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Ermittler: Diack kassierte "mehr als eine Million Euro"

Sportpolitik Ermittler: Diack kassierte "mehr als eine Million Euro"

Im Leichtathletik-Weltverband IAAF hat es offenbar unter dem früheren Präsidenten Lamine Diack einen Sumpf von Korruption gegeben. Vermutlich hat der Senegalese mehr als eine Million Euro für die Vertuschung positiver Doping-Proben kassiert.

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Lamine Diack ist wegen Bestechlichkeit und Geldwäsche angeklagt.

Quelle: Wu Hong

Paris. Die Korruptionsaffäre um den früheren IAAF-Präsidenten Lamine Diack wächst zu einem Skandal mit immer größerer Dimension. In seiner Amtszeit soll er mehr als eine Million Euro für die Vertuschung positiver Doping-Proben kassiert haben.

Dies erklärte die französische Staatsanwältin Eliane Houlette der Nachrichtenagentur AP. "Es ist eine Form der Erpressung, wenn man zu jemanden sagt: 'Zahle oder du kannst nicht starten'", sagte sie. "Ich weiß nicht, ob wir es ein Mafia-System nennen können, aber es ist ein System der Korruption. Es ist extrem ernsthaft."

Diack war am Sonntag festgenommen worden. Gegen den 82-Jährigen aus dem Senegal wurde von der französischen Justiz Anklage wegen Bestechlichkeit und Geldwäsche erhoben. Er ist gegen Kaution wieder auf freiem Fuß. Auch sein Anwalt Habib Cisse wurde angeklagt. Zudem sind der einstige Leiter der Anti-Doping-Abteilung der IAAF, Gabriel Dolle, und Diacks Sohn Papa Massata ins Visier der Justiz gerückt.

Wegen des Skandals sagte die IAAF am Freitag die "World Athletics Gala" am 28. November in Monte Carlo ab. Auf der seit 1988 organisierten Gala sollten auch die "Weltleichtathleten des Jahres" gekürt werden. Diack ist formal noch Vorsitzender der IAAF-Tochter "Athletics Foundation", die die Gala ausrichtet.

"Alles, was wir wissen ist, dass es mehr als eine Million Euro sind und das Geld anscheinend über den russischen Leichtathletik-Verband transferiert wurden", erklärte Houlette zu den Machenschaften unter der Diack-Ägide. "Ich bin erschüttert. In dieser Dimension war es nicht zu erwarten", kommentierte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, die neue Entwicklung.

Auf die Spur kamen die Ermittler Diack, der 16 Jahre Präsident der IAAF war und das Amt im August an den Briten Sebastian Coe übergeben hat, durch Informationen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Sie hatten Belege zum Doping-Fall der türkischen Olympiasiegerin von 2012, Asli Cakir Alptekin, entdeckt. Wie Houlette berichtet, soll der 1500-Meter-Läuferin angeboten worden sein, eine positive Doping-Probe von ihr verschwinden zu lassen, wenn sie dafür zahle.

"Es war eine Art von Erpressung", so Houlette, "aber sie verweigerte es." Daraufhin wurde die Türkin wegen wiederholten Dopings für acht Jahre bis 2021 gesperrt und ihr das Olympia-Gold aberkannt.

Bisher ist Alptekin noch nicht von der französischen Justiz befragt worden. Ihre Aussage könnte Aufschluss darüber geben, wie viel man für die Doping-Vertuschung hätte zahlen müssen und welche Rolle Lamine Diack dabei gespielt hat.

Eine "sehr aktive Rolle" soll bei diesen kriminellen Aktivitäten der Sohn von Lamine Diack, Papa Massata, gespielt haben. "Wir konnten ihn nicht inhaftieren, weil er nicht nach Paris gekommen ist, als wir ihn erwartet hatten. Er ist ebenfalls in dieser Affäre verwickelt", sagte Houlette. "Wir hätten ihn festgenommen." Papa Massata Diack hat eine Beratungsfirma in Dakar und hat in der Amtszeit seines Vaters als Marketingberater offiziell für die IAAF gearbeitet und dem Verband auch Sponsoren vermittelt.

Nach bisherigen Erkenntnissen sind bisher die Fälle von sechs Athleten bekannt, überwiegend Russen, von denen auffällige Dopingproben vertuscht worden sein sollen. "Die Ermittlungen haben gerade erst begonnen, deshalb können wir noch nicht bestätigten, ob all das Geld von russischen Athleten gezahlt wurden", sagte Houlette.

Sicher sei, dass Diack-Anwalt Cisse nach Russland gereist sei und dem Verband "eine Liste mit des Dopings verdächtigen russischen Leichtathleten vorgelegt hat - und im Austausch von Geld versichert, dass diese Athleten nicht sanktioniert werden".

Durch diese Anschuldigungen wird die Veröffentlichung des Berichts der unabhängigen WADA-Kommission am Montag in Genf zu den Ermittlungen über angeblich flächendeckendes Doping in Russland noch brisanter. Das Gremium wurde nach der im Dezember 2014 gezeigten ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht" berufen.

dpa

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