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Kramarczyk: „Habe auch Verantwortung für meine Zukunft und die Familie“

Abschieds-Interview mit Ex HCL-Kapitän Kramarczyk: „Habe auch Verantwortung für meine Zukunft und die Familie“

Nationaltorhüterin Katja Kramarczyk spricht nach ihrem Wechsel vom HCL zu Bayer 04 Leverkusen über die Gründe ihrer Entscheidung, das große Ziel Heim-WM sowie die monatelange Unsicherheit beim HC Leipzig.

bereits am Samstag wird Katja Kramarczyk das erste Mal mit Bayer Leverkusen in der Bundesliga um Punkte kämpfen.

Quelle: Sebastian Brauner

Leipzig. Auf dem Weg nach Leverkusen nahm sich Katja Kramarczyk am Donnerstag Zeit für ein Abschluss-Interview mit der LVZ. Anschließend absolvierte die Ex-HCL-Kapitänin das erste Training bei ihrem neuen Verein Bayer 04. Dort hat die Nationalspielerin einen Vertrag bis zum 30. Juni 2018 unterschrieben. Es ist erst der zweite Wechsel in ihrer langen Karriere. Die 32-Jährige redet über ihre Beweggründe, das Ziel WM 2017 im eigenen Land und die bleibenden Erinnerungen, nach achteinhalb Jahren HC Leipzig. Den Kapitänsposten bei ihrem Ex-Verein hat vorerst Alexandra Mazzucco übernommen.  

Wie ist die Gefühlslage, einen Tag nach der Bekanntgabe, dass Sie den HCL verlassen?

„Die letzten Tage waren schon krass, ich fühl mich immer noch aufgewühlt. Ich kenne den Verein und alle Mitarbeiter sehr gut. Mit vielen Spielerinnen habe ich tolle Moment erleben dürfen. Es war ein schwerer Gang, den HCL zu verlassen.“

Wie ist die Entscheidung gereift?

„Der HCL hat ja heute öffentlich gemacht, dass es schwierige Umstände gibt. Mit denen sind wir als Mannschaft viele Monate konfrontiert worden. Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich mit dieser Unsicherheit mein Ziel, die WM 2017 im eigenen Land, erreichen kann. Ich hab die Frage mit dem Wechsel beantwortet und entschlossen, mich verändern zu wollen.“

Warum ist Bayer Leverkusen der neue Verein geworden?

„Es ist ein Traditionsverein, der für konstant gute Arbeit bekannt ist. Außerdem habe ich mit Andreas Thiel einen Torwarttrainer an meiner Seite, der mir neue Impulse geben wird. Ich habe auch eine Verantwortung für meine Zukunft und meine Familie. Um das in Einklang zu bringen, sind viele Optionen für Wechsel weggefallen. Leverkusen ermöglicht mir in Absprache ein individuelles Konzept. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich kann mein Studium, im Oktober habe ich einen Master für angewandte Sportpsychologie in Halle begonnen, weiter machen und meine Familie kann hier in Leipzig bleiben. Es besteht die Möglichkeit, dass mein Sohn und mein Mann bei den Heimspielen am Wochenende dabei sind. Familie hat für mich absolute Priorität.“

Wie kann man sich das individuelle Konzept genau vorstellen?

„Ich bin bei jedem Spiel dabei. Werde auch für die optimale Vorbereitung vor Ort sein. Einige Komponenten wie Athletik und Kraft lassen sich auch in Leipzig trainieren. Ich habe in beiden Städten Experten an meiner Seite, die mir auch dabei helfen. Die Details müssen wir dann in den nächsten Tagen klären.“

Sie haben immer wieder betont, was für eine enorme Bedeutung die Heim-WM 2017 für Sie hat…  

„Es ist für einen Menschen extrem wichtig, Ziele im Leben zu verfolgen. Als bekannt gegeben wurde, dass die WM im eigenen Land stattfindet und der Spielort Leipzig ist, war das ein ganz starker Anreiz. Ich will am Ende nicht infrage stellen müssen, ob ich für dieses Ziel alles getan habe.“

Trotz der schwierigen Situation sind alle anderen im HCL-Team geblieben.

„Jeder ist selbst für seine Situation und die Entscheidung die er trifft, verantwortlich. Ich habe mir die Frage gestellt, für mich war das die richtige Antwort.“

Sie haben noch die glorreichen Zeiten mit vielen Titeln und dem HCL als sportlichem Aushängeschild der Stadt erlebt. Wie weh tut es, zu sehen, dass der Verein in solchen Schwierigkeiten steckt?

„Ich hoffe ganz stark, dass die Vereinsführung eine Lösung findet, um den HCL weiter am Leben zu halten. Auch aufgrund der Tradition und der langen Vorherrschaft. Und dass der HCL an seine sportlichen Erfolge in Zukunft anknüpfen kann.“

  Was bleibt nach achteinhalb Jahren am stärksten in Erinnerung?

 „Vor allem die Menschen, die man kennen gelernt hat. Der Sport bringt besondere Momente mit sich. Man sieht sich nicht nur täglich, sondern es ist auch alles sehr emotional. Man hat viele Siege und Niederlagen gemeinsam erlebt und viele Freude gefunden, die man vermissen wird. Das bleibt tief im Herzen drin. Sportlich waren die beiden Meisterschaften und das Europapokal-Endspiel 2009 die Höhepunkte. Das handballverrückte Publikum in der Arena und die Fans, die immer hinter dem HCL stehen, werden mir auch in tiefer Erinnerung bleiben.“

Ihr neuer Vertrag läuft bis Juni 2018 – was kommt danach?

„Für mich ist jetzt erstmal dieses eine sportliche Ziel wichtig. Wenn das erreicht ist, muss ich mich auch neu aufstellen. Deshalb werde ich erst nach der WM über die Zukunft entscheiden.“

Interview: Anne Grimm

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