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Heine Jensen im Interview: "Eigentlich müsste ich weglaufen"

Heine Jensen im Interview: "Eigentlich müsste ich weglaufen"

Heine Jensen geht in seine dritte Saison als HCL-Trainer. Der Däne erwartet einen spannenden Meisterschafts-Verlauf und von seiner Mannschaft, dass sie um den Titel spielt.

Am Sonnabend (15 Uhr) bestreitet der HCL in der Arena den Auftakt gegen Rosengarten.

 

Frage: Wie enttäuscht sind Sie von HCL-Manager Kay-Sven Hähner?

 

Heine Jensen: Warum sollte ich enttäuscht von ihm sein?

 

Weil Sie in diesem Jahr nach dem Wechsel von Susann Müller im rechten Rückraum ohne Linkshänderin auskommen müssen. Das ist für jemand, der große Ambitionen hat, eine wichtige Position.

 

Da muss man aber realistisch sein. Es gibt nicht viele Linkshänderinnen auf hohem Niveau. Bei dem Rahmen, in dem wir uns bewegen, haben wir keine Möglichkeiten, da vielleicht jemand rauszukaufen.

 

Wer hat solche Möglichkeiten?

 

Larvik, Viborg, Györ, Valcea, früher auch Hypo Wien. In Spanien tut sich einiges im Frauen-Handball. Und Russland hat von vornherein eine größere Auswahl an Spielerinnen auf Grund seiner vielen Einwohner.

 

Danach kommt aber schon Deutschland. Wo sehen Sie hier den Stellenwert des Frauenhandballs?

 

Es ist hier ein populärer Sport, aber für speziell Interessierte. In Leipzig ist das anders. Da ist die Aufmerksamkeit viel größer als anderswo. Im vorigen Jahr haben uns 500 Fans nach Leverkusen zum Meisterschafts-Endspiel quer durch Deutschland begleitet, um uns zu unterstützen. Das ist unglaublich. Deshalb genieße ich jeden Tag, an dem ich hier arbeiten kann.

 

Um wieder Meister zu werden?

 

Sicher wollen wir alles tun, um den Titel zu verteidigen. Auch ohne Linkshänderin auf dieser Position. In der Vorbereitung haben wir gezeigt, dass wir gut damit zurechtkommen. Wir haben aber auch gesehen, dass wir gegen jeden verlieren können, wenn wir nicht 100 Prozent geben oder nicht alle an Bord haben. Es wird eine spannende Saison, für uns ist es eine

große Herausforderung. Wir wollen variabel spielen, um das Fehlen einer Linkshänderin zu kompensieren.

 

Was heißt variabel?

 

Es soll während des Angriffs die Position gewechselt werden, damit sich der Gegner nicht von vornherein darauf einstellen kann, wer zum Beispiel im rechten Rückraum spielt. Es muss nicht immer Sara Eriksson sein, die sich zuletzt mit Susann Müller ergänzt und auch schon einige Länderspiele für Schweden bestritten hat.

 

Hätten Sie gerne Nora Reiche, ehemalige Leipzigerin und Linkshänderin, in Ihrer Mannschaft gesehen, die jetzt in Erfurt spielt?

 

Darüber mussten wir nicht lange nachdenken. Es war relativ schnell klar, dass sie nach Erfurt geht. Nora kam aus Dänemark, hatte dort einen guten Vertrag. Das wäre für uns bestimmt zu teuer geworden

 

Hat es die Finanzkrise in Dänemark nicht gegeben?

 

Dort haben zu viele mittelmäßige Spielerinnen, und damit meine ich ausdrücklich nicht Nora, zu viel Geld verdient. Das ist jetzt sicher ein bisschen anders geworden. Aber dass die richtig Guten gut verdienen, das soll auch so sein. Ich könnte mir schon vorstellen, dass einige zurückkommen. Aber das hängt auch davon ab, wo man sein Nest gebaut hat.

 

Wo ist Ihr Nest?

 

Unser Plan ist, irgendwann nach Norwegen zu gehen. Das ist Mettes Heimat und ein wunderschönes Land.

 

Mette Ommundsen, zur Zeit verletzt, ist Ihre Partnerin und gleichzeitig HCL-Rechtsaußen. Ist das kein Problem für die Beziehung?

 

Wir können das trennen. Zu Hause wird nicht so viel über Handball geredet. Ich schaue mir viel mehr Spiele im Fernsehen als Mette an.

 

Sie sind in Ihren beiden Jahren als HCL-Trainer zweimal Meister geworden. Haben Sie darüber nachgedacht, jetzt aufzuhören?

 

Eigentlich müsste ich weglaufen. Nein, im Ernst. Es macht großen Spaß, ich freue mich auf diese neue Mannschaft. Als ich vor zwei Jahren kam, sind auch wichtige Spielerinnen wie Else Marthe Sørlie-Lybekk gegangen. Da hatte uns kaum jemand die Meisterschaft zugetraut.

Wie enttäuscht sind Sie, dass der HCL keine besseren finanziellen Möglichkeiten hat?

 

Es sollte nicht alles vom Geld abhängig sein. Und man sollte sich persönlich selbst auch nicht vom Geld abhängig machen, nur darauf fixiert sein, möglichst viel zu verdienen. Ich kann mich sehr darüber freuen, wenn Spielerinnen besser werden. Sollten andere Mannschaften besser sein, kann ich das akzeptieren. Ich bin ausbalanciert. Wenn wir denken, die Welt bricht zusammen, weil wir ein Spiel verloren haben, dann geht es uns gut.

 

Das klingt nicht sonderlich ehrgeizig, oder?

 

Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer gewinnen will. Aber es geht immer weiter, auch wenn ein Spiel verloren wurde oder eine Mannschaft nach einer Saison wichtige Spielerinnen verliert. Was ich aber möchte ist, dass der Handball seine Bedeutung behält oder sie möglichst weiter wächst. Er ist so ein schöner Sport. Deshalb finde ich sehr bedauerlich, was mit der Männer-Mannschaft von Concordia Delitzsch passiert ist. Das ist schade für den Osten.

 

Ihnen als Däne könnte es doch egal sein, wie es um den deutschen Männer-Handball in Ost und West bestellt ist.

 

Mir ist es nicht egal, weil es um Handball geht. Es ist für keine Sportart gut, wenn sie in einem großen Teil des Landes nicht mehr vertreten ist. Das habe ich auch in Dänemark erlebt, als rund um Kopenhagen der Handball an Bedeutung verlor. Eine solche Entwicklung hilft der Sportart nicht.

 

Sie sind gerade 33 Jahre alt. Wollen Sie für immer Handball-Trainer sein?

 

Da muss man sehen, was sich alles ergibt. Manchmal geht es schnell, und es kommt zu Veränderungen. Aber ich könnte mir gut vorstellen, später vielleicht mit Jugendlichen zu arbeiten, die - so heißt das wohl auf deutsch - auf die schiefe Bahn geraten sind. Eine Art Sozialarbeit wäre das. Das würde mir glaube ich auch gefallen.

 

Wann wollen Sie damit beginnen?

 

Das ist Zukunft. Ich arbeite ja hier, und das wie gesagt sehr gern. Jetzt kommt die neue Saison, und wir freuen uns alle darauf.

r.

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