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Schuldenberg beim HC Leipzig – Stadt pocht vor Hilfe auf Sanierungskonzept

Finanzielle Krise Schuldenberg beim HC Leipzig – Stadt pocht vor Hilfe auf Sanierungskonzept

Der HC Leipzig hat 900.000 Euro Schulden angehäuft und bangt um seine Existenz. Die Macher hoffen auf Hilfe aus dem Rathaus, die Stadt pocht aber vorerst auf ein schlüssiges Sanierungskonzept.

HCL-Trainer Norman Rentsch, Moderator Roman Knobloch und HCL-Manager Kay-Sven Hähner (v.l.n.r.) am Donnerstag in der Arena Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Handball-Bundesligist HC Leipzig steckt nach eigenen Angaben in einer finanziellen Krise. Wie Manager Kay-Sven Hähner am Donnerstag auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz in der Arena Leipzig bekannt gab, plagen den Verein Verbindlichkeiten in Höhe von 900.000 Euro. „Die Lage ist ernst, wir müssen dicke Bretter bohren, aber die Lage ist nicht aussichtslos“, so Hähner. Zahlungsunfähig sei der HC Leipzig trotz prekärer Lage nicht, zum Teil hätten Gläubiger Stundungen zugestimmt und Gespräche mit Darlehensgebern stattgefunden. Auch eine Pfändung des Vereinskontos bestehe aktuell nicht, so der HCL-Manager.

Für seine Rettung benötige der Bundesligist nun aber Hilfe von außen. Zum einen haben die HCL-Verantwortlichen dabei offenbar die Stadt Leipzig im Blick. Wie Hähner am Donnerstag sagte, gab es bereits Gespräche über mögliche Optionen mit Stadtvertretern. Am kommenden Freitag sei zudem ein Termin bei Leipzigs Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) eingeplant. „Ziel ist es, die 900.000 Euro schnell zu entschulden, aber wir sind nicht zur Stadt gegangen und haben gesagt: Wir brauchen jetzt eine Summe X“, so der HCL-Manager weiter.

Kommune pocht auf Sanierungskonzept – Zeit drängt

Wie LVZ.de am Nachmittag erfuhr, ist der Termin am Freitag im Rathaus eigentlich ein Gespräch zwischen dem HCL und zwei möglichen Sponsoren, zu dem Hähner auch den Sportbürgermeister hinzugebeten hat. Rosenthal habe hier eher moderierende Funktion. Denn bevor überhaupt über eine kommunale Unterstützung für den HCL gesprochen werden könnte, müsse der Verein erst einmal ein aussagekräftiges, schlüssiges und strukturiertes Sanierungskonzept vorlegen. Erst danach könnte die Stadtverwaltung eine Vorlage erarbeiten, die dann noch im Stadtrat beraten und beschlossen werden müsste, erklärte ein Sprecher von Rosenthal.

Für den Gang durch die Instanzen bleibt allerdings kaum Zeit. Denn wie die HCL-Verantwortlichen erklärten, ist der 30. März bereits ein wichtiger Meilenstein bei der angestrebten Rettung. An diesem Tag muss der Bundesligist seine Unterlagen für die Lizenzierung der nächsten Saison abgeben und darin auch plausibel nachweisen, wie bis zum Saisonende mindestens 500.000 Euro der Verbindlichkeiten getilgt werden können. Falls das nicht gelingt, wird der vierfache Europapokalsieger im Oberhaus keine Spielberechtigung mehr erhalten.

Unterstützungskonto für Fans

Wohl auch angesichts der kurzen Zeit hoffen die HCL-Macher auch andere Partner mit ins Rettungsboot lotsen zu können. So baten die Vereins-Verantwortlichen am Donnerstag auch Fans um ihre ganz persönliche finanzielle Unterstützung. Wie Hähner sagte, sei dazu ein Konto eingerichtet worden, auf dem jedermann Geld für die geplante Entschuldung einzahlen könne. Dieses Konto sei allerdings kein Spendenkonto, entsprechende Quittungen könnten nicht ausgestellt werden. Nähere Details sollen noch folgen. HCL-Cheftrainer Norman Rentsch appellierte an alle Sportfans in der Messestadt, dem Frauenhandball-Bundesligisten zu helfen. „Der Frauensport in Leipzig ist ohne den HCL nicht vorstellbar“, so Rentsch weiter.

