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Millionärs-Boxer Daser auf Missions-Tour

Boxen Millionärs-Boxer Daser auf Missions-Tour

Mario Daser steht aus wirtschaftlicher Sicht auf der Sonnenseite des Lebens. Jetzt will er als Boxer ganz nach oben. Er probiert sich an einem Ex-Champion. Hirngespinste, Selbstüberschätzung, Größenwahn?

Mario Daser, ein Boxer, der auch ohne großen Titel Millionär ist.

Quelle: Axel Heimken

Hamburg. Er knackte Autos, fuhr ohne Führerschein, prügelte sich, saß dreimal im Knast - Mario Daser hat eine bewegte und entbehrungsreiche Jugend hinter sich. "Wir hatten nicht viel. Höchstens Schulden von meinem Vater. Der ist abgehauen, hat uns sitzen lassen", berichtet Daser.

Heute braust der Wahl-Hamburger mit seinen noblen Sportwagen durch die Gegend. Davon hat er vier. Daser ist Millionär. Und er ist Boxer. "Das ist meine Leidenschaft. Boxen begeistert mich. Wenn ich dürfte, würde ich sofort mit Klitschko-Besieger Anthony Joshua in den Ring steigen." Das meint der 28-Jährige ernst. "Ich würde zwar verlieren; ich bin bloß die Nummer 157 in der Welt. Aber egal."

Zunächst geht es eine halbe Nummer kleiner zu. Am Freitag steht Daser in der Hamburger Barclaycard-Arena mit Ex-Weltmeister Ola Afolabi im Ring: Dinner-Boxen mit Vier-Gänge-Menü in Hamburgs Top-Halle. Es geht um den internationalen Titel im Cruisergewicht des Weltverbandes IBO, der Vorstufe für einen WM-Kampf. Afolabi ist eine Hausnummer. Als dreimaliger Gegner von Ex-Weltmeister Marco Huck hat sich der Brite einen Namen in Deutschland gemacht.

Daser dagegen ist ein Nobody im Ring. "Ich hab' bisher im Bierzelt gegen Schrottgegner geboxt", gibt er zu. Das klingt nach Rummel, nicht nach Leistungssport. "Aber ich kann boxen, ich trainiere hart und werde es allen zeigen, die mir nichts zutrauen." Seine zwölf Kämpfe bislang hat er allesamt gewonnen - gegen drittklassige Gegner.

Dass er es wagt, gegen einen Ex-Champion anzutreten, halten die einen für Größenwahn, die anderen für einen PR-Gag. Häufigste Vermutung: als Millionär hat er sich den Sieg vorab gekauft. "Jeder, der das sagt, ist ein Wichser. Aber mir ist scheißegal, was die Leute denken", sagt Daser und betont: "Ich bin selbstverliebt. Aber ich bin komplett authentisch."

Erst mit 19 Jahren ist er zum Faustkampf gekommen. "Das Boxen hat mich verändert", behauptet das einstige Problemkind. "Das Geld hat mich nicht verändert. Ich schätze jeden Cent, aber das Geld beherrscht mich nicht." Für den Kampf gegen Afolabi hat er zweimal in Trainingslagern in der Türkei geschuftet. "Leider bin ich ein Mensch, der zu viel will", beschreibt sich der 1,95 Meter große durchtrainierte Athlet. Ein Risiko sei der Kampf nicht, meint er. "Ich bin auf Augenhöhe, kann mithalten."

Daser will sich und anderen beweisen: Du kannst etwas schaffen, wenn du es nur willst. Seine Vita gibt ihm Recht. "Ich bin von der Straße", erzählt der gebürtige Münchner ohne Schulabschluss. Durch Heirat kam er zu einem Kieswerk aus Familienbesitz seiner Ehefrau. Auf das 50 000 Quadratmeter große Areal nahm er eine Hypothek über 3,8 Millionen Euro auf. Die investierte er in Immobilien, sanierte und verkaufte sie gewinnbringend, investierte wieder. "Heute habe ich Immobilien in München, Augsburg und Kroatien", zählt er auf. Zudem besitzt er eine Sportwagen-Vermietung. Daser: "Und ich habe ein Patent für einen Rohrreinigungs-Torpedo. Den produzieren wir jetzt."

Gegner Afolabi lacht über seinen Rivalen: "Ich habe Schattenboxen von ihm bei Youtube gesehen. Das sah scheiße aus", höhnt er. Der Brite will sich nur fünf Runden mit Daser aufhalten. Schließlich sei er "ein alter Mann" mit seinen 37 Jahren, sagte Afolabi über sich. "Die fünf Runden werden hart für ihn", kündigte er seinem Gegner an.

"Der geht mir schon jetzt auf die Nerven", stöhnt Daser. Eigentlich hatte Afolabi seine Karriere im vergangenen Jahr beendet. Die 100 000 Euro, die als Gage kolportiert werden, nimmt der Brite mit nigerianischen Wurzeln aber gerne mit.

Daser sieht seinen Kampf nicht nur als Selbstbestätigung. Irgendwie, so meint er, sei das auch eine Mission. "Ich glaube an Gott. Er hat mir die Chance gegeben, dass ich etwas bewirke. Ich kann anderen ein Vorbild sein", sagt der Vater eines acht Monate altes Sohnes. Und ergänzt: "Ich bin stolz auf mich!"

dpa

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