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HC Leipzig fühlt sich in der Rolle des Jägers wohl - Abflug-Chaos vor CL-Quali

Vor dem Saisonauftakt HC Leipzig fühlt sich in der Rolle des Jägers wohl - Abflug-Chaos vor CL-Quali

Keine spektakulären Neuzugänge, dafür eine eingespielte Truppe: Der HC Leipzig setzt in der neuen Handballsaison auf Altbewährtes und beschwört den Teamgeist. Die Favoritenrolle wird der Konkurrenz zugeschrieben – auch aufgrund finanzieller Bedingungen.

Alex Mazzucco hat sich beim HCL zu einer Stütze des Teams gemausert - auch in der Nationalmannschaft flitzt sie mittlerweile die Seiten entlang.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Die fetten Jahre und Meisterschaftsfeiern beim HC Leipzig sind lange vorbei. Deshalb lässt Trainer Norman Rentsch auch vor seiner dritten Saison als Trainer beim einstigen Frauen-Handballkrösus Demut walten: «Es wäre vermessen, Ansprüche auf einen Titel anzumelden.» Grund dafür sind aus Sicht des Coachs die veränderten Rahmenbedingungen: «Die Voraussetzungen bei den Clubs sind sehr unterschiedlich, auch vom Etat her. Da müssen wir ehrlich zu uns und den Fans sein. Es ist nicht mehr wie vor zehn Jahren, als wir Krösus in der Bundesliga waren. Man ist jetzt eine von vielen Mannschaften.»

Seitdem der 36-Jährige auf der Leipziger Bank sitzt, sind keine spektakulären Neuzugänge verpflichtet worden, weil das Geld fehlt und finanzielle Altlasten auf die Gemüter im Verein drücken. Der Trainer macht die Not zur Tugend und setzt auf die Jugend. In dieser Saison stammen zehn von 17 Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs. Dass dieses Konzept Früchte trägt, zeigte der Pokalsieg mit dem zweitjüngsten Team der Liga im vergangenen Jahr sowie ein offener Meisterschaftskampf bis zum letzten Bundesligaspieltag.

Mazzucco und Hubinger entwickeln sich beim HCL zu wichtigen Stützen

Alexandra Mazzucco und Anne Hubinger, beide erst 23 Jahre alt, sind nur zwei Beispiele für Eigengewächse, die sich zu wichtigen Stützen entwickelt haben. Das soll längst nicht das Ende der Fahnenstange sein. «Individuell steckt in unserer Mannschaft noch jede Menge Entwicklungspotenzial», sagt Rentsch, der aktuell sechs deutsche Nationalspielerinnen in seinem Team betreut.

Der Vorteil für den Coach zu Beginn der Saison: Sein Team hat sich kaum verändert und ist eingespielt. Die zwei Neuzugänge Hildigunnur Einarsdottir, kam als Kreisläuferin vom Zweitligisten aus Koblenz, und Tamara Bösch, eine Linkshänderin vom Schweizer Pokalsieger LC Brühl, verstärken den HCL in der Breite. Getrennt hat man sich von den Außenspielerinnen Kaya Diehl und Helena Hertlein sowie der Isländerin Anna Atladottir.

Favoriten THC und Bietigheim

Die Favoritenrolle in der Meisterschaft weisen Rentsch und Kapitänin Katja Kramarczyk, die sich das Amt erneut mit Karolina Kudlacz-Gloc teilt, von sich. Beide sehen den sechsfachen Meister THC sowie die SG BBM Bietigheim in der Pflicht. Die Thüringerinnen ersetzten ihre Abgänge vor allem mit ausländischen Nationalspielerinnen. Der bereits hochkarätige Kader in Bietigheim wurde ebenfalls verstärkt. Mit mehr als zwei Millionen Euro dürfte die SG BBM über den höchsten Etat der Frauen-Bundesliga verfügen.

«Da können wir längst nicht mehr mithalten», sagt Rentsch und fügt hinzu: «Das soll kein Jammern sein. Wir sind in der Position des Jägers und darauf freuen sich meine Spielerinnen.» Torhüterin Kramarczyk, die beim Gewinn der letzten Meisterschaft 2010 bereits zum HCL gehörte, sagt: «Ich denke schon, dass wir die Qualität haben, mit diesen beiden Teams mitzuspielen. Die Frage wird sein, ob wir dieses hohe Niveau konstant über ein Bundesligajahr erreichen können, gepaart mit der internationalen Herausforderung.»

Trubel vor der Champions-League-Quali

Ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der erstklassigen Konkurrenz in der Stadt, den Handballern des SC DHfK und den Fußballern von RB, hat der HCL aber immer noch mit dem Start auf internationaler Bühne. Am Wochenende entscheidet sich, in welchem Wettbewerb.

Dazu sind die HCL-Handballerinnen am Donnerstag um 3 Uhr früh in Leipzig Richtung Berlin gestartet. 7.30 Uhr sollte der Flieger nach Madrid gehen, von dort weiter nach San Sebastian zur Champions-League-Qualifikation. Sollte – denn am Abend meldete sich Manager Kay-Sven Hähner noch immer aus Berlin: „Totales Chaos.“

Die Chaos-Kurzfassung: Der frühe Flug wurde erst verschoben, später gecancelt, aber niemand informiert. Bei der Gepäck-Rückholung kam es zu Tumulten, die Polizei musste eingreifen. Auf einen Mittagsflieger (11.10 Uhr) wurden neun HCL-Leute umgebucht – Trainer, Physiothetrapeut und drei Spielerinnen (Nicole Roth, Joanna Rode, Jule Reimer). Gepäck flog nicht mit. Der Rest (Hähner und zwölf Spielerinnen) flog 18.45 Uhr via Brüssel nach Bilbao. „Wenn alles klappt, werden wir gegen 3 Uhr in San Sebastian sein“, sagt Hähner. Bei ihm hat Galgenhumor den Frust abgelöst: „Wenn die Vorbereitung schiefgeht, soll ja das Spiel super laufen.“

Bei der Champions-League-Qualifikation will das Rentsch-Team am Freitag ab 16 Uhr gegen den weißrussischen Meister HC Gomel gewinnen und dann am Samstag in einem möglichen Finale den Sieger der Partie zwischen dem spanischen Gastgeber Bera Bera und Hypo Niederösterreich bezwingen. Nur der Sieger des Vierer-Turniers spielt in der Königsklasse, die anderen drei Teams starten im EHF-Cup. Das erste Bundesligaspiel steigt am 14. September beim Aufsteiger Neckarsulm.

agri/ukö

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