Im Verein selbst sei der Rückhalt trotz finanzieller Misere groß: Wie Hähner erklärte, wollen alle größere Sponsoren dem HCL auch weiterhin die Treue halten, zum Teil seien auch bereits Vertragsverlängerungen vereinbart worden. Zudem hätten fast alle Spielerinnen zugesagt, den schwierigen Weg mitgehen zu wollen. Nicht bleiben wird allerdings die langjährige Kapitänin Katja Kramarczyk. Noch während der Bundesliga-Partie am Mittwochabend hatte Kramarczyk via Facebook bekanntgegeben, dass sie den Verein verlassen werde. Wie Hähner am Donnerstag sagte, schließt sich die Nationalspielerin jetzt aus privaten Gründen Bayer Leverkusen an.

Altschulden und nicht eingehaltene Sponsorendeals

Gründe für die aktuelle Schieflage beim Rekordmeister gebe es viele. Zum einen sollen Altschulden den HCL schon länger aufs Kontor drücken, so Hähner. Auch hätten aktuelle Geldgeber ihre finanzellen Zusagen zum Teil leider nicht einhalten können, die der HCL aber auf dem Transfermarkt bereits fest eingeplant hatte. Hähner machte in diesem Zusammenhang auch die EU-Sanktionen gegen Russland indirekt mitverantwortlich, die bei Sponsoren des Bundesligisten für finanziellen Einbußen gesorgt hätten.

Letzlich zeigte sich der HCL-Manager aber auch selbstkritisch. Hähner erklärte, er habe als verantwortlicher Manager Dinge zum Teil falsch eingeschätzt, so sei beispielsweise die Entscheidung, in dieser Saison Champions League spielen zu wollen, eine Fehlentscheidung gewesen. Die Mehrbelastung in der Qualifikation habe zu Verletzungen im Team geführt. "Dazu war der Kader einfach zu klein", so Hähner am Donnerstag.

Einen Rücktritt schloss der langjährige Lenker des Handball-Bundesligisten am Donnerstag trotzdem aus. "Ich bin bereit zu kämpfen", sagte Hähner den Journalisten. Künftig werde der Verein aber auch über strukturelle Veränderungen nachdenken müssen, bei den Einsparungen ziehe der Bundesligist auch einen partiellen Wechsel der Spielstätte in Betracht, könne sich vorstellen, künftig auch in kleineren Hallen anzutreten.

FDP fordert: Kein weiteres Steuergeld für den HC Leipzig

Als erste aus der Leipziger Parteienlandschaft reagierten am Donnerstag die Liberalen und sprachen sich klar gegen weitere finanzielle Hilfen aus der Stadtkasse für den Bundesligisten aus. „Der Verein erhält bereits eine sechsstellige Summe pro Jahr aus der Stadtkasse. Darüber hinaus hat auch die Spielbetriebsgesellschaft Förderungen erhalten. Das sind Summen, von denen anderen Vereine nur träumen können“, sagte der FDP-Kreisvorsitzend Marcus Viefeld. Wer mit solchen Beträgen dauerhaft nicht auskomme, solle nicht noch um mehr bitten, findet der Politiker.

Zudem kritisierte Viefeld, dass der HC Leipzig schon seit Langem mit einer Unterdeckung arbeite. „Ein kurzer Blick in den Bundesanzeiger verrät: Seit Jahren hat die Spielbetriebsgesellschaft einen hohen sechsstelligen Betrag als nichtgedeckten Fehlbetrag in der Bilanz. Das Problem ist seit Jahren akut und offenbar verschlafen worden. Im letzten Moment bei der Stadt – und damit bei den Steuerzahlern – anzuklopfen, ist schlechter Stil“, teilte der FDP-Politiker am Donnerstag mit

Matthias Puppe

Unterstützung für die Bundesliga-Frauen des HCL via: http://www.hc-leipzig.de

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