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Finanziell und sportlich: Schwere Zeiten für den HC Leipzig

Handball Finanziell und sportlich: Schwere Zeiten für den HC Leipzig

Beim HCL häufen sich die Baustellen: Pokal-Aus, der Wechsel von Luisa Schulze, die Verletzung von Saskia Lang und finanzielle Sorgen. Die sportlichen Herausforderungen werden für die Handballerinnen zudem nicht kleiner.

Luisa Schulze nach ihrem letzten Heimspiel im HCL-Trikot am 18. September in Leipzig.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Trotz sportlicher Höhepunkte wie dem Prestigeduell am Mittwoch beim Serienmeister Thüringer HC und dem Start der Champions League am Samstag in Russland sorgen beim HC Leipzig derzeit andere Themen für Gesprächsstoff. So kam Manager Kay-Sven Hähner am Montag im Dialog mit der Presse nicht umher, sich zum Wechsel des Ur-Gesteins Luisa Schulze und den finanziellen Problemen des Vereins zu äußern. Dabei hängen beide Probleme eng zusammen.

Der Wechsel von „Schmu“ zum Rivalen nach Bietigheim war ihr eigener Wunsch, sagen HCL-Coach Norman Rentsch und Manager Hähner unisono. Die Kreisläuferin selbst, die bereits seit April ein Angebot des Bundesliga-Kontrahenten besaß, ist für Nachfragen nicht zu erreichen. Dass der Transfer mitten in der Saison über die Bühne ging, hat sportliche und finanzielle Hintergründe. Zuerst die sportlichen von Seiten des HCL: In der Saisonvorbereitung hat sich die neue Konkurrentin Hildigunnur Einarsdottir am Kreis durchgesetzt. Zudem kam Schulze wegen der Umstellung auf vegane Ernährung nicht mehr an ihre sportlichen Leistungen der Vorsaison heran. Bundestrainer Michael Biegler nominierte sie vergangene Woche auch nicht zum Nationalmannschaftslehrgang. Wenig begeistert zeigte sich der HCL, dass noch während der Verhandlungen mit Bietigheim ein Foto auf der Facebook-Seite des Trainers Martin Albertsen auftauchte: Mit dabei Schulze im Dirndl in Reihen ihres neuen Teams.

Nun die finanziellen Aspekte für den Wechsel. „Wir müssen akzeptieren, wenn wir Leute wie Luisa nicht mehr halten können“, sagt HCL-Trainer Rentsch mit Blick auf das finanzielle Potential der SG BBM, die nun vier Kreisläuferinnen im Kader haben. Welche Summe zwischen den beiden Vereinen geflossen ist, wollte Hähner nicht kommentieren, sagte nur: „Die Freigabe haben wir erst erteilt, als die Ablöse auf unserem Konto eingegangen ist“. Über die Höhe wurde Stillschweigen vereinbart, Bietigheim bestreitet jedoch, das Geld geflossen ist. Immerhin spart der Verein mit dem Gehalt für Schulze bis Saisonende laut Hähner „eine fünfstellige Summe“.

Offene Zahlungen und Geschäftsstelle ausgedünnt

Der HCL kann derzeit jede finanzielle Entlastung gebrauchen. Mit der Überweisung der Gehälter an Spielerinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle ist der Verein weiterhin in Verzug. Beim Wechsel von Schulze soll das Thema aber keine Rolle gespielt haben. Über konkrete Zahlen der Rückstände hüllt der Manager den Mantel des Schweigens, sagt nur so viel: „Wir sind mit allen im Gespräch.“ Ausstehende Zahlungen von Sponsoren seien der Hauptgrund für die fehlende Liquidität. „Es gibt noch einen Haufen offener Posten, die uns zustehen, wir haben aber keinerlei Druckmittel gegenüber den Partnern“, sagt Hähner. Genauso hat der Manager selbst aber auch noch jede Menge Rechnungen zu begleichen, Mahnungen habe es bereits gegeben. Erste Auswirkungen sind zu spüren. Eine langjährige Mitarbeiterin sowie ein Student sind seit Oktober nicht mehr in der Geschäftsstelle des HCL angestellt.  

Zum Schluss noch der sportliche Ausblick: Am Mittwoch geht es zum Meister aus Thüringen. Saskia Lang fehlt verletzt, dafür kehrt Franziska Mietzner zurück in den Kader. „Wir werden in unserer derzeitigen Situation sicher nicht mit Pauken und Trompeten dort anreisen. Aber wir haben in den letzten zwei Spielen gezeigt, dass wir gegen den THC wettbewerbsfähig sind“, sagt Rentsch. Bereits in der Nacht zum Freitag geht die Reise weiter gen Russland – zum ersten Auswärtsspiel in der Champions League gegen Astrachan. Wäre es nicht auch eine Möglichkeit gewesen, bei klammen Kassen auf die Königsklasse zu verzichten? „Das sind für uns keine größeren Kosten, als im EHF-Cup und der internationale Startplatz ist weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Hähner. Bei einem Antrittsgeld von 20.000 Euro sowie einem kalkulierten Zuschauerschnitt von 1500 Fans pro Heimspiel, rechnet der Manager sogar mit einem leichten finanziellen Plus.

Anne Grimm

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