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Vettel-Land ohne Formel 1

Motorsport Vettel-Land ohne Formel 1

Der Ersatz für Sebastian Vettel und Nico Rosberg sind Hobby-Piloten, Radfahrer und Jogger. Erstmals seit 55 Jahren fährt die Formel 1 einen Bogen um Deutschland, am eigentlich geplanten Renntermin an diesem Wochenende tummeln sich Freizeitsportler auf dem Nürburgring.

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Georg Seiler hofft auf eine positive Zukunft für den Formel-1-Sport in Deutschland.

Quelle: David Ebener

Hockenheim. Nach der schmerzhaften Absage des Grand Prix sieht der Chef des nun vom Weltverband als nächster Gastgeber bestätigten Hockenheimrings das Rennen 2016 als entscheidend für die Zukunft der Formel 1 in Deutschland. "Da muss alles passen, sonst können wir das Buch zuschlagen", sagte Ring-Geschäftsführer Georg Seiler der Deutschen Presse-Agentur.

Das Aus für den diesjährigen Grand Prix am Nürburgring markierte den bitteren Tiefpunkt des Niedergangs der Rennserie im Motorsportland Deutschland. 73 Mal gastierte die Formel 1 hierzulande, so oft wie in keinem anderen Land. Doch nach der Insolvenz des Nürburgrings war für Bernie Ecclestones Spektakel in der Eifel kein Geld mehr da. Auch der Hockenheimring sah sich nicht in der Lage, kurzfristig einzuspringen. Zu groß erschien das geschäftliche Risiko angesichts des zuletzt immer weiter gesunkenen Zuschauer-Interesses.

"Wir brauchen nächstes Jahr ein gut gefülltes Haus, damit die Formel 1 eine Zukunft hat", sagte Seiler. Doch der Boom der großen Jahre des Michael Schumacher, als die Massen an die deutschen Rennstrecken strömten und die Kassen fast von allein klingelten, sind lange vorbei. 52 000 Fans fanden im Vorjahr noch den Weg nach Hockenheim, zu den besten Zeiten waren es mehr als doppelt so viele.

Chefvermarkter Ecclestone bezeichnete die deutschen Zuschauer inmitten des Pokers um das deutsche Rennen sogar als "lausig. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist, es gibt doch einen deutschen Hersteller mit Mercedes, der Weltmeister ist und es gibt in Sebastian Vettel einen Fahrer, der viermal nacheinander die WM gewonnen hat."

Für den 31. Juli 2016 setzen die Hockenheimring-Betreiber nun auf einen Neuanfang. Noch in diesem Monat solle der Kartenvorverkauf für das Rennen im kommenden Jahr starten. "Wir sind sehr optimistisch", sagte Geschäftsführer Seiler. "Die Fans sind bestimmt wieder scharf auf einen deutschen Grand Prix", formuliert er seine größte Hoffnung.

Zumindest gab es zuletzt positive Signale. Die Zuschauerzahlen beim TV-Sender RTL waren bei den jüngsten drei Rennen leicht steigend. In Silverstone, einem anderen Traditionskurs im alten Europa, strömten vor knapp zwei Wochen mehr als 300 000 Fans an die Strecke.

Zudem sucht die Formel 1 fieberhaft den Weg aus ihrer Imagekrise. Die Autos sollen mittelfristig wieder rassiger und noch schneller werden, der Fahrer wieder mehr in den Mittelpunkt rücken.

Nicht zuletzt baut der Hockenheimring sein Konzept für den Aufschwung auf den deutschen Faktor. Vettel erstmals im Ferrari auf einer deutschen Strecke, Rosberg als Siegkandidat im Silberpfeil und Mercedes beim Heimspiel als aktueller Branchenführer - sportliche Argumente haben die Organisatoren genug.

Doch reicht das? Viele andere Rennstrecken haben zuletzt massiv ins Entertainment-Programm abseits des Asphalts investiert, das will und kann sich Hockenheim ohne öffentliche Fördermittel nicht leisten. Und so wird das Jahr bis zum 74. Grand Prix in Deutschland zur Zitterpartie. "Klar ist auch, wenn es weitere Rückgänge gibt, muss die Formel 1 überdacht werden", sagte Ring-Chef Seiler. Selbst der Vertrag für ein weiteres Rennen 2018 stünde dann wohl auf der Kippe.

dpa

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