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Derby zwischen Chemie Leipzig und SGLL – Leutzscher Prominenz drückt die Daumen

Derby zwischen Chemie Leipzig und SGLL – Leutzscher Prominenz drückt die Daumen

Am Sonntagnachmittag erlebt Leipzig das wahrscheinlich ungewöhnlichste Derby seiner Ballsporthistorie. Ab 13.30 Uhr trifft mit den Landesligisten BSG Chemie Leipzig und SG Leipzig Leutzsch die entzweite grün-weiße Fußballseele im Alfred-Kunze-Sportpark zum ersten direkten Duell aufeinander.

Leipzig. Hüben wie drüben gehörten die Beteiligten früher zum verendeten FC Sachsen. Aufgrund unterschiedlicher Ansichten über das künftige Wesen des Fußballs im Kunze-Sportpark und das Maß an Toleranz, dass mancher Fan-Verfehlung entgegengebracht werden sollte, jubelt und leidet man nun aber getrennt.

Wie tief die Gräben zwischen den einstmals vereinten Lagern inzwischen sein müssen, lässt sich schon an den Sicherheitsvorkehrungen ablesen. Von einem entspannten Schwester-Bruder-Duell kann angesichts von erhöhtem Polizeiaufgebot, der doppelten Anzahl Security-Mitarbeiter und vereinzelter Fantrennung im eigentlich gemeinsam genutzten Stadion nicht die Rede sein. Seit Wochen schaukeln sich auch die Gemüter in den Internet-Fanforen heiß, obgleich hier kaum noch zu erkennen ist, was genüssliche Provokationen und tatsächliche Meinungsäußerung sind.

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Clemens Meyer

Quelle: PR

Derweil hoffen namhafte Leutzscher Fußballanhänger, dass die Lunte am Leutzscher Pulverfass am Sonntag nicht erglimmt. „Ich wünsche mir, dass es friedlich bleibt und dass man bedenkt, wie Jahrzehnte lang unterschiedlichste Fans einem grün-weißen Verein die Daumen drückten“, erklärte etwa Clemens Meyer gegenüber LVZ-Online. Der mehrfach prämierte Leipziger Schriftsteller ist seit Jahrzehnten glühender Anhänger der Grün-Weißen und wird zumindest mit den Gedanken am Sonntag im Kunze-Sportpark weilen. „Leider kann ich da nicht, da ich seit einigen Tagen und bis kurz vor Weihnachten in Split bin. Sonst würde ich natürlich gehen, auch wenn es weh tut, dass es nun zwei grün-weiße Vereine gibt, von denen aber nur einer den richtigen Namen trägt“, sagte Meyer und fügte an: „Ich stehe, durchaus auch mal kritisch, hinter der BSG Chemie, der ich am Sonntag auch die Daumen drücke.“

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Lars Ziegenhorn während seiner Zeit als FCS-Vorstand. (Archivfoto)

Quelle: Christian Nitsche

Ähnlich sieht das Lars Ziegenhorn. Der Chef des Leipziger Ramada-Hotels war bis zum Januar 2011 Vorstandssprecher des FC Sachsen Leipzig. „Ich drücke Chemie die Daumen. Allerdings hatte ich mich auch gefreut, als beide Vereine so gut in die Saison gestartet sind. Ich tippe auf ein 2:2“, sagte der 39-Jährige salomonisch und wünschte sich, dass es am Sonntag zwischen den Fanlagern ähnlich gütlich bleibt. Ebenso wie Meyer kann Ziegenhorn allerdings nicht selbst zum Spiel kommen: „Als der Spielplan heraus gegeben wurde, hatte ich mir den Termin noch fest notiert. Doch nun bin ich leider aus privaten Gründen verhindert.“ 

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Michael Breitkopf als Trainer des FC Sachsen Leipzig. (Archivfoto)

Quelle: Norman Rembarz

Michael Breitkopf feierte einst als Chefcoach des FC Sachsen Leipzig zusammen mit Jamal Engel den Aufstieg in die Regionalliga. Sein damaliger Co-Trainer ist heute Vorstandssprecher der SG Leipzig Leutzsch und praktisch auch sein Arbeitgeber. „Als Technischer Leiter und Verantwortlicher für die Rasenplätze hoffe ich am Sonntag mit der SGLL“, sagte Breitkopf, der zudem die Bezirksliga-Elf der SG LVB trainiert. Breitkopf hat in dieser Saison schon Spiele von beiden Kontrahenten gesehen: „Die SGLL hat eine junge Truppe, die sehr dynamischen Fußball spielt. Da steht die BSG Chemie etwas hinten an, ist dafür aber kämpferisch stärker. Ich tippe deshalb auf ein Unentschieden“, sagte Breitkopf, der am Sonntag spontan entscheiden will, ob er ins Stadion geht.

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Hansi Leitzke als Coach des FC Sachsen mit Spieler Mirko Soltau. (Archivfoto)

Quelle: Hendrik Schmidt

Für Hans-Jörg Leitzke steht dagegen fest, dass er dabei sein wird: „Klar werde ich hingehen.“ Die Stürmer-Legende koordiniert bei der BSG die Nachwuchsarbeit und hofft auf einen Sieg der seinen: „Hauptsache ist, dass Chemie drei Punkte holt, egal wie. Das wäre in der jetzigen Situation schon sehr hilfreich“, weiß Leitzke. Nach zwei Niederlagen in Folge ist das Team von René Behring auf Platz sieben der Landesliga-Tabelle abgerutscht. Dieser Trend soll am Sonntag aufgehalten werden.

Das der Trend zur unveränderlichen Spaltung der Leutzscher Fußballszene in absehbarer Zeit aufgehalten werden kann, glaubt keiner der Befragten. „Es wird wohl noch länger zwei Vereine in Leutzsch geben – die Gräben scheinen einfach weitaus tiefer, als ursprünglich angenommen“, berichtet Lars Ziegenhorn. Der Hotel-Manager hält es aus wirtschaftlicher Sicht aber für unmöglich, dass zwei Vereine in der selben Liga über mehrere Spielzeiten hinweg in Leutzsch existieren können.

Auch bei einem möglichen Aufstieg von einem der beiden Teams würde sich die Lage nach Ansicht von Michael Breitkopf nicht ändern: „Falls einer der Vereine aufsteigt, wird sich der Zuschauerschnitt vielleicht dort hin verschieben, aber das hilft auch am Ende auch nicht viel weiter.“ In gewisser Weise hätte man sich beim Neubeginn nach dem Ende des FC Sachsen ein Vorbild am rivalisierenden Ortsnachbarn in Probstheida nehmen sollen: „Lok Leipzig hat es eigentlich vorgemacht, wie es gehen kann. Aber daran sind wir meilenweit vorbeigeschossen.“

Matthias Puppe

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