Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

HC Leipzig
Google+ Instagram YouTube
HCL-Spielerin: Vom Rollstuhl in die Nationalmannschaft

Saskia Lang HCL-Spielerin: Vom Rollstuhl in die Nationalmannschaft

Saskia Lang agiert beim HC Leipzig wie ein echter Draufgänger - angesichts ihrer Erfahrungen keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Mit 14 Jahren drohte ihr ein Leben im Rollstuhl.

Lässt sich nicht unterkriegen: Saskia Lang vom HCL.

Quelle: Modla

Leipzig. War es eine Feldspielerin? Oder doch die Torhüterin? Saskia Lang hat schließlich aufgehört, darüber nachzudenken, mit wem sie letztlich zusammengestoßen ist, als sie bei einem Konter den Ball fangen wollte. Es hätte auch nichts mehr geändert, ihre Wirbelsäule ist verdreht, Nerven sind eingeklemmt. Sie spürt ihre Beine nicht mehr, kann nicht mehr laufen und sitzt nach diesem Handballspiel im Rollstuhl. Mit gerade 14 Jahren und ungewissem Ausgang.

Der Unfall passierte beim Spiel der B-Jugend zwischen ihrer Baseler Mannschaft und Mulhous. Saskia Lang besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft, ihrer Mutter ist Schweizerin, ihr Vater Deutscher. Sie wuchs im Grenzach, im Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Schweiz, auf und absolvierte im Nachwuchs auch einige Länderspiele für die Eidgenossen. Daran war nicht zu denken, als der Unfall passierte.

Doch nach etwa drei Monaten kann Saskia Lang wieder laufen. Die Familie atmet auf und hält ein bisschen den Atem an, und sie den Weg in die Halle wieder relativ schnell einschlägt. Es geht alles gut, der Zusammenstoß beim Konter bleibt ohne Folgen.

Was nicht selbstverständlich ist, wie das Beispiel Joachim Deckarm zeigt. Der Weltmeister von 1978 war bei einem Europapokal-Spiel seines VfL Gummersbach am 30. März 1979 in Tatabanya mit einem Gegner zusammengestoßen, auf den harten Untergrund geprallt und hatte schwere Gehirnschäden erlitten. Er lag über 130 Tage im Koma und ist bis heute auf Pflege angewiesen.

"Ich hatte ziemliches Glück"

Saskia Lang hat Aufnahmen von seinem Unfall gesehen. "Ich weiß, dass ich alles in allem ziemliches Glück hatte", sagt sie. Es wäre nicht verwunderlich, hätte sie danach das Handballspielen ein bisschen vorsichtiger angehen lassen. Doch das war und ist nicht ihre Art. Erspäht sie eine Lücke, steht der Gegner etwas zu defensiv, dann wird nicht lange gefackelt. Ausgestattet mit einer bemerkenswerten Sprung- und Wurfkraft, gepaart mit beachtlicher Schnelligkeit, klatscht keine Gegnerin vor Freude in die Hände, wenn sie weiß, dass Saskia Lang heute im linken Rückraum der Gegenüber ist.
Die deutsche Bundesliga war immer ihr großes Ziel. "Am liebsten Bayer Leverkusen oder der HC Leipzig." Doch zunächst wurde es St. Gallen, wo sie auch Grafik und Design studierte. In der Schweiz stieß sie an sportliche Grenzen, es folgte der Wechsel ins deutsche Oberhaus nach Blomberg und 2011 nach Leipzig. Diesen Schritt hat sie nie bereut und die Draufgängerin beim HCL kann sich vorstellen, ihre Laufbahn in Sachsen zu beenden. Im nächsten Jahr läuft ihr Vertrag aus. Einen Wechsel in ein anderes Bundesliga-Team entspricht nicht ihrer Planung. "Hier stimmt für mich einfach alles", lautet die Begründung.

Nur das Ausland könnte locken

Gut, bei einer Offerte aus dem Ausland würde die 29-Jährige vielleicht noch einmal überlegen. Aber das müsste schon ein besonders, kein 08/15-Angebot sein. "Ich fühle mich einfach wohl in Leipzig." Sie kennt alle Ecken der Stadt, vor allem auch die grünen, die sie bei Spaziergängen mit ihrer Jagdhündin Lola erkundet. Vor allem aber spürt sie, wie sich die Mannschaft unter Trainer Norman Rentsch entwickelt. "Hier ist viel Herzblut dabei. Und wir sind auch noch in den nächsten Jahren in der Lage, um den Titel mitzuspielen oder ihn gar zu holen." Seit dem letzten Wochenende sind die Chancen für den HCL größer geworden, dass es vielleicht in diesem Jahr mit der Meisterschaft klappt. "Und dann haben wir ja noch den Heimvorteil in der Pokalendrunde", gibt sich die 66-fache Nationalspielerin (60 Tore) kämpferisch. "Da ist es völlig egal, wer gegen uns im Halbfinale steht."
Zur Erinnerung: Der HCL trifft in der Vorschlussrunde auf den THC, der sein Punktspiel zuletzt in Leipzig 34:30 gewann. Saskia Lang ficht die Niederlage nicht an. "Wir haben über 30 Minuten richtig gut gespielt und gezeigt, über welches Potenzial wir verfügen. Das können wir wieder abrufen."
Eine Woche vor der Pokalendrunde bestreitet der HCL am 14. Mai sein letztes Punktspiel beim THC. Wer mit Saskia Lang redet, spürt regelrecht, wie sehr sie sich auf diese Partien freut. Wie auch auf die nächsten Einsätze mit der Nationalmannschaft unter dem neuen Bundestrainer Michael Biegler, der sie bei seinem Besuch in Leipzig beeindruckt hat. "Mit seiner Ehrlichkeit und mit seinem Herangehen." Vor allem freut sie sich auch auf das Länderspiel am 1. Juni im Rahmen der EM-Qualifikation. Kein Wunder. Gegner ist die Schweiz, Austragungsort St. Gallen - für Saskia Lang kein Kontrahent und kein Ort wie jeder andere.
Winfried Wächter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News