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DLV: Doping begrenzt Chancen - "Weniger manipulationsfrei"

Leichtathletik DLV: Doping begrenzt Chancen - "Weniger manipulationsfrei"

Vier Medaillen haben die deutschen Leichtathleten nach knapp der Hälfte der WM-Entscheidungen in Peking auf der Habenseite. Für den nationalen Verband haben diese Edelplaketten noch einen zusätzlichen Wert, da immer mehr Doping im Spiel sei. Der DLV beklagt das offen.

Peking (dpa) - So offen hat noch kein Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes die fehlende Chancengleichheit bei einer Weltmeisterschaft wegen Dopings beklagt.

"Wir bewegen uns im Spitzensport auf einem Weg, wo Leistungen scheinbar immer weniger manipulationsfrei erbracht werden", erklärte Thomas Kurschilgen in Peking. "Das hindert die fairen und sauberen Sportler daran, den verdienten Lohn ihrer Arbeit in Form von Finalplatzierungen und Medaillen entgegen zu nehmen."

Dennoch wolle der DLV "im Konzert der Großen dabei sein", sagte Kurschilgen und zog ein zufriedenstellendes WM-Zwischenfazit: "Das deutsche Team hat sich hervorragend dargestellt und behaupten können. Der Trend ist positiv." Erfreulich ist für ihn, dass bis dato gut 80 Prozent der deutschen Starter bei der WM ein gleiches oder höheres Leistungsniveau als vor der Nominierung abrufen konnten.

Leistungsträger wie die Kugelstoß-Asse Christina Schwanitz (Gold) und David Storl, Raphael Holzdeppe im Stabhochsprung (beide Silber), Nadine Müller (Bronze) mit dem Diskus sowie überraschend auch Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause (Bronze) sorgten bisher für fünf Medaillen. Vor zwei Jahren bei der WM in Moskau gewannen die DLV-Teilnehmer sieben Edelplaketten, davon vier goldene.

Bis zum Ende der Welttitelkämpfe im "Vogelnest"-Stadion hat der DLV noch einige Medaillenhoffnungen wie die frühere Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler, den WM-Zweiten im Zehnkampf, Michael Schrader, Speerwurf-Titelverteidigerin Christina Obergföll oder eventuell die deutsche Sprint-Staffel der Frauen.

Eine Hochrechnung, wie viele Medaillen es bis Sonntag noch werden könnten, und einen Vergleich mit der Ausbeute von Moskau lehnt der DLV strikt ab. "Ich halte es für fragwürdig, dass sich ein Verband mit Medaillenerhebungen beschäftigt", sagte Kurschilgen. In einer Individualsportart, in der Millimeter oder Zehntelsekunden über Medaillen entscheiden können, würde dies dem Athleten nicht gerecht.

Nach 23 von 47 Wettbewerben lag Deutschland im Medaillenspiegel hinter Kenia (6/3/2), Großbritannien (3/0/0), Jamaika (2/0/1), Kuba (2/0/0) und den USA (1/3/5) an sechster Stelle - und in der Nationenwertung der Plätze eins bis acht auf Rang drei. Russland, eigentlich Europas Leichtathletik-Land Nummer eins und nach Enthüllungen über ein angeblich systematisches Doping im besonderen Fokus, liegt in dem Punkte-Ranking nur an zwölfter Stelle. "Das möchte ich auch verdeutlichen", betonte Kurschilgen.

Allerdings will der DLV-Sportchef weder einen Generalverdacht aussprechen noch alle guten Resultate auf Manipulation zurückführen. "Wir müssen deutlich feststellen, dass die Weltmeisterschaft, was das Leistungsniveau und die -dichte angeht, sich auf einer Ebene bewegt, die wir bei den Olympischen Spielen 2012 in London und bei der WM 2013 so nicht gesehen haben", stellte Kurschilgen fest.

Dass Athleten aus bisher 20 Nationen Medaillen gewonnen und 40 Nationen Finalplätze erreicht hätten, seien eine Beleg dafür. Auch die Leistungsentwicklung im Frauen-Stabhochsprung illustriere dies: Bei der WM in Moskaus mussten 4,55 Meter zum Finaleinzug überwunden werden, was 14 Athletinnen gelang. In Peking waren 4,70 Meter erforderlich - 17 Sportlerinnen schafften das. "Das zeigt: Der Wettbewerb ist härter geworden", sagte Kurschilgen.

dpa

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