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Alfred-Kunze-Sportpark in Leutzsch erhält Ehrentafel für Georg Schwarz zurück

Alfred-Kunze-Sportpark in Leutzsch erhält Ehrentafel für Georg Schwarz zurück

Zwischen 1949 und 1992 hieß das Sportareal in Leutzsch Georg-Schwarz-Sportpark. Und seit 1966 erinnerte in der Heimstatt von BSG Chemie und FC Sachsen auch eine Gedenktafel an jenen sächsischen Landtagsabgeordneten und antifaschistischen Widerstandskämpfer.

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Im Wald entsorgt: Die Gedenktafel für Georg Schwarz wurde von einem Leutzscher Wirt gerettet und nun instand gesetzt.

Quelle: Richard Gauch

Vor zehn Jahren wurde sie jedoch zerstört. "Wir haben sie instand setzen lassen, werden sie am 14. April, vorm Heimspiel gegen RB Leipzig II, feierlich im Haupteingangsbereich des Sportparks enthüllen", erklärt Fuchs.

Eine Aktie daran hätten nicht wenige Mitbürger, erklärt er. "Zunächst einmal war es der Fußballfan und Inhaber der Leutzscher Bierstube Hans-Joachim Wenning, der die Überreste der kaputten Tafel im Leutzscher Holz fand, aufsammelte und so weit wie möglich auf einem öffentlich zugänglichen Teil seines Geländes aufgestellt und gepflegt hatte", so Fuchs.

Dann war es die Leipziger Gruppe Gedenkmarsch und namentlich ihr Projektleiter Richard Gauch, die sich das Erinnern an alle Opfer des Nationalsozialismus auf die Fahne geschrieben haben und nun auch gern Georg Schwarz wieder etwas mehr ins öffentliche Licht rücken wollten. Gauch informierte den BSG-Vorstand von der in Wennings Obhut befindlichen Tafel: "Wir plädieren dafür, den Rest der originalen Gedenktafel in einen Rahmen zu setzen, mit weißem Beton fachgerecht auszugießen und sie so wieder im Sportpark anzubringen. So würden die Bruchstellen und damit der ignorante Umgang mit dem antifaschistischen Erbe des Sportparks sichtbar bleiben", schrieben er und Stadträtin Juliane Nagel (Die Linke) an die BSG. "Uns - die BSG Chemie und die Gruppe Gedenkmarsch - verbindet nicht zuletzt der Anspruch, dass das Gedenken an die, die ihr Leben gegen den Nationalsozialismus eingesetzt haben, wie es Georg Schwarz tat, nie vergessen werden darf", so Gauch.

Fuchs hatte daraufhin gemeint, die BSG Chemie Leipzig werde mit Hilfe von Fans und Sponsoren die Sache mit der Instandsetzung der Tafel organisieren. Was im Februar ein Vorstandsbeschluss zementierte. Auch die SG Leipzig-Leutzsch, die die Sportstätte ja ebenfalls nutzt, sei einverstanden gewesen, hieß es. "Anbringen wollen wir die Gedenkplatte jetzt auch an einer etwas zentraleren Wand im Haupteingangsbereich, so zwischen den beiden Treppenaufgängen zum Dammsitz an der Geschäftsstelle", erläutert Fuchs gegenüber der LVZ. Einig seien sich die Gedenkmarsch-Leute und die BSG Chemie allerdings überdies darin, dass in der Folge der Tafel-Installation auch "Möglichkeiten zur Ehrung und Nutzung im Sinne einer antifaschistischen Bildungsarbeit nach und nach erschlossen werden sollen". Bereits vorhandene Dokumentationen sowie Stolpersteine sollten einbezogen werden. "Vor allem soll jungen Fans der BSG Chemie sowie weiteren die Chance eingeräumt werden, sich mit dem Thema selbstständig im Rahmen kleiner Projekte zu beschäftigen und das vorhandene Material zu ergänzen. Diesbezüglich wollen wir auch die Zusammenarbeit mit dem Leipziger Fanprojekt Outlaw weiterentwickeln", so Gauch.

Tochter freut sich über Entscheidung

Georg Schwarz war am 27. März 1896 in Zwenkau geboren worden. Er lernte Bäcker, zog freiwillig in den Ersten Weltkrieg - und kam geläutert wieder. Zunächst wirkte er in SPD und USPD mit, trat 1920 der KPD bei. Ab 1929 war er Politischer Sekretär des KPD-Unterbezirkes Leipzig, Zwenkau und Flöha, saß im sächsischen Landtag. Nachdem die Nazis die Macht ergriffen hatten, wurde er in die KZ Hohnstein und Sachsenburg gesteckt, kam allerdings wieder raus, schloss sich Georg Schumanns Widerstandsgruppe an. 1944 wurde Schwarz wieder verhaftet, am 12. Januar 1945 in Dresden ermordet.

Schwarz' Tochter, Sonja Kurella, lebt heute in Berlin. "Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie mich die Entscheidung der BSG Chemie Leipzig und der Gruppe Gedenkmarsch gefreut hat. Ja nicht nur mich, sondern auch meine Familie und Freunde! Es ist ja heute gar nicht so selbstverständlich, so etwas anzuschieben", sagte die 88-Jährige jetzt gegenüber der LVZ und erzählte: "Ich habe zu diesem Stadion ein besonderes Verhältnis. Als ich vor 1933 noch ein kleines Mädchen war, bin ich mit meiner Tante oft dahin gegangen, weil mein Onkel mit am Turnstadion gebaut hatte. Nach der Befreiung 1945 bin ich jeden Sonntag mit meinem ersten Mann hin zum Fußball, weil wir da alle unsere Freunde trafen, die wir in der Zeit des Faschismus oft nicht gesehen hatten oder nicht sehen durften. Das war dann immer eine reine Völkerwanderung." Wenngleich im Leipziger Westen zum Beispiel noch die Georg-Schwarz-Straße an ihren Vater erinnere: Die Umbenennung in Alfred-Kunze-Sportpark seinerzeit hätten sie und ihre Mutter damals etwas traurig zur Kenntnis genommen. "Aber irgendwie mochten wir auch nichts dazu sagen, weil mein Vater wiederum ja nun wirklich nichts mit Fußball zu tun hatte. Eher hat er mal geboxt. Er ging in der Zeit des illegalen Widerstands allerdings zu den Leutzscher Fußballspielen, weil er sich dort unter all den Besuchermassen heimlich gut mit seinen Mitkämpfern treffen konnte."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.04.2013

Raulien, Angelika

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