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Zwangsabstieg besiegelt: HCL muss Insolvenz anmelden

Handball-Rekordmeister ist pleite Zwangsabstieg besiegelt: HCL muss Insolvenz anmelden

Bis zuletzt hofften Fans und Vereinsspitze auf eine Lösung, am Ende vergeblich. Der HC Leipzig hat am Samstag nach LVZ-Informationen Insolvenz angemeldet und muss den Zwangsabstieg in die dritte Liga antreten. Die zur Rettung benötigten 600.000 Euro gingen bis Freitag nicht auf dem Konto des Handball-Bundesligisten ein.

Der HCL ist pleite. Am Samstag meldete die Bundesliga GmbH Insolvenz an.

Quelle: dpa

Leipzig. Seit Samstagmorgen ist es endgültig besiegelt: Die mit 1,3 Millionen Euro verschuldete HCL Bundesliga GmbH muss den schweren Weg in die Insolvenz antreten. Wie Manager Kay-Sven Hähner der LVZ in einer SMS mitteilte, konnten die zur Rettung benötigten 600.000 Euro bis zur vom DHB-Schiedsgericht gesetzten Frist am Freitagabend nicht nachweisen werden. Hähner stellte deshalb nach eigenen Angaben am Morgen persönlich den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Leipzig. Damit steht der Frauenhandball-Rekordmeister HC Leipzig vor dem Zwangsabstieg in die dritte Liga.

Das DHB-Schiedsgericht hatte am 7. Juli entschieden, dass die Handball-Bundesliga Frauen (HBF) dem HC Leipzig die Lizenz zur Teilnahme an der Bundesliga unter der Bedingung erteilen muss, dass bis zum 14. Juli 2017 die „unwiderrufliche Einzahlung einer Eigenkapitalerhöhung in Höhe von 600.000 Euro nachgewiesen werden kann“. Noch am Freitag zeigte sich Hähner optimistisch, dass das Geld zusammenkommt. „Wenn sich alle Partner an die Absprachen und Zusagen halten, ist das Geld bis heute eingegangen. Es muss bis 24 Uhr sichtbar sein“, so der Manager.

"Es hat sich alles als Luftnummer erwiesen"

Der HBF-Vorsitzende Berndt Dugall informierte am Samstag um 9.49 Uhr in einer Rundmail alle Verbandsmitglieder, dass der HCL die erforderlichen Lizenzbedingungen nicht erfüllen konnte. "Seit gut fünf Minuten weiß ich offiziell, dass der HC Leipzig die vom Lizenzschiedsgericht gesetzte Bedingung nicht erfüllen konnte und stattdessen einen Insolvenzantrag gestellt hat", schrieb er darin. "Der Abstieg in die dritte Liga ist damit besiegelt", sagte Dugall der LVZ. Er selbst hatte am frühen Morgen durch einen Vertrauten und später via Twitter erfahren, dass der Club die gesetzten Bedingung nicht erfüllen konnte. "Ich habe daraufhin Herrn Hähner eine Mail geschrieben", so Dugall. In der Antwort wurde ihm mitgeteilt, dass die Schiedsgerichtvorsitzende über einen Anwalt informiert wurde, dass die erforderlichen 600.000 Euro nicht aufgebracht werden konnten.

"Geld ist nicht drauf, habe eben Insolvenzantrag gestellt", teilte HCL-Manager Kay-Sven Hähner am Samstagmorgen der LVZ mit.

Quelle: Christian Modla

HCL-Manager Hähner war am Morgen für Nachfragen der LVZ nicht zu erreichen, seine Handynummer war offensichtlich abgemeldet. "Im Nachhinein muss man, wenn man nicht völlig verblendet ist, zugeben, dass unsere Entscheidung vom Mai, die Lizenz nicht zu erteilen, Substanz hatte", fand Dugall klare Worte. Ein Investor, der laut HCL die Rettung unterstützen sollte, war nach Informationen Dugalls bereits vor der Gerichtsentscheidung in der vergangenen Woche abgesprungen. "Es hat sich letztlich alles als Luftnummer erwiesen", so der HBF-Vorsitzende. Mit der Insolvenz stehe nun fest, dass der Zweitliga-Dritte SG Rödertal für den HCL in die erste Bundesliga nachrücken werde und die SG H2KU Herrenberg in der zweiten Bundesliga verbleibe.

