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Lok-Präsident Michael Notzon erklärt seinen Rücktritt

Lok-Präsident Michael Notzon erklärt seinen Rücktritt

Im LVZ-Interview erklärte Lok-Präsident Michael Notzon am Montag seinen Rücktritt. Der 55-Jährige sprach über seine Beweggründe, die Ursachen für die finanzielle Schieflage und Versäumnisse.

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Redaktions-Besuch: Michael Notzon im Gespräch mit Sportredakteur Steffen Enigk.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Und er glaubt, dass der neue Vorstand den Verein über eine Insolvenz sanieren will. "Aber mein Weg ist das nicht."

Frage: Was hat Sie zum Rücktritt bewogen?

Michael Notzon: Ich bin mit dem Ziel angetreten, Lok mittelfristig in die 3. Profiliga zu führen. Das halte ich nicht mehr für möglich. Die Umstände haben sich geändert. Es ist nicht gelungen, große Sponsoren dauerhaft zu binden. In Liga elf hatte Lok im Schnitt 3300 Zuschauer. Neun Jahre später und sieben Spielklassen höher sind es weniger geworden - auch wegen RB.

Ihr Abschied wurde schon lange gefordert, warum folgen Sie erst jetzt Ihren Kollegen des alten Präsidiums?

Als Goldgas-Chef schloss ich 2010 einen dreijährigen Sponsorvertrag mit Lok über 500000 Euro. Geflossen sind durch mein Engagement insgesamt sogar 800000 Euro. Im Februar 2011 ließ ich mich zum Ehrenamt überreden, das zuletzt zur persönlichen Belastung wurde. Ich wollte die Verantwortung bei Neuwahlen an die Mitglieder zurückgeben. Durch die Absage der ­Außerordentlichen Versammlung am 13. April blieb mir das verwehrt. Ich glaube nicht, dass es noch eine Versammlung geben wird, bin überzeugt, dass die vier kooptierten Vorstände den Weg zur Sanierung über eine Insolvenz gehen wollen. Mein Weg ist das nicht.

Weshalb glauben Sie nicht mehr an die "reguläre" Rettung des 1. FC Lok?

Bis 30. Juni müsste zusätzliche Liquididät von 280000 Euro her. Dazu kommen ausstehenden Sponsorenzahlungen von 40000 Euro, die wohl nicht mehr fließen (Stefan Lindner - d. Red.). Die kalkulierten 2800 Zuschauer wurden zuletzt mehrfach nicht erreicht, neue Sponsoren bisher nicht präsentiert. Die Chance ist sehr gering, so schnell so viel Geld aufzutreiben.

Haben Sie selbst genug getan?

Wir haben mit zwei potenziellen Trikotsponsoren und einem Sportvermarkter verhandelt. Unser Sanierungsplan mit dem Gehaltsverzicht hätte greifen können. Doch auch die Spendenbereitschaft wurde im März durch die damalige Opposition, die jetzt im Vorstand sitzt, abgewürgt, weil es angeblich mit dem alten Präsidium nicht mehr ging. Statt über die Sache wurde nur noch über Personen debattiert, das schreckt Geldgeber ab. Wir sahen als letzte Chance eine Umlage. Die Mitglieder hätten am 13. April Gelegenheit erhalten müssen, darüber abzustimmen und somit über die Zukunft des Vereins. Dies hat der Vorstand bewusst verhindert.

Wie geriet Lok in Schieflage, was hat sich Michael Notzon vorzuwerfen?

Ich habe Fehler gemacht, strukturelle Probleme unterschätzt - den Verein so aufzustellen, dass er sich trägt. Im Februar 2012 verkaufte ich meine Goldgas-Anteile, hatte dort keinen Einfluss mehr. Bereits Mitte der Oberliga-Saison wurden wir mit einer Liquiditäts-Lücke von 110000 Euro konfrontiert. In dieser Situation wollte ich nicht weglaufen.

Und es gab Schwierigkeiten bei der Budgetplanung für die Regionalliga.

Unseren ersten Ansatz, von Jens Kesseler eingebracht, mussten wir verwerfen - 2,5 Millionen Euro Ausgaben, 1,3 Einnahmen. Außerdem drängte der damalige Trainer Willi Kronhardt, wollte unrealistische 880000 Euro allein für seinen Stab und das Team. Ich konnte das nicht zusagen, er trat zurück, wir standen ohne Coach und fast ohne Spieler da, mussten deshalb zuerst den sportlichen Etat beschließen - 200000 Euro mehr als in der Oberliga. Das Gesamtbudget setzten wir später mit 1,8 Millionen Euro an.

Obwohl Sie wussten, dass Goldgas 200000 Euro weniger überweist? So gingen Sie schon mit einem Fehlbetrag von 400000 Euro in die jetzige Saison.

Es stand die Frage: Aufgeben oder Flucht nach vorn. Nach der Aufstiegs-Euphorie waren unsere Erwartungen auf mehr Einnahmen in einer attraktiveren Liga mit attraktiveren Gegnern durchaus begründet. Wir hofften, dass über Zuschauer und Sponsoren jeweils 200000 Euro mehr kommen. Beides ist nicht eingetreten. Ein Grund waren die ständigen Kämpfe im Verein. Lok ist schwer zu leiten, Führungsfiguren werden oft von der Basis angefeindet und beschimpft. Das war schon bei Katrin Pahlhorn, Steffen Kubald und Dirk Majetschak so. Lok als Verein von Fans für Fans - das klingt romantisch, funktioniert aber in der Regionalliga nicht.

Bleiben Sie im Leipziger Sport?

Lok will keinen Frauenfußball mehr. Ich fühle mich in der Verantwortung, habe den FFV Leipzig (Frauenfußballverein - d. Red.) mit gegründet. Bernd Wickfelder und ich werden im fünfköpfigen Präsidium helfen. Ich empfände es aber als unanständig gegenüber den Sportlerinnen, wenn Lok Geld für das Zweitliga-Spielrecht verlangen sollte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.04.2013

Steffen Enigk

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