Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

HC Leipzig
Google+ Instagram YouTube
Kramarczyk und Schmidt im Interview: "Wird das ein Trickser oder macht es Bumm?"

Erfolgreiches Gespann beim HCL Kramarczyk und Schmidt im Interview: "Wird das ein Trickser oder macht es Bumm?"

HCL-Kapitän Katja Kramarczyk (31) und Torwarttrainer Wieland Schmidt (62) sind seit vielen Jahren ein erfolgreiches Gespann. Die zweimalige Handballerin des Jahres (2012 und 2014) und der Olympiasieger von 1980 vor dem EHF-Cup-Spiel im Inteview.

HCL-Torwarttrainer Wieland Schmidt (62) und HCL-Kapitän Katja Kramarczyk (31) sind ein erfolgreiches Gespann.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. HCL-Kapitän Katja Kramarczyk (31) und Torwarttrainer Wieland Schmidt (62) sind seit vielen Jahren ein erfolgreiches Gespann. Die zweimalige Handballerin des Jahres (2012 und 2014) und der Olympiasieger von 1980 sprechen über ihre Anfänge als Torhüter, die besondere Herausforderung zwischen den Pfosten und ihre Lieblingsposition als Feldspieler. Am Sonntag will der HCL im Viertelfinal-Rückspiel des EHF-Cups in Dessau (Anwurf 15 Uhr) gegen Metzingen die 24:25-Hinspielniederlage korrigieren.

Warum geht man ins Handball-Tor, lässt sich die Bälle um die Ohren werfen und weiß, dass es gefährlich werden kann?
Katja Kramarczyk: Darüber denkt man nicht nach, wenn man sich für die Sportart und dann fûr die Position entscheidet. Ich hatte als Kind zunächst Karate und kurze Zeit Judo betrieben, und wollte in Frankfurt/Oder aufs Sportgymnasium. Das war in der Wendezeit, als die früheren Kinder- und Jugendsportschulen für nahezu alle Sportarten geöffnet wurden. Aber dann hieß es plötzlich, dass es doch nichts wird. So kam ich zum Handball zu Wolfgang Dahlmann, dem ich viel zu verdanken habe, und landete gleich im Tor. Ich war damals zwölf Jahre alt und mir hat die Karate-Ausbildung sehr geholfen. Angst vor Körpertreffern hatte ich jedenfalls keine.

Wieland Schmidt: Auch ich war zu Hause in Ottersleben kurzzeitig Judoka. Aber mein Vater war Handballer, da lag es nahe, dass ich auch dorthin kam. Ich wollte erst Tore werfen. Das will ja wahrscheinlich fast jeder. Eines Tages tauchte der Magdeburger Nationalspieler Udo Röhrig in unserer Schule auf und berichtete von seinen Auslandsreisen, was mich schwer beeindruckte. Zum Abschluss warf er gegen mich Bälle aufs Tor und ich hielt alle. Natürlich machte er das mit Absicht, aber er erkannte, dass ich mich nicht ganz dumm anstellte und mir hatte das auch gefallen.

Was zeichnet einen guten Torhüter aus?
Katja Kramarczyk: Er muss immer hochkonzentriert sein und die Gegner genau beobachten. Wie hält er den Ball, wo bewegt er den Arm? Daraus lässt sich erkennen, wo der Ball landet und man kann sich darauf einstellen.
Wieland Schmidt: Wichtig ist natürlich, dass er mit den Deckung zusammenarbeitet und sie dirigiert. Das macht Katja zu Beispiel auch hervorragend.

Aber athletisch ist der Feldspieler doch wesentlich mehr gefordert, oder?
Katja Kramarczyk: Diesem Vergleich können wir Torhüter standhalten, so schlecht sind unsere athletischen Werte nicht. Das muss auch so sein, denn ohne Fitness funktioniert es nicht. Bei der Grundlagenausdauer liegen wir zwar meistens nicht ganz vorn, aber sonst?

