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Hamilton in Montréal im Attacke-Modus

Motorsport Hamilton in Montréal im Attacke-Modus

Es ist eine neue Erfahrung. Drei Jahre dominierte Mercedes die Formel 1. 2017 ist es anders. Die Silberpfeile fahren Ferrari hinterher. Nicht immer, aber immer öfter. Derzeitiges Gegenmittel: Harte Arbeit, Kampfgeist-Beschwörung und Attacke-Modus.

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton will in Montréal Sebastian Vettel im Ferrari wieder hinter sich lassen.

Quelle: Toru Takahashi

Montréal. Im knallharten WM-Duell mit Sebastian Vettel im Ferrari muss der schwankende Formel-1-Branchenführer Mercedes das Letzte aus sich herausholen.

"Wir müssen für jeden Sieg, jede Pole Position, jeden Podestplatz und jeden Punkt mit allem, was wir haben kämpfen", mahnte Silberpfeil-Teamchef Toto Wolff eindringlich vor dem Großen Preis von Kanada an diesem Wochenende in Montréal.

Mit Hochdruck versuchten die Mercedes-Ingenieure in den vergangenen anderthalb Wochen, das Rätsel um die Reifen vor allem am Wagen von Vettel-Verfolger Lewis Hamilton beim Klassiker in Monaco zu lösen. "Sobald wir mit dem ultrasoften Reifen besser zurecht kommen, bringt uns das in eine bessere Position, mit einem Undercut zu attackieren. Und das ist es, was wir wirklich brauchen", verlangt Hamilton nach mehr Optionen bei der Reifenstrategie.

Die bisherige Jahres-Bilanz von Mercedes ist nicht alarmierend, aber zumindest beunruhigend. In dieser Saison haben die Silberpfeile in sechs Rennen bereits dreimal den Sieg verpasst. 2015 und 2014 passierte Mercedes das in jeweils 19 Rennen. 2016 gab das deutsche Werksteam den Sieg nur zweimal in 21 Rennen an die Konkurrenz ab.

In der Saison 2017 kann der W08 sein komplettes Potenzial nur unter bestimmten Bedingungen in bestimmten Phasen auf den Asphalt bringen. Dass dabei auch noch zwischen Hamilton und seinem neuen Teamkollegen Valtteri Bottas größere Unterschiede wie in Monte Carlo auftreten, macht die Spurensuche nicht einfacher.

Dass der Finne allerdings auch die Balance des Wagens vor allem in langsamen Kurven beklagt, dürfte den Optimismus für das Rennen auf dem Circuit Gilles Villeneuve nicht zwangsläufig steigern. Der Kurs auf der Île Notre-Dame ist berühmt für seine Kombinationen aus langen Geraden und langsamen Kurven.

Bisher ist unklar, ob Mercedes die ominösen Schwächen exakt ausmachen und beheben konnte und Monaco nur eine Ausnahme war. Offen ist damit auch, wie groß Hamiltons Chancen sind, in Kanada den sechsten Sieg einzufahren und damit noch dichter an Montréal-Rekordsieger Michael Schumacher (7) heranzurücken. Klarer scheinen dagegen die Gründe für den Vorteil von Ferrari.

Einem Bericht des Fachmagazins "auto, motor und sport" zufolge nutzte die Scuderia die Tests im vergangenen Jahr mit den breiteren Reifen für diese Saison einfach sinnvoller. Demnach passte Ferrari den Wagen besser auf die Erfordernisse 2017 an. Und Vettel, der nach einem vielversprechenden Auftaktjahr 2015 im Ferrari ein enttäuschendes zweites Jahr erleben musste, reiste mehrfach zum Gedankenaustausch in die Pirelli-Zentrale in Mailand.

Die Folge: Der 2017er Ferrari kommt bisher bei allen Bedingungen deutlich besser mit den Reifen des italienischen Exklusiv-Ausrüsters zurecht. Und Mercedes muss nachbessern. Eine Situation, die das Team in diesem Ausmaß seit Anfang 2014 nicht mehr erlebt hat. In drei Jahren kämpfte Mercedes nur intern, Hamilton gewann zweimal die WM, im vergangenen Jahr siegte sein deutscher Widersacher Nico Rosberg. Die Konkurrenz fuhr höchstens mit, eher nur hinterher.

Der Spannung hat das nur bedingt gut getan. Umso größer war auch bei Wolff & Co die anfängliche Freude über die ersten Anzeichen für das Gigantenduell des viermaligen Weltmeisters Vettel im Ferrari gegen den dreimaligen Weltmeister Hamilton im Mercedes.

Ein weiterer Vettel-Sieg und damit mindestens weitere sieben Punkte mehr bei bereits 25 Zählern Vorsprung vor dem Rennen am Sonntag (20.00 Uhr MESZ/RTL und Sky) dürfte diese Freude weiter eindämmen. "Wir müssen uns der Herausforderung stellen, um erneut zu beweisen, dass wir das Team sind, das es zu schlagen gilt", fordert Wolff daher.

dpa

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