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900.000 Euro Schulden – wie geht es weiter beim HC Leipzig?

Frauenhandball 900.000 Euro Schulden – wie geht es weiter beim HC Leipzig?

Die Schulden des einstigen Krösus im Frauen-Handball sind enorm. Die Zeit ist knapp. An diesem Samstag soll der HC Leipzig die Chance bekommen, am Rande des Fußball-Bundesligaspiels von RB Leipzig gegen den 1. FC Köln Geld zu sammeln.

Nach dem Wechsel von Katja Kramarczyk und mit der Schwangerschaft von Karolina Kudlacz-Gloc trägt nun Alexandra Mazzucco die Kapitänsbinde beim HCL. Junge Spielerinnen wie zum Beispiel Michelle Urbicht (Nummer 26) und Joanna Rode (34) werden künftig das Gesicht der Leipziger prägen.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Wie kam es zur Finanzmisere?

Als Manager und Geschäftsführer - seit 20 Jahren - hat Kay-Sven Hähner zwangsläufig Anteil an der Situation. Die Schulden sind über einen längeren Zeitraum angewachsen. Mehrere Insolvenzen von Sponsoren verschärften die Situation. Hähner (46) übt jetzt Selbstkritik: „Ich habe Dinge falsch eingeschätzt. Wenn man kämpft und lange dabei ist, bleibt es nicht aus, dass man Fehler macht.“ Einen Rücktritt zieht er aktuell nicht in Betracht.

Muss der HCL neue Strukturen schaffen?

Leipzigs Sportbürgermeister Heiko Rosenthal sagte der dpa: „Bei der kommunizierten Schuldenhöhe muss es ganz offensichtlich innerhalb des Vereines und der Spielbetriebs GmbH Versäumnisse gegeben haben. Anderenfalls wäre die aktuell schwierige Situation nicht entstanden. Daher muss es insbesondere hinsichtlich der Aufsichts- und Kontrollmechanismen zu Veränderungen kommen.“ Das Kontrollgremium beim HC Leipzig besteht aus einem vierköpfigen Präsidium.

Wie soll die Tilgung gelingen?

Bis Ende Juni sollen 500 000 Euro beglichen sein, langfristig die komplette Entschuldung gelingen. 900 000 Euro sind, in Relation zum Etat, eine große Last. Pro Saison wurde mit einem Etat zwischen 1,3 und 1,6 Millionen Euro geplant. Eine Gruppe von Sponsoren will helfen, ein Konzept zur Entschuldung aufzustellen und sich für den HCL im Rathaus stark machen. Es gibt ein Unterstützerkonto, auf dem nach einer Woche 25 000 Euro eingegangen sind. Ehemalige Spielerinnen, RB Leipzig und der SC DHfK unterstützen den Verein.

Wie ist der Fahrplan für die nächsten Wochen?

Bis zum 31. März muss der HCL die Unterlagen für die neue Lizenz einreichen, unter anderem mit einer Bankbürgschaft in Höhe von 50 000 Euro. Das wäre auch mit 900 000 Euro Schulden möglich, sagt Manager Hähner. Vielmehr gehe es darum, bis dahin finanziell eine Perspektive zu haben. Die Handball Bundesliga Frauen (HBF) entscheidet bis Mitte Mai über die Lizenz.

Um Hilfe von der Stadt zu bekommen, will der Verein beim Sportbürgermeister bis Mitte März ein tragfähiges Sanierungskonzept vorlegen. In dem müssen unter anderem der aktuelle Finanzbedarf, die Vereinbarungen mit Gläubigern und eine vernünftige Zukunftsplanung ersichtlich sein. Eine Vorlage des Sportausschusses müsste im Stadtrat beschlossen werden. Die nächsten Sitzungen im Rathaus sind am 8. März sowie 12. April.

Wie sieht die Personalsituation aus?

Trainer Norman Rentsch hat angekündigt, seinen Vertrag der bis 2019 läuft, erfüllen zu wollen. Fraglich ist, welche Spielerinnen er zur Verfügung hat. Nur vier Handballerinnen haben noch einen Kontrakt über den Sommer hinaus. Die Leistungsträgerinnen haben bis auf Saskia Lang (Knieverletzung) und Karolina Kudlacz-Gloc (Schwangerschaft) bereits bei neuen Clubs unterschrieben. Der HCL-Coach sagt: „Mit dem jungen Kader der vergangenen Wochen und vielen Nachwuchsspielern zeichnet sich bereits das Gesicht der Mannschaft für die nächsten Jahre ab.“

Wo wird der HCL künftig seine Spiele austragen?

In der aktuellen Spielstätte Arena Leipzig ist der Vertrag zum 31. Mai gekündigt worden. Derzeit hat der Verein bei der ZSL Betreibergesellschaft Mietschulden in fünfstelliger Höhe, wie Geschäftsführer Winfried Lonzen der dpa bestätigt. Der Verein hat, unter der Voraussetzung, dass die Rückstände beglichen werden, die Möglichkeit, einen neuen Vertrag unter veränderten Konditionen für die Arena zu unterschreiben. In dieser Saison hat der HCL einen Schnitt von etwa 1000 Zuschauern – aber im Vorfeld mit 2200 kalkuliert.

Was passiert, wenn der HC Leipzig doch Insolvenz anmelden muss?

Ein Insolvenzantrag bedeutet den Zwangsabstieg in die dritte Liga.

Eine Insolvenz würde nur die erste Mannschaft der verschuldeten GmbH in der Bundesliga betreffen. Der Rest des Vereins, also alle Nachwuchtsteams, könnten weiter bestehen. Als Schwerpunktsportart wird die Jugendabteilung pro Jahr mit 65 000 Euro von der Stadt gefördert. Das Juniorteam der Leipzigerinnen spielt bereits in der Dritten Liga.

LVZ

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