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Außer Carolin Schäfer stechen die DLV-Asse nicht

Leichtathletik Außer Carolin Schäfer stechen die DLV-Asse nicht

Die acht Medaillen von Peking 2015 wollte der DLV von Anfang an nicht als WM-Maßstab sehen. Die deutschen Leichtathleten zahlen in London allerdings mehr Lehrgeld als erwartet.

Nur einmal Silber für Siebenkämpferin Carolin Schäfer - mehr Medaillen sprangen in den ersten sechs Wettkampftagen für den DLV nicht heraus.

Quelle: Bernd Thissen

London. Die Altstars reißen nichts, die Jungspunde sind oft noch nicht so weit: Für den Deutschen Leichtathletik-Verband fällt die Zwischenbilanz bei der Weltmeisterschaft in London ziemlich düster aus.

Der olympischen Kernsportart droht beim Umbruch im Nationalteam eine ähnlich magere Ausbeute wie in Rio de Janeiro. Die Funktionäre bemühen sich um Gelassenheit. "In der zweiten WM-Hälfte haben wir noch eine Reihe von Medaillenchancen, traditionell sind wir nach hinten raus immer erfolgreicher gewesen", betonte DLV-Präsident Clemens Prokop.

Nur einmal Silber für Siebenkämpferin Carolin Schäfer - mehr Medaillen sprangen in den ersten sechs Wettkampftagen für die 71 deutschen Teilnehmer nicht heraus. Drei waren es bei Olympia 2016, gleich acht bei der letzten WM 2015 in Peking. Irgendwo dazwischen liegt wohl der wahre Leistungsstand. Am Dienstagabend standen allerdings zwei weitere deutsche Mitfavoriten ratlos in den Katakomben des Olympiastadions: Katharina Molitor, Titelverteidigerin im Speerwurf, enttäuschte als Siebte, Raphael Holzdeppe, Weltmeister von 2013, scheiterte an seiner Anfangshöhe im Stabhochsprung.

Für das Final-Wochenende hat der DLV allerdings noch einige Trümpfe in der Hinterhand: das in der Welt führende Speerwurf-Trio mit Olympiasieger Thomas Röhler, dem deutschen Rekordhalter Johannes Vetter und Andreas Hofmann sowie die Zehnkämpfer Rico Freimuth und Kai Kazmirek.

Mit dem zweifachen Kugelstoß-Weltmeister David Storl und Diskus-Olympiasieger Robert Harting waren allerdings zwei erfahrene Athleten leer ausgegangen. Eine Erkenntnis von London: Die Werfer sind nicht mehr die Medaillengaranten. "Begründet durch den internationalen Wissenstransfer und die weltweiten Talentpotenziale sind die Wurfdisziplinen nicht mehr die alleinige Domäne der europäischen Athleten. Somit wird die Konkurrenzsituation immer größer", erläutert DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska, verweist aber auf "absolute Weltklasseleistungen" wie jene der fünftplatzierten Lisa Ryzih im Stabhochsprung und Kristin Gierisch im Dreisprung.

Selbst so manche erfahrene Athleten wie Sprinter Julian Reus (29) kamen vor der lautstarken Kulisse mitunter nicht klar. "Es ist nicht einfach, direkt in so ein Haifischbecken geschmissen zu werden. Ich habe das zwar schon mehrmals gemacht, aber wir haben es nur einmal im Jahr", sagte der Wattenscheider nach seinem Vorlauf-Aus.

Aber es gab auch andere: Gina Lückenkemper flitzte in der Weltklassezeit von 10,95 Sekunden durch den Vorlauf, Hanna Klein kam bei ihrem WM-Debüt über 1500 Meter als Elfte ins Ziel - vor Titelverteidigerin und Weltrekordlerin Genzebe Dibaba aus Äthiopien. "Ich glaube, dass wir uns gegenseitig anspornen und sehen, da geht doch etwas. Das treibt weiter an", sagte die 24-Jährige. Allerdings schied Toptalent Konstanze Klosterhalfen über die gleiche Distanz nach einem missglückten Sololauf im Halbfinale aus.

"Ich finde, die jungen Athleten haben eine bewundernswerte Vorstellung gegeben. Es zeigt, dass wir bis zu den Olympischen Spielen 2020 gut aufgestellt sind", sagte Prokop.

Der DLV hofft auf den Lerneffekt bei seinen jungen Athleten. "Die Callroom-Zeiten, das Einwerfen. Alles dauert länger. Es ist etwas komplett anderes wie zum Beispiel bei den deutschen Meisterschaften", sagte Hammerwerferin Susen Küster. "Das Team hier ist geprägt von alten, erfahrenen Athleten, von denen wir Jungen extrem viel profitieren können - und die sich gegenseitig total helfen", erklärte 400-Meter-Hürdenläuferin Jackie Baumann, die öfter mal mit den Diskus-Assen Robert und Julia Harting an einem Tisch sitzt: "Die verkörpern für mich so eine Ruhe."

dpa

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