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HCL-Kapitän Kramarczyk: „Müssen beweisen, dass Deutschland ein Team für die Zukunft ist“

Interview nach WM-Aus HCL-Kapitän Kramarczyk: „Müssen beweisen, dass Deutschland ein Team für die Zukunft ist“

Aus im Achtelfinale, Olympia verpasst: Die deutschen Handballerinnen hatten sich bei der WM in Dänemark mehr vorgenommen. HCL-Kapitän Katja Kramarczyk analysiert im Interview die Gründe für das Scheitern, ist aber zuversichtlich für die Zukunft.

Katja Kramarczyk zeigte sich bei der WM in Dänemark als sicherer Rückhalt der deutschen Handballerinnen.

Quelle: dpa

Leipzig. Nach dem Aus im WM-Achtelfinale sind die sechs deutschen Handball-Nationalspielerinnen des HCL am Dienstag wieder nach Leipzig zurückgekehrt. Kapitän und Torhüterin Katja Kramarczyk sprach mit LVZ.de über die Gründe des frühen Ausscheidens, den verpassten Traum von Olympia in Rio und das Ende ihrer Karriere.

Frau Kramarczyk, muss man anerkennen, dass Olympiasieger Norwegen im Achtelfinale einfach noch eine Hausnummer zu groß war, für die junge deutsche Mannschaft?

Wir waren an dem Tag von unserer Leistung her leider nicht nah dran an Norwegen. Grundsätzlich wären sie schon schlagbar gewesen. Aber unsere Probleme waren größer, als ihre Schwächen. Das ist vielleicht auch der mangelnden Erfahrung, mangelnder Eingespieltheit, vielleicht aber auch der individuellen Qualität geschuldet, die wir noch entwickeln müssen.  

Das große Ziel der Nationalmannschaft für die WM war, das Viertelfinale zu erreichen, um an einem Quali-Turnier für Olympia 2016 in Rio teilnehmen zu können. Die Chance wurde vertan. Ist für Sie damit ein großer Traum geplatzt?

Ja, natürlich. Aber im Achtelfinale hat uns einfach noch die Qualität gefehlt. Das müssen wir eingestehen. Gegen Norwegen zu spielen, ist aber auch ein schwieriges Los gewesen. Wir haben es teilweise in dem Turnier geschafft, gute Leistungen zu bringen. Aber wenn man zum Beispiel auf die Partie gegen Frankreich schaut, haben wir schon noch Entwicklungsbedarf, um ganz oben anzuklopfen. Da fehlt noch ein Stückchen.

Die Gesamtbilanz des Turniers: Drei Siege, drei Niederlagen. Was ist hängen geblieben, neben dem überraschend hohen Erfolg gegen die bis dato ungeschlagenen Südkoreanerinnen?

Man hat eine Chance verpasst, weil wir die Olympia-Quali nicht erreicht haben. Trotzdem bin ich positiv gestimmt, weil wir in dem Turnier eine Entwicklung genommen haben. Es war von Anfang an klar, dass es mit den vielen jungen Spielerinnen, die auch noch nie ein großes Turnier gespielt haben und mit dem Fakt, dass wir so als Team auch erst zwei Monate zusammen sind, nicht einfach wird. Aber es ist gelungen, innerhalb von kürzester Zeit ein Team aufzubauen. Gegen so eine große Mannschaft wie Brasilien (amtierender Weltmeister, Anm. d. Red.) sind wir am Ende an kleinen Details gescheitert und haben gemerkt, dass der Abstand gar nicht so groß ist. Wir können daran anknüpfen. Der norwegische Trainer hat es in der Pressekonferenz ganz gut gesagt: Deutschland hat aufhorchen lassen und ist ein Team für die Zukunft. Wir müssen jetzt natürlich beweisen, dass das so ist.

