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Michelmann soll Bauer als Handball-Chef folgen

Handball Michelmann soll Bauer als Handball-Chef folgen

Der Deutsche Handballbund muss noch einmal von vorne anfangen. In Hannover soll auf einem Außerordentlichen Bundestag Andreas Michelmann zum Nachfolger des getürmten Bernhard Bauer als Präsident gewählt werden. Damit wäre das Ende einer Schlammschlacht besiegelt.

Leipzig. Der Deutsche Handballbund (DHB) wagt einen ungewollten Neuanfang. An diesem Samstag soll Andreas Michelmann auf dem Außerordentlichen Bundestag in Hannover zum neunten regulären Präsidenten des weltgrößten nationalen Handball-Verbandes gewählt werden.

Der 55 Jahre alte Oberbürgermeister von Aschersleben in Sachsen-Anhalt ist einziger Bewerber auf die Nachfolge von Bernhard Bauer, der im März nach nur eineinhalbjähriger Amtszeit zurückgetreten war.

"Ich freue mich auf den Bundestag", sagte Michelmann der Deutschen Presse-Agentur. Der Germanist, seit September 2013 Vizepräsident für Amateur- und Breitensport, war von einer siebenköpfigen Findungskommission einstimmig zum Kandidaten erkoren worden. "Vor allem freue ich mich, dass, nachdem wir lange nur übereinander geredet haben, offenbar der Knoten geplatzt ist und wir miteinander ins Gespräch kommen", sagte der Kommunalpolitiker.

Damit spielte er noch einmal auf den unsäglichen Machtkampf an, der in der Folge von Bauers Flucht aus dem Präsidentenamt im März ausgebrochen war. Denn nach der Nominierung Michelmanns ging es hoch her: Angeführt von Württemberg revoltierten vier Landesverbände gegen den Vorschlag, beantragten für den Bundestag die Abwahl aller DHB-Vizepräsidenten und wollten so die Rückkehr des getürmten Bauer auf den Chefsessel vorbereiten.

Denn ein Erfolg dieses Vorstoßes war Grundlage dafür, dass Bauer ein Comeback wagen wollte. Er habe zugesagt, dass er dafür zur Verfügung stehe, "wenn der Antrag erfolgreich ist", hatte Bauer in einem Brief an alle Bundesratsmitglieder geschrieben. Ziel der Attacke war nicht nur Michelmann, sondern zuvorderst Bob Hanning. Ein Zerwürfnis mit dem Vizepräsidenten Leistungssport und Manager des Bundesligisten Füchse Berlin gilt als Grund für Bauers Demission.

Auf einer Außerordentlichen Tagung des Bundesrates in Kassel, in zahlreichen Gesprächen sowie einer Sitzung des DHB-Präsidiums am Rande des Bundesliga-Supercups in Stuttgart wurden die verhärteten Fronten zwischen den Landesverbänden und der DHB-Führung aufgeweicht. "Das Ergebnis der Findungskommission, Andreas Michelmann als Präsident, unterstützt das DHB-Präsidium", verkündete Generalsekretär und Interimspräsident Mark Schober in Stuttgart.

Die Landesverbände zogen den Abwahlantrag zurück, womit das mögliche Comeback von Bauer und eine Kampfabstimmung abgewendet waren. Im Gegenzug sollen auf dem Bundestag 2017 umfassende Strukturreformen beschlossen werden. In deren Mittelpunkt stehen die Stärkung des Hauptamtes sowie Veränderungen bei den Compliance-Richtlinien.

Hans Artschwager, Präsident des Landesverbandes Württemberg, wollte dennoch die Wahl Michelmanns nicht vorbehaltlos unterstützen. "Dabei hat jeder Landesverband seine Stimmen und kann entscheiden, wie sie mit der Empfehlung des Präsidiums umgehen", sagte er und wollte einen Gegenkandidaten nicht ausschließen: "Es können jederzeit beim Bundestag Namen genannt werden."

Die Vorbehalte der Kritiker gegen den designierten DHB-Chef lauten: Er ist international nicht vernetzt und unbekannt und er ist nur ein Präsident von Hannings Gnaden. "Das ist alles Quatsch", heißt es aus Reihen seiner Unterstützer. "Vernetzen muss er sich", räumte Frank Bohmann, Geschäftsführer des Ligaverbandes, zwar ein, fügte aber an: "Wer kannte international Bernhard Bauer vor seiner Wahl? Jetzt muss man ihm mal eine gerechte Chance geben. Ich habe ihn als aufrechten und gerade Typen kennengelernt."

Bob Hanning erinnerte daran, dass Andreas Michelmann bereits vor zwei Jahren die erste Wahl der Landesverbände gewesen sei. "Er hat ja schon 2013 kandidieren wollen und dann zurückgezogen zugunsten von Bernhard Bauer, weil er gesagt hat: Wenn es eine bessere Lösung gibt, dann machen wir das mit ihm", sagte der Leistungssportchef in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung".

dpa

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