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Keine Lizenz: HC Leipzig muss in die dritte Liga absteigen

Handball-Bundesligist Keine Lizenz: HC Leipzig muss in die dritte Liga absteigen

Es ist amtlich: Dem HC Leipzig steht der Zwangsabstieg in die 3. Liga bevor. Der wirtschaftlich schwer angeschlagene Bundesligist konnte die Lizenzbedingungen der Handball-Bundesliga nicht erfüllen.

Alexandra Mazzucco im HCL-Dress kann es nicht fassen (Archivbild)

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Donnerstagnachmittag, 15.59 Uhr, ging eine E-Mail von der Vereinigung Handball Bundesliga Frauen (HBF) ein. Kurz nur, aber mit welcher Nachricht: „Der HC Leipzig erhält keine Lizenz zur Teilnahme am Spielbetrieb der Handball Bundesliga Frauen für die Saison 2017/18, da er die aufschiebende Bedingung bis zum 31.05.2017 (Ausschlussfrist) nicht erfüllt hat.“ Die Konsequenz steht im letzten Satz: „Mit dieser Entscheidung zählt der HC Leipzig formal als Absteiger in die dritte Liga.“

Ein Schock. Beim HCL war man bis zuletzt optimistisch, die Lizenz doch noch zu bekommen. Am Mittwoch hatte der Verein entsprechende Unterlagen an den HBF-Vorsitzenden Berndt Dugall übergeben. Nun erwägt der HCL, in Einspruch zu gehen. „Die Geschäftsführung prüft in der verbleibenden Einspruchsfrist (bis 2. Juni 2017) Möglichkeiten und Chancen einer Beschwerde gegen diese Entscheidung“, heißt es in einer Mitteilung. Zu weiteren Stellungnahmen war von der HCL-Führung gestern niemand bereit. Dass Beschwerde eingelegt wird, gilt als wahrscheinlich.

Der mit 1,3 Millionen Euro verschuldete HC Leipzig hatte die Lizenz am 19. Mai unter einer aufschiebenden Bedingung erhalten. Notwendig war die vollständige Erfüllung des als Grundlage für die positive Zuschussentscheidung der Stadt Leipzig (200.000 Euro) notwendigen Sanierungskonzeptes. Konkret hieß das, der HCL musste eine Million Euro aufbringen. Um diesen Betrag zu stemmen, sollten laut Manager Kay-Sven Hähner 600.000 Euro von privaten Investoren fließen, 300.000 Euro sind Gläubigerverzichte, 100.000 Euro sollten vom Unterstützerkonto kommen.  Als Frist war der 31. Mai gesetzt. Offenbar sind die avisierten Gelder der Investoren bis zum Stichtag nicht oder nicht vollständig eingegangen.

Die Voraussetzungen für Teilnahme sind nicht erfüllt

Denn in der HBF-Mitteilung heißt es: „Da dies innerhalb der gesetzten Frist nicht nachgewiesen werden konnte, sind die Voraussetzungen für eine Lizenzerteilung und die Teilnahme am Spielbetrieb für die Bundesligen in der Saison 2017/18 nicht erfüllt.“

Berndt Dugall begründete gegenüber der LVZ die Entscheidung des Ligavorstandes so: „Wir müssen  uns  nicht an dem orientieren, was sein könnte, sondern an dem, was ist. Und die gestellten Bedingungen für die Erteilung der Lizenz hat der Verein nicht erfüllt. Sie können mir glauben, dass mir diese Entscheidung sehr schwer gefallen ist. Es ist aber nun einmal so. Man konnte es nicht mehr aufhalten.“  Die Bundesliga werde nun mit 13 Vereinen gespielt. Zu den Erfolgschancen einer Beschwerde sagte Dugall nur: „Ich will die rechtlichen Dinge nicht bewerten.“  Aus der Männer-Bundesliga gibt es Beispiele, dass sich Vereine, denen die Lizenz verweigert wurde, juristisch in die Bundesliga geklagt haben.

Wie es beim HC Leipzig konkret weitergeht, ist unklar. Offenbar gibt es keinen Plan B, man war von der Lizenzerteilung ausgegangen. „Ich hatte bis zuletzt gehofft“, sagte ein tief enttäuschter Trainer Norman Rentsch und schob hinterher: „Es musste ja mal in die Hosen gehen.“  Er und die Spielerinnen werden wohl den Weg zum Arbeitsamt gehen müssen. Eine Insolvenz, die seit Langem droht, scheint wieder denkbar. Es sei denn,  die Beschwerde hat Erfolg oder die Investoren finden sich auch mit der 3. Liga ab.

Viele Spielerinnen verließen die Mannschaft bereits

Auf jeden Fall droht ein Ausverkauf des verbliebenen Restes der Mannschaft.  Mit Shenia Minevskaja, Anne Hubinger, Franziska Mietzner, Karolina Kudlacz-Gloc, Luisa Sturm sowie Saskia Lang stand der Abgang von sechs Spielerinnen  bereits fest. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Lizenz-Verweigerung wurde spekuliert, dass Joanna Rode eventuell nach Leverkusen wechselt und Nele Reimer nach Oldenburg. Ob Coach Rentsch in der dritten Liga weitermacht, ist auch ungewiss. Wie so vieles seit gestern beim einstigen sportlichen Aushängeschild.

Schon im Lauf der Saison 2016/2017 verließen viele der Leistungsträgerinnen die Mannschaft um Trainer Norman Rentsch. Luisa Schulze wechselte kurz nach Saison-Beginn unvermittelt zum späteren Deutschen Meister, der SG BBM Bietigheim. Nationaltorhüterin Katja Kramarczyk wechselte im Winter zu Bayer Leverkusen. Auch Saskia Lang, Karolina Kudlacz-Gloc und Shenia Minevskaja verlassen die Blau-Gelben.

Von Uwe Köster /joka

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