"Zwei Jahre Zeit, um uns wieder an die Weltspitze heran zu wagen"

Die nächste WM 2017 ist schon die vor den eigenen Fans. Nach der verpassten Olympia-Quali wäre die EM 2016 das einzige Turnier, bei dem ihr euch auf diesen Höhepunkt vorbereiten könnt. Ist das angesichts der hohen Erwartungen zu wenig Zeit, um Spielpraxis zu sammeln?

Natürlich hätten wir Olympia gerne mitgenommen und auch nochmal eine ganz andere Drucksituation erlebt, die man im Training nicht imitieren kann. Aber wir haben es nun mal nicht geschafft. Wir haben jetzt zwei Jahre Zeit, um weiter als Team zu wachsen und uns peu à peu wieder an die Weltspitze heran zu wagen.

Sie sind im WM-Spiel gegen Südkorea als beste Spielerin ausgezeichnet worden, Ihre Leistung wurde nach vielen weiteren Partien hervorgehoben. Ist es so, dass man als Torhüterin auch ein gewisses Alter braucht, um auf dem Zenit seines Könnens anzukommen?

Ich finde, dass Clara Woltering (zweite deutsche Torhüterin, Anm. d. Red.) und ich auch schon die Jahre zuvor starke Leistungen gebracht haben. Aber natürlich ist der Erfahrungsschatz, den man über die Jahre angesammelt hat, hilfreich. Es ist ein riesiger Unterschied, ob man sein erstes oder siebentes Großturnier spielt.

Sie sind seit zwei Jahren auch Mutter eines Sohnes. Wie lange wird Katja Kramarczyk noch das Trikot für Deutschland sowie den HCL tragen?

Das weiß ich nicht. Ich habe in Leipzig einen Vertrag bis 2017. Das ist schon noch lange hin. Die Heim-WM ist natürlich im Kopf und im Fokus. Das könnte ein Abschluss sein. Das entscheidet dann sicher auch die körperliche Situation und die psychische Verfassung, also die Motivation.

"Erfahrungen für den HCL mitnehmen"

Der HCL hat mit sechs Spielerinnen den Großteil der deutschen Nationalmannschaft bei der WM gestellt. Ist das mit Blick auf die fortlaufende Saison ein Nachteil, durch die große Belastung oder eher ein Vorteil, durch die hinzugewonnene Erfahrung?

Es ist zweigeteilt. Mit drei Vorbereitungsspielen sowie sechs Partien bei der WM hat man neun Spiele mehr auf dem Konto. Aber die Topspieler von allen Topclubs sind nun mal bei den Großereignissen vertreten. Wir trainieren dafür, um an solchen Turnieren teilnehmen zu können. Umso schöner auch für den HCL, dass so viele Spielerinnen dabei waren. Das ist ja auch gleichzeitig ein Dank an alle, für die Arbeit im Verein.

Die Frage ist natürlich, wie wir jetzt regenerieren. Aber durch das frühe Ausscheiden und den Weihnachtsurlaub bis zum 27. Dezember sollte genug Zeit sein. Ich sehe keinen riesen Nachteil. Die Erfahrungen, die vor allem unsere jungen Spielerinnen gemacht haben, sollen sie für den HCL mitnehmen. Für eine Alex Mazzucco ist es zum Beispiel eine wahnsinnig geile Erfahrung gewesen. Sie hat sich jetzt absolut im Nationalteam etabliert.

Interview: Anne Grimm

Die zweite HCL-Kapitänin Karolina Kudlacz-Gloc läuft derweil bei der WM weiter zu Hochform auf. Die 30-Jährige führte am Abend die polnische Auswahl zu einem sensationellen 21:20 (11:9)-Erfolg gegen den Titelfavoriten Russland und steht im Halbfinale. "Karo hat überragend gespielt, sie lag hinterher vollkommen fertig mit Krämpfen am Boden", so HCL-Manager Kay-Sven Hähner: "Aber sie war glücklich, wurde von ihren Emotionen völlig übermannt."  

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