Wieland Schmidt: In der DDR-Nationalmannschaft gehörten mein langjähriger Torwart-Kollege Siggi Voigt und ich immer zu den Besten bei den Athletik-Tests.

Aber war das zu Ihrer Zeit überhaupt nötig? Damals wurde doch wesentlich langsamer gespielt.
Wieland Schmidt: Langsamer gespielt wurde, das stimmt. Aber als Torhüter musst du ständig mit dem Wurf rechnen, auch wenn der Angriff des Gegners gefühlte fünf Minuten dauert. Um im Kopf richtig fit zu sein und die richtige Entscheidung zu treffen, war auch damals ein perfekter athletischer Zustand notwendig. Und heute bist du noch häufiger am Boden, sicherst den Ball, und bringst den Ball möglichst schnell ins Spiel, so wie das Katja perfekt beherrscht.

Katja Kramaczyk: Es gibt so viele Würfe aufs Tor, so viele Varianten, mit denen man immer rechnen muss. Und gerade bei Würfen direkt von Außen oder vom Kreis fragt man sich immer: Wird das ein Trickser oder macht es Bumm?

Wie schmerzhaft ist es, wenn es am Kopf Bumm macht?
Wieland Schmidt: Wenn der Ball direkt an der Stirn landet, sieht es möglicherweise schlimmer aus, als es ist. Gefährlicher ist es, wenn du mitten im Gesicht getroffen wirst. Da ist die Härte des Wurfs auch nicht mehr unbedingt entscheidend. Aber ein Ball, der mit bis zu 120 km/h an der Nase landet, schüttelt dich schon durch. Ich hatte zum Glück nur einmal deshalb eine größere Verletzung nach einem Loch in der Netzhaut.

Katja Kramarczyk: Ich weiß es nicht genau, aber bei uns Frauen beträgt die höchste Geschwindigkeit des Balles vielleicht 80 km/h oder auch etwas mehr. Wobei ich sagen muss, dass nach meinem Empfinden die Treffer an den Kopf immer mehr abnehmen. Auch wenn es manchmal sehr eng zugeht. Dass jemand mit Absicht ins Gesicht des Torhüters wirft, glaube ich nicht.

Welche Position würden Sie gerne mal im Feld übernehmen?
Katja Kramarczyk: Prinzipiell würde mir vermutlich das Durchsetzungsvermögen fehlen, so dass ich mich im Tor schon gut aufgehoben fühle. Aber wenn, dann wäre es der mittlere Rückraum. Das Spiel zu leiten und anzukurbeln, das würde mir gefallen.

Wieland Schmidt: Das kann ich mir vorstellen, Katjas Übersicht sieht man auch, wenn wir Fußball spielen. Und bei mir - ich bin Linkshänder - wäre es die Rechtsaußenposition. Dort habe ich früher im Training oft gespielt und fand mich gar nicht so schlecht. Andere haben das bestätigt. Und Siebenmeter habe ich auch gerne geworfen.

Haben Sie gerne in Dessau gespielt?
Wieland Schmidt: Das hat wahrscheinlich jeder DDR-Handballer, weil die Halle für damalige Verhältnisse recht groß war und immer tolle Stimmung herrschte. Und 1986 hatte ich bei einem Länderspiel in Dessau gegen Spanien eine Quote von 75 Prozent gehaltener Bälle. So etwas vergisst man schon gar nicht.

Katja Kramarczyk: Ich spiele auch sehr gerne dort und freue mich auch immer über die Stimmung. Man merkt schon, dass da ein Handballpublikum mit großer Fachkenntnis sitzt. Und ich bin sicher, wir werden auch diesmal wieder hervorragend unterstützt.

Interview: Winfried Wächter

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
Unsere Partner

Dramatik und Action pur - das bietet das Videoportal der Handball Bundesliga Frauen. HBF-VIDEO.net präsentiert die spannendsten Spiele in bewegten und bewegenden Bildern. mehr