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Jicha & Co: Handball-Weltstars verabschieden sich

Handball Jicha & Co: Handball-Weltstars verabschieden sich

Und wieder ist einer weg: In Filip Jicha hat der nächste Top-Spieler die Handball-Bundesliga verlassen. In anderen Ligen lockt gutes Geld für weniger Strapazen.

Stuttgart. Adieu und nun adios: Der stärksten Liga der Welt gehen langsam die Weltstars aus. Mit seinem Wechsel vom THW Kiel zum FC Barcelona hat Filip Jicha den schleichenden Exodus der Top-Spieler aus der Handball-Bundesliga ins Schlaglicht gerückt.

Und gleichwertiger Ersatz für die schillernden Figuren ist nicht in Sicht. Für den 33-jährigen ehemaligen Welthandballer Jicha hat der deutsche Meister den Norweger Erlend Mamelund verpflichtet. "Jicha ist weg, leider, Mamelund ist da. Aber er ist kein Jicha-Ersatz. Er ist nicht da, um die Lücke von Jicha zu schließen", sagte Kiels Trainer Alfred Gislason mit betretener Miene.

Sein Team hat dennoch wie im Vorjahr und zum neunten Mal insgesamt am Mittwochabend den Supercup durch ein glückliches 27:26 (12:14) gegen den DHB-Pokalsieger SG Flensburg-Handewitt gewonnen. Das lag nicht zuletzt neben dem starken Torhüter Niklas Landin auch am letzten in der Liga verbliebenen Welthandballer Domagoj Duvnjak.

Nach dem jetzigen Trend scheint es nur eine Frage der Zeit, wann auch der 27 Jahre alte Spielmacher aus Kroatien wegen der Strapazen der Bundesliga den Rücken kehrt. Denn Jichas Weggang ist nur ein vorläufiger Schlusspunkt der Abwanderung, nachdem zuvor bereits Spitzenspieler im Dutzend in andere Ligen gewechselt sind oder ihre Karriere beendet haben: Nikola Karabatic, Thierry Omeyer, Daniel Narcisse, Bertrand und Guillaume Gille, Slawomir Szmal, Karol Bielecki, Momir Ilic, Kim Andersson, Aron Palmarsson, Ivano Balic oder Iker Romero.

Die Gründe dafür, warum die Top-Spieler die Bundesliga in Richtung FC Barcelona (Spanien), MKB Veszprem (Ungarn), Paris St. Germain (Frankreich) oder Vive Tauron Kielce (Polen) verlassen, sind vielfältig. Geld ist das eine, die Belastung das andere. Keine andere Liga hat 18 Mannschaften, die Spitzenclubs der anderen Länder sind in ihren Ligen ohne sportliche Herausforderung, nur Deutschland stellt je drei Teams in Champions League und EHF-Pokal, die Nationalmannschaften fordern zusätzlichen Tribut.

Den Raubbau am Körper machen die besten Handballer nicht ewig mit. "Beim FC Barcelona werde ich mehr Zeit für die Regeneration und die Familie haben. Das war ein wichtiger Grund für meine Entscheidung", bekannte der zuletzt immer wieder gesundheitlich angeschlagene Jicha, der in Katalonien zudem besser verdient als in Kiel. "Die Bundesliga ist mit Abstand das Härteste, was die Belastung angeht", betonte Gislason und meinte überzeugt: "Der Hauptpunkt für die Spieler ist nicht das Geld, sondern dass sie mehr Freizeit haben."

"Die Spieler kommen extrem an ihre Belastungsgrenze. Das ist in anderen Ligen anders", sagte Dierk Schmäschke, Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt, "das ist für Spieler durchaus ein Argument". Ähnlich sieht das Frank Bohmann, Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL. "Natürlich ist Jicha ein Verlust. Aber man kann verstehen, dass sich Spieler in seiner Phase der Karriere eine Liga suchen, wo sie nicht mehr ganz so hart rangenommen werden", meinte er.

Dennoch sehen die Verantwortlichen die Liga nicht auf einem absteigenden Ast. "Ich glaube nicht, dass die Spieler einen Bogen um die Bundesliga machen. Das ist noch immer die interessanteste Liga Europas", sagte der Flensburger Manager Schmäschke. "Wir brauchen nach wie vor Weltstars, um unseren Status aufrecht zu erhalten", gab Bohmann zwar zu, fügte aber an: "Alle drei deutschen Clubs sind Kandidaten für das Champions-League-Final4."

dpa

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