Trainer Rentsch erhebt schwere Vorwürfe

Coach Norman Rentsch kritisierte am Samstag die Club-Führung. "Der Verein hat sich hingestellt und gesagt, dass das wird. Es hieß, Sponsoren sind da. Wir haben Vertrauen in die gesamte Führung gehabt - das kommt jetzt als Schelte zurück", sagte Rentsch dem MDR. Es habe für ihn einige Angebote gegeben, auch aus dem Ausland. "Die Enttäuschung ist groß. Aber ich bin froh, dass es für einige Spielerinnen einen Plan B gibt, sie werden möglicherweise in Rödertal spielen“, so Rentsch.

Stationen des Lizenz-Dramas beim HCL

1. Juni: Die Handball Bundesliga Frauen (HBF)  verweigert dem Verein die Lizenz. Die Bedingung zur Lizenzerteilung sei zum 31. Mai nicht erfüllt worden. Der Verein hat 1,3 Millionen Euro Schulden. Die Leipzigerinnen hatten die Spielberechtigung am 19. Mai nur vorläufig erhalten.

9. Juni: Die Beschwerde des HCL gegen die Nichterteilung der Lizenz wird vom HBF-Vorstand abgewiesen.

16. Juni: Der HCL Leipzig ruft das Schiedsgericht an und zieht damit vor die letzte Instanz.

7. Juli: Das Schiedsgericht unter dem Vorsitz von Sylvia Schenk kippt die beiden vorangegangenen Entscheidungen durch die HBF und den HBF-Vorstand. Die Handball Bundesliga Frauen muss dem Verein die Lizenz erteilen, wenn der HCL bis 14. Juli die unwiderrufliche Einzahlung einer Eigenkapitalerhöhung in Höhe von 600.000 Euro nachweisen kann.

15. Juli: Der Abstieg des HCL in die 3. Liga steht endgültig fest. Die notwendigen 600.000 Euro konnten bis zum Stichtag nicht nachgewiesen werden. Der Verein meldet Insolvenz an.

Ihr Sanierungskonzept hatte die Bundesliga GmbH bis zuletzt nicht öffentlich gemacht. Alle Leistungsträgerinnen verließen den HCL in den letzten Wochen bereits. Der Stadtrat sagte im Mai finanzielle Unterstützung in Höhe von 200.000 Euro zu, allerdings nur dann, wenn eine Sanierung gelingt. Fans hatten zudem insgesamt rund 100.000 Euro gespendet, um den Traditionsclub zu retten. Was mit dem Geld der Unterstützer wird und ob davon noch etwas übrig ist, ist bislang nicht bekannt.

Kerstin Mühlner, im HCL-Präsidium für den Nachwuchs zuständig, zeigte sich von der Insolvenz-Nachricht erschüttert. "Es hat mich erstmal umgehauen. Wir haben alle bis zum Schluss an eine Lösung geglaubt", sagte sie der LVZ. Die 600.000 Euro des ihr namentlich nicht bekannten Investors hätten bereits auf einem Treuhand-Konto gelegen, es habe eine Zusage zur Unterstützung gegeben, erklärt sie. "Wir wurden im Stich gelassen", ärgerte sich Mühlner.

Neustart in der dritten Liga geplant

Hähner hatte das Präsidium laut Mühlner am Morgen in einer WhatsApp-Gruppe über die Insolvenz in Kenntnis gesetzt, ohne konkrete Gründe zu nennen. Für die Zukunft des Vereins soll nun Plan B greifen, der Neustart in der dritten Liga. Dort spielt derzeit das Junior-Team des HCL. "Wir werden alles tun, um die Fortführung des e.V. zu gewährleisten, damit unser Nachwuchs eine Zukunft hat", versicherte Mühlner. Ein Krisentreffen des Präsidiums soll es spätestens Anfang kommender Woche geben.

Von Robert Nößler und Uwe Köster

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