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Marco Sturm vor Bundestrainer-Debüt: "Langer, harter Weg"

Eishockey Marco Sturm vor Bundestrainer-Debüt: "Langer, harter Weg"

Jetzt geht es für Marco Sturm richtig los. Mit dem Deutschland Cup an diesem Wochenende in Augsburg steht für den neuen Bundestrainer die erste Aufgabe an. Das Traditionsturnier ist nur ein Schritt auf dem Weg zu höheren Zielen.

Augsburg. Als ehemaliger NHL-Star mit prominentem Namen, aber Trainer ohne Erfahrung soll Marco Sturm das deutsche Eishockey wieder voranbringen. Im Sommer war er überraschend zum Bundestrainer ernannt worden, am Freitag feiert er beim Deutschland Cup in Augsburg seine Premiere.

Vor seinem Debüt sprach die Deutsche Presse-Agentur mit dem 37-Jährigen über dessen Vorbilder, seine Philosophie und seine Ziele. "Die Vorgabe muss sein, nach oben und nicht nach unten zu schauen", sagte Sturm. "Wir sollten eher in die Turniere reingehen mit dem Motto: 'Wir wollen wieder das Viertelfinale erreichen'."

Mit dem Deutschland Cup geht es für Sie richtig los. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in das Turnier, sind Sie nervös?

Sturm: Mit Sicherheit. Ich war auch bei meinen letzten Spielen in der NHL immer noch nervös. Ich finde, das gehört dazu. Die Anspannung steigt natürlich umso mehr jetzt. Ich freue mich. Es war viel Neues, viel Wirbel. Jetzt wird es Zeit, dass ich mich auf das konzentrieren kann, was ich liebe: Auf dem Eis zu stehen mit den Jungs und an der Bande.

Gibt es einen Trainer, an dem Sie sich orientieren?

Sturm: Darryl Sutter, das war mein erster Trainer in den USA. Er war mein härtester. Aber das war genau das Richtige für mich. Er war härter als Hans Zach. Sie haben gewisse Ähnlichkeiten, sind von der alten Schule. Aber sie sind immer ehrlich. Man wusste immer, wo man steht. Auch wenn es manchmal nicht so schön war, das zu hören. Aber ich wusste immer, was zu machen ist. Er hat mir wirklich beigebracht, wie man mit Disziplin, mit harter Arbeit einiges erreichen kann.

Ist das auch das, was die Spieler von Ihnen erwarten können?

Sturm: Auf alle Fälle. Wer mich kennt, weiß, ich bin ein Teamspieler. Und so will ich das jetzt weiterführen. Es sind vielleicht nicht immer die Besten dabei - für mich ist es wichtig, dass die Mannschaft lebt. Das erwarte ich von den Jungs. Es gibt viel Neues, ein neues System. Das ist wahrscheinlich auch nicht einfach auf die Schnelle, das alles zu verarbeiten und das auch aufs Eis zu bringen und zu liefern. Ich bin da ganz positiv. Sich jetzt kennenzulernen, ist ganz wichtig. Und dass wir durch harte Arbeit, durch einfaches Spiel wieder unseren Weg finden.

Zurück zum einfachen Spiel ist auch Zach'sche Schule, oder?

Sturm: Ja, ein bisschen. Wir Deutschen spielen oft zu kompliziert, egal welches System man spielt. Wenn man die Kanadier ansieht oder auch die Schweden, die technisch viel, viel besser sind als teils jede Nation - sie kommen trotzdem immer wieder zurück auf das einfache Spiel. Das müssen wir lernen, dass wir das wirklich von der ersten bis zur letzten Minute spielen.

Werden Sie also auf harte Abwehrarbeit setzen?

Sturm: Genau so ist es. Wir müssen mit einer guten Disziplin speziell in der Abwehr kompakt sein. Es muss eine gute Mischung sein. Wenn wir die Chance haben, müssen wir schnell umschalten, schnell nach vorne spielen, geradlinig und mit Zug zum Tor. Das sind Sachen, die fehlen teilweise im deutschen Spiel. Das muss in die Köpfe rein.

Es war immer die Rede davon, dass Sie als Trainer-Neuling sich die Erfahrung über die Assistenten dazu holen. Warum haben Sie sich nun doch in Christof Kreutzer und Serge Aubin für zwei relativ unerfahrene Kollegen entschieden? 

Sturm:  Das große Ziel von DEB, DEL und auch von meiner Seite war, dass wir Trainer der DEL dazu nehmen für den Deutschland Cup. Es gibt sehr viele gute Trainer in der Liga. Ich habe wirklich ein gutes Gefühl bei beiden gehabt. Ich habe gleich gewusst, die zwei passen. Egal, Erfahrung hin oder her - man muss sich auch wohlfühlen. Und das habe ich bei den zwei Coaches gehabt.

Ist es angedacht, dass es ein festes Trainerteam gibt oder kann das von Maßnahme zu Maßnahme wechseln?

Sturm:  Das ist ein bisschen zu früh. Auch für mich ist es eine neue Situation. Wir werden uns irgendwann nach dem Deutschland Cup wieder zusammensetzen und darüber reden, wie es war und was anders sein muss. Bis zur WM haben wir noch Zeit.

DEB-Präsident Franz Reindl hat das Ziel ausgegeben, bis 2026 wieder in der Weltspitze mitspielen zu wollen. Halten Sie das für realistisch?

Sturm:  Ja, ich finde schon, wir brauchen Ziele. Ich hoffe, das funktioniert. Es ist noch ein langer, harter Weg. Wir müssen wieder mehr von unten anfangen, das heißt im Nachwuchsbereich. Wir brauchen eine größere Breite im deutschen Eishockey, damit wir mit den großen Nationen mithalten können. Ziele sind immer gut. Deswegen finde ich auch langfristig Powerplay26 sehr gut. Wir sind auf einem richtigen Weg. Aber das geht nicht von heute auf morgen, das dauert einfach. Ich hoffe, dass wir gemeinsam die Ziele erreichen.

Wann kann sich denn Deutschland wieder auf ein WM-Halbfinale freuen?

Sturm: Die anderen schlafen natürlich auch nicht. Wir sind Weltranglisten-13., und für uns ist das Ziel erst einmal, dass wir da Stufe um Stufe besser werden. Das können wir nur erreichen, wenn wir eine sehr gute WM spielen und bei Olympia dabei sind.

Inwiefern beschäftigen Sie sich generell mit dem Gedanken Klassenerhalt, wenn Sie in eine WM gehen? 

Sturm: Mit dem Gedanken Klassenerhalt darf man gar nicht ins Turnier gehen. Klar bin ich auch Realist. Aber die Vorgabe muss sein, nach oben und nicht nach unten zu schauen. Wir müssen wieder stolz sein, und wir müssen wieder die Ziele erreichen. Wir haben das auch in der Vergangenheit teilweise geschafft. Das ist zwar nicht einfach. Aber wir sollten eher in die Turniere reingehen mit dem Motto: 'Wir wollen wieder das Viertelfinale erreichen'.

Zur Person: Marco Sturm wurde im Juli überraschend zum Nachfolger von Eishockey-Bundestrainer Pat Cortina ernannt. Trainer-Erfahrung hat er nicht. Der 37-Jährige ist in Doppelfunktion auch Generalmanager. Als Profi hat er 1006 Spiele in der nordamerikanischen Profiliga NHL absolviert - mehr als jeder andere Deutsche. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Florida.

dpa

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