Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
„Wie ein Schlag ins Gesicht“: Handballerin Grit Jurack vor ihrem Abschiedsspiel im Interview

„Wie ein Schlag ins Gesicht“: Handballerin Grit Jurack vor ihrem Abschiedsspiel im Interview

Sie gehört zu den weltbesten Handballerinnen: Grit Jurack. Ihr Name steht für Rekorde. 305 Länderspiele, 1579 Tore – einmalig in Deutschland. Jedoch nahm ihre 20-jährige Karriere ein abruptes Ende.

Voriger Artikel
Voller Kalender für Leipziger Handballerinnen – Deutsches Nationalteam trifft auf Tschechien
Nächster Artikel
Keine Verschnaufpause für HCL-Damen – Nächstes Spitzenspiel am Samstag

Die deutsche Handball-Rekordnationalspielerin Grit Jurack musste ihre Karriere aus gesundheitlichen Gründen beenden.

Quelle: Jan Woitas

Leipzig. Ein Knorpelschaden in der Schulter zwang sie von heute auf morgen zum Aufhören. Mit LVZ-Online spricht die fünfmalige „Welthandballerin des Jahres“ über ihren größten Tiefschlag, ihre Zukunftspläne und über ihr Abschiedsspiel am Sonntag in Leipzig.

Frage:

Grit Jurack, wie haben Sie vor wenigen Wochen die Nachricht aufgenommen, ihre Karriere von heute auf morgen beenden zu müssen?

Grit Jurack:

Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen. Das war wie ein Schlag ins Gesicht.

Und wie sehen Sie die Sache mit ein paar Tagen Abstand?

Im Nachhinein habe ich mich damit abgefunden. Natürlich hätte ich gerne weiterspielen wollen. Aber nächstes Jahr hätte ich sowieso aufgehört. Deshalb bin ich auch weich gefallen, weil ich in Viborg eben noch ein Jahr im Verein bin und in Ruhe schauen kann, wie es danach weitergeht.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne konkret aus?

Ich habe an der DHfK in Leipzig Diplomsportlehrerin mit dem Schwerpunkt Management studiert und würde gerne in dem Bereich etwas machen. Ob wir (Lebenspartner und Kind, Anm. d. Red.) in Dänemark bleiben oder wieder zurück nach Deutschland kommen, werden wir sehen – in der Hinsicht sind wir offen.

Ein Trainerjob kommt für Sie nicht in Frage?

Wenn, dann in einer Kindermannschaft.

Warum ausgerechnet im Nachwuchsbereich?

Mit Erwachsenen zu arbeiten, ist mir zu langweilig.

Als Sportler will man gern seine Karriere mit einem positiven Erlebnis beenden. Wurmt es Sie nicht, dass Ihnen das verwehrt blieb?

Ich hatte ja keine richtige Wahl. Denn der irreparable Schaden ist da. Der Arzt kam und meinte, ich solle sofort aufhören oder ich hätte das ganze Leben lang Schmerzen. Da hab ich mich für das kleinere Übel entschieden. Außerdem war es vom Zeitpunkt eigentlich auch so, als ob ich meine Karriere beendet hätte. Denn die letzte Saison war abgeschlossen und die neue stand unmittelbar bevor.

20 Jahre haben Sie Handball gespielt. Was würden Sie als Höhe- und was als Tiefpunkt Ihrer intensiven Karriere bezeichnen?

Die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Obwohl. Das war ein Highlight. Der Höhepunkt war der Gewinn der Bronzemedaille 1997 in Paris. Und mit dem Verein das Triple 1996 mit dem Champions-League-Titel, der dänischen Meisterschaft und dem Pokalsieg. Das war richtig geil.

Sie haben sich im März aus der Nationalmannschaft zurückgezogen. Wie sehen Sie die bisherige Entwicklung  des Teams?

Das ist eine junge gute Mannschaft, mit sehr viel Potential und zwei sehr guten Trainern, die einfach die Dauerhaftigkeit und Festigkeit braucht, um sich in der internationalen Spitze festzusetzen. Die Spieler sind alle individuell stark. Aber es ist immer schwierig, international eine feste Größe zu werden.

Maik Nowak, unter dem Sie sechs Jahre in Leipzig trainiert haben, ist neuer Co-Trainer der Nationalmannschaft. Hätte es Sie gereizt nochmals mit ihm zusammenzuarbeiten?

Ja, auf jeden Fall. Denn Maik war einer meiner prägendsten Trainer. Aber es hat nicht sein sollen.

Ihre Mutter ist in Leipzig bei jedem Ihrer Spiele in der Halle gewesen und hat stets mitgefiebert – so wird sie auch am Sonntag bei Ihrem Abschiedsspiel dabei sein. Wie war für Ihre Mutter der Moment, als sie von Ihrem abrupten Karriereende erfahren hat?

Für sie war es mindestens genauso schlimm. Und ich glaube, für sie wird das Spiel noch emotionaler als für mich. Eine Mutti leidet immer mit. Wenn mein Sohn sich weh tut, tut mir das auch weh. Das liegt nun einmal in der Natur.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie persönlich in Ihr Abschiedsspiel?

Es wird mein allerletztes Handballspiel. Deshalb werde es einfach genießen. Auch, weil viele Mädels dabei sind, mit denen ich jahrelang zusammengespielt habe und es in Leipzig stattfindet – in der Stadt, wo alles begann.

Interview: Anne Kunze

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News