den rechtsextremen Tendenzen in Teilen der Anhängerschaft. „Wenn wir wissen, dass jemand in der rechten Szene aktiv ist und sich offen als Lok-Fan zu erkennen gibt, ziehen wir Konsequenzen“, versicherte er und nannte Stadionverbote und Ausschluss aus dem Verein als mögliche Sanktionen. Derzeit habe der Klub jedoch keine Handhabe, gegen einzelne Mitglieder von „Scenario“ vorzugehen, argumentierte er.

„Nur wenn wir Namen, Adressen und Beweise vorliegen haben, können wir handeln“, betonte Kubald. „Wir werden aber sicher keine ganze Fangruppe in Sippenhaft nehmen.“ Vor etwa zwei Wochen habe mit Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz, der seit Ende November das neue Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus in Sachsen leitet, sowie dem Lok-Präsidium ein Sicherheitsgipfel genau zu diesem Thema stattgefunden, berichtete Kubald. Im Ergebnis sei man zum selben Schluss gekommen.

Laut Erklärung der Stadtverwaltung bestehen enge Kontakte zu den Verantwortlichen von Lok Leipzig. In den Gesprächen würden auch aktuelle Vorkommnisse und Berichterstattungen thematisiert. Die jüngsten Übergriffe hätten jedoch „unabhängig von oder im Umfeld von Fußballspielen, nicht aber in Stadien“ stattgefunden, so die Stadtverwaltung. Zudem habe der Verein explizit versichert, dass die Sympathie der Fangruppen für den 1. FC Lokomotive nicht auf Gegenseitigkeit beruhe. Bereits 2009 hatte der Klub gegen Mitglieder der Gruppe „Blue Caps LE" ein Stadionverbot ausgesprochen, das Tragen ihrer Fanutensilien auf den Rängen ist ebenfalls untersagt.

Verfassungsschutz zieht Vergleich zu „rechtsextremistischer Kameradschaft“

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Das NPD-Zentrum in der Odermannstraße: Laut Verfassungsschutz wird das rechtsextremistische Treffobjekt auch von „Scenario Lok" genutzt.

Quelle: Regina Katzer

Nicht zuletzt wies die Kommune darauf hin, dass Präventionsarbeit gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung vor allem vom Fußballfanprojekt der Stadt und der Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention im Zentrum für demokratische Bildung geleistet wird. Allerdings räumte das zuständige Dezernat auch ein, dass „insbesondere die Fanszene des 1. FC Lok Leipzig“ bisher kaum mit dem vor einem Jahr neu aufgestellten Fanprojekt zusammenarbeiten will. Kubald bestätigte die ablehnende Haltung innerhalb der Anhängerschaft, begründen wollte er sie nicht.

Wie der sächsische Verfassungschutz mitteilte, wird die Kommune in regelmäßigen Abständen über die Aktivität des Nachrichtendienstes informiert. „Über unsere Erkenntnisse stehen wir mit zuständigen Stellen in Kontakt“, erklärte Bauer. Ein Austausch finde zwar vor allem mit der Polizei statt, werde aber auch in entsprechenden Medien publiziert. So findet sich in der Broschüre „Jugend im Fokus von Rechtsextremisten“ aus dem Jahr 2010 bereits ein Abschnitt zu den „Blue Caps LE“. Die Fangruppe wird dort mit einer „rechtsextremistischen Kameradschaft“ verglichen. Sie versuche, unter den Fußballanhängern „gezielt neue Sympathisanten und Mitglieder zu rekrutieren“, heißt es in dem Bericht. Die Gruppe "Scenario" war bisher nicht Teil des jährlichen Berichtes des Nachrichtendienstes. Die Veröffentlichnung der Informationen für 2012 steht indes noch aus.

Eines stellte Bauer in Bezug auf die Leipziger Fußballszene klar: Überwacht würden lediglich „einzelne extremistische Gruppen“, sagte er gegenüber LVZ-Online. „Die Szene als solche unterliegt nicht der Beobachtung durch das Landesamt für Verfassungsschutz.“

mpu / nöß

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