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Wut, Enttäuschung und Kritik am Management nach HCL-Insolvenz

Absturz in die dritte Liga Wut, Enttäuschung und Kritik am Management nach HCL-Insolvenz

Vor acht Tagen tönte HCL-Manager Kay-Sven Hähner: Die 600.000 Euro für die Lizenz seien unstrittig. Nun steht fest: Der HC Leipzig meldet Insolvenz an. Abstieg in die 3. Liga. Trainer Norman Rentsch ist wütend. Die Vorwürfe richten sich vor allem an Hähner.

"Das zieht einem den Boden unter den Füßen weg": HCL-Trainer Norman Rentsch fühlt sich von der Vereinsführung getäuscht.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Sein erster Weg am Montag führt Norman Rentsch zum Arbeitsamt. Nach der Insolvenz des einstigen Erfolgsclubs HC Leipzig und dem Zwangsabstieg in die 3. Liga ist der Handball-Trainer vorerst auf Unterstützung angewiesen. „Das ist ein sehr unangenehmer Weg für mich. Wir haben alle dran geglaubt und hatten Vertrauen in die Vereinsführung, dass es klappt. Das zieht einem den Boden unter den Füßen weg“, sagte der 37-Jährige. Er ist verbittert.

Der zweifache Familienvater wartet wie viele Spielerinnen und Angestellte seit Januar auf sein Gehalt. Der Frauen-Handballbundesligist häufte über Jahre Schulden in Höhe von 1,3 Millionen Euro an.

Rentsch fühlt sich wie viele andere von der Vereinsführung um Manager Kay-Sven Hähner getäuscht. „Ich frage mich, wie die Verantwortlichen des Vereins und des Managements gearbeitet haben“, sagte er. Zumal nach Informationen des HBF-Vorsitzenden Berndt Dugall schon vor der Entscheidung des Schiedsgerichts vor gut einer Woche, der zufolge die Lizenz mit der Zahlung von 600 000 Euro verknüpft worden war, ein entscheidender Investor abgesprungen sein soll. Damit war klar, dass der Erhalt der Lizenz nahezu unmöglich war.

Last-Minute-Rettungsplan ging nicht auf

Dennoch waren viele nach Hähners öffentlich nahezu euphorischen Äußerungen Ende vergangener Woche von der Rettung des sechsmaligen deutschen Handball-Meisters überzeugt gewesen. „Wir erfüllen sie“, hatte Hähner nach dem Sieg vor dem Schiedsgericht und dem Erhalt der an eine Bedingung geknüpften Lizenz getönt.

Hähner scheiterte. „Ich hatte keine andere Wahl“, verkündete er am Samstag lediglich per SMS. Das benötigte Geld sei nicht da. Mehr wollte er nicht mitteilen. Hähner meldete am Samstag die Insolvenz des HCL an, der siebenmalige Pokalsieger muss nun in der 3. Liga mit einem Junior-Team den schweren Neuanfang starten. Auch gut möglich, dass das Insolvenzverfahren mangels Masse gar nicht eröffnet wird. Für den sechsmaligen deutschen Meister rückt der HC Rödertal bei Dresden in die Bundesliga nach.

Wie es in Leipzig weitergeht, ist völlig offen. In den vergangenen Wochen hatten sich alle Leistungsträgerinnen von dem Verein abgewendet. Zudem kann der HCL durch die Insolvenzanmeldung erst wieder für die Spielzeit 2019/2020 einen Lizenzantrag für die 2. Liga stellen. Das HCL-Überlebenskonzept hatte 600 000 Euro durch neue Sponsoren, 100 000 Euro durch Gläubigerverzichte, 200 000 Euro durch die Stadt Leipzig und 100 000 Euro vom eigens eingerichteten Spendenkonto vorgesehen. Der Last-Minute-Rettungsplan ging nicht auf.

"Das ist fahrlässig, ja schon fast kriminell"

Im Fokus der Verantwortung und Kritik: Hähner. „Das ist fahrlässig, ja schon fast kriminell, wie er gehandelt hat“, sagte Herbert Müller, Trainer des Thüringer HC, dem MDR. Als Müller 2009 mit dem früheren Meister Nürnberg Insolvenz anmelden musste, sei Hähner „der größte Querschießer“ gewesen: „Er hat uns schikaniert ohne Ende. Auch in der Zeit hier beim Thüringer HC. Was jetzt passierte, ist unfassbar.“

Die Leidtragenden sind Spielerinnen, Trainer und Betreuer. Rentsch lehnte mehrere Angebote ab, auch aus dem Ausland. „Wir wollten mit einem jungen Team weitermachen und auch durch die schweren Zeiten gehen“, sagte er. Weil man die tollen Strukturen mit der erfolgreichen Nachwuchsarbeit nicht einfach fallen lassen könne, will er mithelfen, den Fortbestand des Vereins zu sichern. Für Hähner, einst als Erfolgsmacher gefeiert, dürfte kein Platz mehr sein.

Von Sandra Degenhardt

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