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Notzon bleibt Lok-Präsident - Insolvenzgefahr dramatisch gewachsen

Notzon bleibt Lok-Präsident - Insolvenzgefahr dramatisch gewachsen

Michael Notzon bleibt Präsident des 1. FC Lok. Sein erwarteter Rücktritt blieb am Dienstag aus. Er will die Absage der Außerordentlichen Mitgliederversammlung rückgängig machen.

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Michael Notzon bleibt vorerst Präsident des 1. FC Lok.

Quelle: Christian Nitzsche

Über den Antrag des alten Präsidiums auf eine Mitglieder-Umlage in Höhe von 180 Euro müsse am Sonnabend abgestimmt werden, um den Verein zu retten.

Das Lok-Team empfängt am Mittwoch (18.30 Uhr, Plache-Stadion) den Berliner AK zum Nachholspiel, will mit einem erneuten Sieg die Bemühungen des neuen Vorstands unterstützen. Der hofft auf hohe Zuschauereinnahmen - und präsentierte am Dienstag weitere Ideen zur Rettung.

René Adler folgte jetzt dem Beispiel der früheren Probstheidaer Fußball-Größen Jürgen Rische, Clemens Fritz und Nicky Adler. Der Nationalkeeper signierte drei Retter-Trikots, ließ zudem ausrichten, er habe sich sehr über den 1:0-Erfolg am Sonntag bei Union II gefreut und drücke seinem alten Verein in jeder Hinsicht die Daumen.

"Wir haben Mut und Selbstvertrauen gewonnen", meinte Trainer Marco Rose zum ersten Regionalliga-Auswärtssieg: "Wenn wir so auftreten wie bei Union, sind wir nur schwer zu schlagen. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch gegen den BAK punkten." Die Unterstützung der Fans ist heute und beim Sonnabend-Heimspiel gegen Neustrelitz finanziell überlebenswichtig. Die Kasse muss klingeln, damit nächste Woche die Gehälter zumindest teilweise gezahlt werden können. "Die Spieler werden auf jeden Fall einen Abschlag erhalten", erklärte der designierte Lok-Chef Jens Kesseler, der am Montagabend auf der Premieren-Sitzung des neuen Vorstands vorerst zum Schatzmeister bestimmt wurde.

Beschlossen wurde zudem, die für Sonnabend angesetzte Außerordentliche Mitgliederversammlung (AOMV) wieder abzusagen. Sie sei unnötig geworden, der Machtwechsel bereits vollzogen, Lok würde zudem mehrere Tausend Euro Organisationskosten sparen.

Noch-Präsident Michael Notzon, der am Montag ferngeblieben war und die Frage nach einem Rücktritts-Zeitpunkt gegenüber der LVZ mit "kein Kommentar" beantwortete, drängt auf Durchführung der AOMV, will alle Hebel in Bewegung setzen. "Die Insolvenzgefahr ist dramatisch gewachsen, der Verein braucht kurzfristig sechsstellige Einnahmen", sagte Notzon, "die sind nur noch über eine Umlage von 180 Euro pro Mitglied möglich. Die Mitglieder müssen sofort Gelegenheit erhalten, über diesen Antrag des alten Präsidiums abzustimmen."

Lok würde so theoretisch 270000 Euro einnehmen. Bei einem positiven Votum könnte über Einzugsermächtigungen schon am Montag Geld fließen. Notzon verwies darauf, dass monatlich 77000 Euro Gehaltskosten auflaufen und im Mai 78000 Euro für die Berufsgenossenschaft zwingend fällig sind.

Auch der neue Vorstand setzt auf eine Umlage, will den Mitgliedern aber nur "sozialverträglichere" 100 Euro abverlangen und ihre Zustimmung auf schriftlichem Weg einholen. "Wir hoffen auf Verständnis der Mitglieder, das Geld würde uns etwas Zeit verschaffen", sagte Kesseler. Hintergrund: Weist das Präsidium nicht binnen drei Wochen Einnahmen aus, könnte es wegen Insolvenzverschleppung vor dem Kadi landen.

Kesseler fuhr nach dem gestrigen Pressefrühstück zu einer Anwaltskanzlei, holte sich Rechtsbeistand für die Gläubigergespräche. Auch Termine bei Sponsoren und Sportvermarktern sind vereinbart. Zwei große Geldgeber stehen angeblich bereit, zudem hätten überregionale Unternehmen Interesse signalisiert.

Kesseler sprach von "einem Klima der Innovationen und des Aufbruchs". Zeitnah werde ein Benefizspiel gegen einen namhaften Gegner stattfinden, geplant seien ein Benefizkonzert und eine Blutspende-Aktion nach dem Vorbild von Dynamo Dresden. Titel: "Bluten für Lok." Aus dem Ost-Fußball komme eine Welle der Solidarität nach dem Motto "Getrennt in den Farben, vereint in der Sache". Zwickau habe Hilfe angeboten, ein 50-jähriger Dynamo-Anhänger für 150 Euro einen Platz auf dem Lok-Trikot erworben und Retter-Shirts gekauft.

Die Probstheidaer Fans sollen nicht den Eindruck erhalten, ständig nur gemolken zu werden, sondern in Arbeitsgruppen des Präsidiums mitwirken, monatlich bei Fan-Foren informiert und durch einen neuen Fan-Beauftragten betreut werden. Der scheidende Steffen Kubald arbeite derzeit den frisch in den Vorstand kooptierten Martin Mieth als Chef für Spielorganisation ein, ein Polizist habe sich als Sicherheits-Beauftragter beworben. Die Stelle des hauptamtlichen Geschäftsführers werde ausgeschrieben, auch die Betreibung des Club-Casinos.

Falls sich kein potenter neuer Hauptsponsor findet, könnte das Trikotsponsoring auch verlost werden. Der Plan: 100 Unternehmen zahlen je 1966 Euro (Lok-Gründungsjahr), unter notarieller Aufsicht wird der Gewinner ermittelt.

Lok kämpft derzeit an allen Fronten. Doch ohne schnelle Erfolge, heißt gewaltige Mittelzuflüsse, bleibt wohl nur der bittere Gang zum Amtsgericht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.04.2013

Steffen Enigk

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